Mittwoch, 30. März 2011

Manchmal...

...gibt es Tage hier in Kamerun, die mich sehr nachdenklich stimmen. So ein Tag war Montag. Da erreichte mich folgende Email einer Freundin:
Dear friends,

A sad event brings me to write this email. One of my friends was raped yesterday in parcours Vita. She was running alone during day time (mid-afternoon). She was attacked by a guy with a machete who wounded her and raped her.
Please, send a warning to all your contacts that that place is NOT safe. I have several friends who go running there, and people should stop using that place.
I hope we get the word out, because this is not the first time that this has happened there apparently, and it is probable that it is the same person or that it is known to be an "easy place" to do that kind of thing.

Thanks for spreading the word.
Best regards,
E.

Heute kam dann eine offizielle Email der deutschen Botschaft mit dem Betreff "Warnhinweis Parcours Vita":

Liebe Deutsche,

aus aktuellem Anlass warnt die Deutsche Botschaft insbesondere Frauen
davor, sich alleine auf dem so genannten "Parcours Vita" am Mont Fébé
aufzuhalten. Man sollte den Jogging-Parcours nur zu mehreren nutzen.

Bereits in den vergangenen Jahren und leider auch wieder am letzten
Sonntag ist es dort zu Vergewaltigungen von weiblichen Joggern gekommen.

Anbei finden Sie noch einmal unser Merkblatt für Verhaltensratschläge
mit der Telefonnummer des Bereitschaftsdienstes der Botschaft.

Mit freundlichen Grüßen
....


Es ist nicht das erste Mal, dass ich mit dem Thema hier konfrontiert werde. Aber wenn die eine Freundin eine derartige Mail schickt, ist das ganze doch näher. Ich weiß noch nicht ganz, ob ich wütend bin, daß es Menschen gibt, die fähig sind, anderen Menschen solches Leid zuzufügen. Oder bin ich traurig, daß es so etwas in unserer Welt gibt? Oder vielleicht fühle ich mich auch ein bißchen "egal" dem ganzen gegenüber, da ich weiß, daß so etwas passiert aber ich kann es nicht ändern. Es ist kein Grund, aufzuhören, zu leben, weil so etwas passiert.
Auf jeden Fall berührt mich die Geschichte. Nein, ich habe keine Angst. Denn wie schon einmal gesagt, sollte es mir passieren, werde ich es wahrscheinlich nicht verhindern können.
Aber sollte man der Frau jetzt sagen, sie hätte nie allein dort hin gehen dürfen? Vielleicht etwas zum Parcours Vita. Es ist eine bewaldete Fläche in der Nähe des Mont Fébé. Zwischen dem Berg und dem Golfplatz. Normalerweise ist er hoch frequentiert, besonders bei Joggern sehr beliebt. Es gibt nicht so viele schön Laufmöglichkeiten hier. Und gerad am Sonntag sind eigentlich auch viele Menschen dort unterwegs, besonders auch Familien mit Kindern. Deshalb hat es mich überrascht, dass es dort passiert ist. Ich kann nachvollziehen, dass diese Frau dort alleine joggen war. Es gibt viele die das machen. Und woran liegt es, dass eine Frau vergewaltigt wird und andere nicht? Ausstrahlung? Verhalten? Zur falschen Zeit am falschen Ort? Ich weiß es nicht. Ich hoffe einfach weiter darauf, dass es mir nie passiert. Aber ehrlich gesagt habe ich keine Ahnung, wie man es verhindert.
Ja, ich werde weiterhin auf mich aufpassen. Und ich mache manche Dinge aus Prinzip nicht allein. Aber mit welchem Recht geschieht so etwas? Mit dem Recht des Stärkeren?

