Es ist schon ziemlich komisch, das Gefühl, das bald Weihnachten ist. Aber es ist auch hier zu merken. Eine gewisse Geschenke-Einkauf-Hektik macht sich bemerkbar. Da es hier ja auch zahlreiche internationale Geschäfte gibt (Mahima, Ecomarché, Leader Price und den amerikanischen Supermarkt) gibt es auch ein entsprechendes Angebot für Weihnachtsgeschenke. Bevorzugt Plastikware, überdimensionale Barbie-Puppen mit heller Haut, langen Haaren, Stöckelschuhen, in der Größe eines 3-4jährigen Kindes. Dreiräder, Fahrräder, Plastikkeyboards, Lerncomputer - wobei das mit den Fahrrädern ist ja so eine Sache. Man sieht hier schon mal den ein oder anderen auf einem Fahrrad. Aber dazu gehört eine Menge Mut. Besonders in den Kreisverkehren ist das schon Überlebenskunst :) Und dann die Löcher in den Strassen, sie setzen manches mal sogar die gelben (in der Regel schrottreifen) Taxen auf den Bürgersteig. Rummms... Hat es wieder einen von der Strasse gehauen oder aber mitten ins Schlagloch hinein. Das ist jetzt nicht so wirklich schlimm, dem Auto sieht man es meist nicht mehr an, denn eine Beule mehr oder weniger... Das chaotische an der Sache ist dann der nachfolgende Verkehr, der links und rechts an dem verunglückten Wagen vorbei will, sich deshalb in den Gegenverkehr einreiht, der natürlich versucht, auszuweichen und damit eine weitere (oder auch zwei weitere) Fahrspur eröffnet. Dann wird noch kräftig gehupt (ich hatte keine Ahnung, dass es soooo viele Hupvariationen gibt... klaxon genannt auf französisch - sehr passend finde ich). Und vielleicht auch noch gedrängelt und das Chaos ist perfekt. Und plötzlich ist es vorbei... Einfach so... und der Verkehr rollt wieder. Die Kameruner sind sehr groß in diesen Verkehrsstau-Aktionen. Aber gut. Ein Taxi bestellt man sich ja auch so, dass man sich an den Strassenrand stellt, jedem vorbeifahrenden Taxi, das hupt, einen Preis und den Ort, zu dem man will zubrüllt (flüstern klappt manchmal erstaunlicherweise auch, besonders bei attraktiven Frauen, die auf ein Taxi warten :D ) und hofft, dass der Fahrer anhält. Sollte das der Fall sein, kann man nur hoffen, dass der Kofferraum nicht schon gefüllt ist mit Ananas oder anderen Dingen und das Gepäck auf dem Dach verstaut werden muss. Und dann ist ja noch die Frage, passt man überhaupt noch ins Taxi. Gestern habe ich einen Wagen gesehen, in dem waren 11 Personen untergebracht. 5 Erwachsene und 6 Kinder. Gut gestapelt ist eben alles möglich :)
Aber zurück zur Weihnachtsstimmung. Fährt man in die Stadt hinein, also mitten ins Zentrum, versteht man im Auto wegen der Beschallung durch Musik (nicht immer weihnachtlich) sein eigenes Wort nicht mehr. Das ist aber auch nicht so wild, da Unterhaltung kaum möglich ist, denn der Fahrer sollte sich auf den 6- oder mehrspurigen Verkehr konzentrieren. In den letzten Tagen konnten wir oft sich prügelnde Menschen sehen. Faustkampf am Strassenrand, scheinbar wegen Kleinigkeiten. Das größte Problem aber ist gerade der Alkohol. Jeden Abend ist irgendwo laute Musik zu hören und Gröhlen, Jubeln, Applaudieren - also Feierstimmung Eine Flasche Bier (0,65 Liter) kostet 500CAF (plus Pfand), was ungefähr 80Cent sind (mit Pfand vielleicht 90Cent). Günstiger ist Palmwein, selbstgemacht natürlich. Und Bier wird halt immer getrunken. Egal wohin man geht, es gibt Bier und Limonade (puhhhhhh, grausig süß). Wasser trinkt man eher selten (na gut Leitungswasser sollte man einfach nicht trinken. Nachdem wir gestern den ganzen Tag kein Wasser hatten - und das bei 35Grad... - fiel auf, als es dann endlich Wasser gab, dass kleine braune Teilchen im Wasser schwammen... Es gibt schlimmeres, ja. Aber wenn man dann das Wasser aufkocht und beim Kochen ein brauner Schaum an der Oberfläche entsteht...???) Also, wir kaufen unser Wasser abgepackt (Semma oder Tangui). Und das ist ok.
Zurück zu Weihnachten: Samstag abend torkelte ein betrunkener Weihnachtsmann an unserem Haus vorbei. Es hat schon etwas irritierendes, wenn vor diesen internationalen Supermärkten dunkelhäutige Weihnachtsmänner herumtanzen (das Rot steht ihnen allerdings wirklich gut, muss man ihnen lassen!!) und abends dann volltrunken in der gleichen Montur (die des Weihnachtsmannes) in den Strassen, im Kreisverkehr oder sonst wo wiederzufinden sind.
Aber insgesamt ist hier schon Weihnachtsstimmung. Neben unserem Haus ist eine Kirche, Bethel genannt. Dort ist jeden Sonntag von 4 Uhr morgens bis 22 Uhr Abends Messe. Es wird laut gesungen, die Frauen versuchen, sich stimmlich zu übertrumpfen, was das Ergebnis nicht immer angenehm macht. Aber es gibt Weihnachtslieder frei Haus. Und unser Haus liegt ja in einem Tal (wer es noch nicht weiß, Yaoundé ist auf sieben Hügeln erbaut - aber dazwischen gibt es eben auch Täler...). Und oberhalb des Hauses (schon ein Stückchen entfernt) steht eine riesige überdimensionale Kirche. Sie scheint ganz aus Säulen zu bestehen (ja, ich werde euch ein Foto schicken). Aber die Akkustik ist einfach wahnsinn!!! Wir sind an einem Sonntag die Straße (Rue CEPER) entlang gelaufen, Manu und ich. Und der Chor der Kirche probte gerade. Die Straße verläuft ein gutes Stück unterhalb der Kirche. Aber die Stimmengewalt, die auf Grund der Akkustik aus der Kirche auf die Straße schallte - unglaublich!!! Und Weihnacht wird es bestimmt anstrengend, kirchenmusikalische BEschallung von allen Seiten. Gut das wir auf einem Berg sind :)
Nun ja, so viel zu meinen Weihnachtseindrücken für den Moment. Ich merke gerade, dass die Artikel hier nicht unbedingt kürzer werden... Entschuldigt... Aber, versprochen, ich werde Fotos hinzufügen... Wer also nur Fotos gucken will...
Euch allen einen tollen Start in die Woche. Wer Bedarf hat, dem schicke ich ein dickes Bündel Sonnenstrahlen. Bis bald und wenn wir uns nicht mehr hören/sehen/lesen, dann allen ein frohes und besinnliches Weihnachtsfest und einen guten Rutsch (aber immer vorsichtig beim rutschen sein) ins neu Jahr :)
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