Vielleicht weiß ja jemand eine Antwort für mich und andere Frauen. Oder jemand hat einen Rat? Ich werde noch mal weiter ein bißchen darüber nachdenken. Und falls jemand jetzt sagt, daß so ein Thema nicht auf eine Blog-Seite gehört, dem kann ich nur sagen, dieser Blog handelt von meinem Leben in Kamerun. Und die letzten Tage ist dieses Thema ein Thema meines kamerunischen Lebens. Und ich finde es wichtig, dass auch solche Themen nicht verschwiegen werden oder dass man einfach nicht drüber spricht. Für mich ist es zumindest wichtig...

Passt auf euch auf, ich auch auf mich.

Bis bald :)

Sonntag, 27. März 2011

Resümee der ersten Arbeitswoche :)

Guten Morgen zusammen,
auch wenn ich keine Fotos habe, so gibt es doch ein bißchen was zu erzählen. Ich habe letzten Montag angefangen, eine Krankheitsvertretung im Sprachsekretariat des Goethe-Institutes zu übernehmen. Die Vertretung läuft bis Ende Mai. Und es ist spannend, einen Blick in die Arbeit des Goethe-Institutes werfen zu können. Auch wenn die Arbeit nicht das beinhaltet, was ich gelernt habe, so ist es immer ein Kontakt mit Menschen und das hat mir gefehlt.
Meine Aufgaben dort sind sehr vielfältig. Das geht über Einschreibungen für Deutschkurse und -prüfungen hin zu buchhalterischen Tätigkeiten. Manchmal darf ich Prüfungen korrigieren - keine Sorge, ich bin dann nur Erstprüfer und das System ist Idiotensicher, da es sich um einen Ankreuztest handelt :)
Prüfungen vorbereiten, also die Materialien dafür, gehört auch zu meiner Arbeit. Und die Lehrer mit Material versorgen. Ebenso das Verleihen von Unterrichtsmaterial und Beglaubligen von Zeugniskopien.
Also alles in allem sind meine vier Stunden pro Tag gut gefüllt und bringen viel Abwechslung.
17-01-2011
27-03-2011 nicht schlecht oder? ;)

Und noch eine Neuigkeit gibt es: wir haben endlich eine Zusage für das Haus von Freunden für Ende Juni. Im Juni können wir die Besitzerin treffen, die in Douala lebt, um alles mit dem Mietvertrag zu regeln. Und da unsere Freunde wahrscheinlich noch bis Juli oder August bleiben, passt das ganz gut, da wir ja Ende August aus Europa zurückkehren werden.
ein bißchen Garten-Exotik
Ansonsten gibt es nicht so wirklich viel Neues. Ich bearbeite gerade meinen vierten Test für das Deutschstudium und warte auf meine Unterlagen für das zweite Semester der Entwicklungszusammenarbeit. Dort habe ich bisher alle Prüfungen (oder Testfragen?) bestanden, einige Ergebnisse, auch das der ersten Hausarbeit, stehen aber noch aus. Für das zweite Semester stehen dann noch eine Hausarbeit und eine Abschlussprüfung im September an. Das heisst dann auch, dass im Europa-Urlaub gelernt werden muss :( Aber nu...

Ich habe mich korrigieren lassen, es ist keine
Passionsfrucht, sondern ein Granatapfel :)
Ich schicke euch noch ein paar Bilder aus unserem Garten. Es ist unglaublich, wie die Natur explodiert.  Momentan herrscht hier die kleine Regenzeit. Das bedeutet, dass es vor allem Nachts, unglaublich starke Regenfälle mit heftigen Winden gibt. Tagsüber ist es drückend und schwül. Wenn wir Glück haben, weht eine leichte Brise - allerdings schiebt sie manchmal nur heiße Luft hin und her. Aber die Kombination zwischen Wasser nachts und Sonne tagsüber, lässt alles unglaublich schnell wachsen... Schaut selbst :)

Euch einen schönen und erholsamen Sonntag, passt auf euch auf, bis bald...

Sonntag, 20. März 2011

Ich weiß...

ich hab nun länger nicht mehr geschrieben. Liegt daran, dass es nicht wirklich was zu erzählen gibt. Habe gestern meine dritte Testbearbeitung abgeschickt fürs Deutschstudium. Diesmal war es ganz schön viel Arbeit, musste drei Spiele entwerfen. Zeig euch auch mal die Resultate aber erst, nachdem sie bewertet wurden, damit nicht jemand auf die Idee kommt, ich hätte Plagiate eingeschickt ;)
Letzten Samstag haben Schüler aus Manus Schule in der amerikanischen Schule ein Basketballturnier gehabt. Das haben wir uns angeschaut. Die amerikanische Schule ist nett. Nicht so groß aber mit allem möglichen Schnickschnack: Schwimmbecken, überdachte Sportanlage für Tennis, Basketball und Fußball. War nett.
Mittwoch waren wir dann auf einem Kindergeburtstag eingeladen. War sehr nett und interessant. Eine Vermischung von Kulturen (deutsch, französisch, kamerunisch, belgisch, lateinamerikanisch, amerikanisch). Es gab viiiiiiiel zu essen (verschiedene Kuchen, Crepes, Quiches, Pommes, selbstgebackene Plätzchen) - superlecker alles. Zu dumm, dass nicht viel Platz im Bauch ist.
Gestern waren wir dann auf dem Schulfest der amerikanischen Schule. Nicht wirklich was besonderes. Eigentlich nur sportliche Wettkämpfe. Aber eben mal was anderes...
Morgen fange ich im Goethe-Institut an, eine Krankheitsvertretung im Sprachbüro bis Ende Mai :) 20 Stunden die Woche, ich freu mich. Da hab ich dann auch noch Zeit für meine beiden Studiengänge :) Und dann hab ich sicherlich auch wieder mehr zu erzählen.
Also erstmal war es das für heute... Lasst es euch gut gehen, bis bald...

Dienstag, 8. März 2011

Die Völker Kameruns: Die Fulbe

Die Fulbe
 
Die Fulbe, (arabisch ‏ فولا‎), auch bekannt unter ihrem französischen Namen Peulh, Peul oder Massina, im Englischen unter Fullah/Fula oder Fulani, sind ein ursprünglich nomadisches, west- und zentralafrikanisches Hirtenvolk. In weiten Teilen Westafrikas leben jedoch noch eine größere Anzahl als Nomaden. Allerdings ist die Mehrheit von ihnen im Zuge ihrer Islamisierung sesshaft geworden und errichtete ab dem 19. Jahrhundert eine Reihe von Königreichen zwischen dem Senegal und Kamerun.
Bis zu ihrer Unterwerfung durch die Briten, Franzosen und Deutschen im 19. Jahrhundert, hatten sie einen Großteil Nordnigerias unter ihre Herrschaft gebracht. Heute leben die einzelnen Fulbe-Gruppen auf sehr unterschiedliche Weise: auf dem Land als Vollnomaden oder sesshafte Ackerbauern mit Viehzucht, in den Städten als Händler.


Ihre Eroberungen haben die Fulbe oft mit religiösen Motiven gerechtfertigt. Als berühmtester der zahlreichen historischen Anführer der Fulbe ging Usman dan Fodio (1745-1817) in die Geschichtsbücher ein, der das Kalifat von Sokoto im Norden Nigerias gründete und 1810 die Hausa besiegte.
Die Fulbe gehören zu einer der großen Sprachgruppen Westafrikas und sind vom mittleren Senegaltal über den Westsudan bis in den Norden des heutigen Kamerun hin verbreitet. Es verbindet sie eine gemeinsame Sprache, das Fulfulde oder Ful, das sich bereits vor dem 10 Jhdt. im Senegaltal ausbildete. Allgemein wird diese Sprache aufgrund ihrer Grammatik als eine der komplexesten Sprachen überhaupt angesehen. Wer die Sprache nicht beherrscht, wird kaum hinter die mystischen Esoteriken dieser Stämme steigen.
Vom ethnologischen Standpunkt aus betrachtet sind die Fulbe ein sehr interessantes Volk, da die Herkunft bis heute nicht eindeutig geklärt ist. Fest steht, dass die Ahnen der Fulbe vor mindestens 3000 bis 4000 Jahren in einer damals noch grünen Sahara umhergezogen sind, was Felsmalereien belegen. Die ursprünglich ausschließlich als Vieh züchtende Nomaden und Jäger lebenden Fulbe wanderten seit dem 10. Jahrhundert auf der Suche nach neuen Weidegründen mehr und mehr in Gebiete der schwarzafrikanischen Bevölkerung.
Die Fulbe nahmen schon sehr früh den islamischen Glauben an, und im Laufe der Geschichte setzte sich dieses Nomadenvolk immer wieder kriegerisch für seine Religion ein. Die Entwicklung eines Kriegervolkes zu einer Gesellschaft mit politischer Strukturierung wurde erst möglich durch die Einbeziehung der ansässigen Bevölkerung und deren Annahme des Islam. Noch immer veranstalten die Fulbe zu bestimmten Anlässen, z.B. dem Ende des Ramadan, farbenprächtige Reiterspiele, so genannte Fantasias. Heutzutage spielen die Fulbe im gesamten Norden Kameruns als Großgrundbesitzer, Viehzüchter, Transportunternehmen und Politiker eine wichtige Rolle.

Traditionell befolgen die Fulbe einen strengen Kodex: den Pulaaku. Der Pulaaku schreibt den Fulbe (Fulbe - Mehrzahl, Pullo - Einzahl) vor, wie sie sich in jeglicher Situation zu verhalten haben; er determiniert die gesamte soziale Struktur. Der Pulaaku ist eine Lebenseinstellung, die den Grundstein der Kultur der Fulbe bildet. Er gründet sich auf drei Säulen:
- Munyal, die Selbstbeherrschung, ein Pullo soll sich immer ruhig verhalten und darf sich nicht seinen Emotionen hingeben.
- Semteende, die Zurückhaltung und Ehrlichkeit, sie sind für den sehr introvertierten Pullo von großer Bedeutung.
- Hakkil, Die Weisheit ist eine der wichtigsten Eigenschaften des Pullo, der weise und gebildet sein soll, um sich selbst zu beherrschen und bescheiden zu leben.
Aus den drei Grundsätzen lassen sich folgende Regeln ableiten: 
wata a hersa: Sei dir selbst kein Anlass zur Schande! 
wata a hula: Habe keine Furcht! 
wata a fena: Lüge nicht!
Wer den Pulaaku nicht befolgt, ist kein Pullo mehr, sondern gehört zu den Ausgestoßenen.Um den Pulaaku allerdings verstehen zu können, muss man die Sprache exakt verstehen.

In der Kultur der Fulbe steht die Kuh an erster Stelle. Nach der traditionellen Religion der Fulbe schuf der Gott geno die Welt aus einem einzigen Tropfen Milch, der ihm von der Urkuh Itoori gegeben wurde. Anschließend erschuf er die Kuh, den Mann und die Frau. Die Rinder sind das Wertvollste in ihrem Leben. Es kommt nicht selten vor, dass die Fulbe beim Verlust eines Tieres weinen oder bei Abhandenkommen der Herde sogar Selbstmord begehen. Die Milch wird als göttliches Wasser angesehen, welches unverwundbar macht. Rinder werden nur im äußersten Notfall verkauft und nur ganz selten, zu besonderen Festen geschlachtet. Die Rinder gelten nicht bloß als “Haustiere” sondern tatsächlich als Teil der Familie. Der Besitz möglichst großer Herden bedeutet mehr als rein materieller Besitz.
Die tiefe affektive, fast mystische Bindung an ihre Rinder zeigt sich deutlich in bestimmten Riten. So bekommt ein neugeborenes Kind gleich nach der Geburt außer seinem eigenen Namen noch den Namen eines ihm gewidmeten Jungtieres. Ein Leben lang bleibt der Mensch dadurch an sein Namenstier gebunden.

Die Gesellschaftsordnung der Fulbe kennzeichnet ein strenges Kastensystem. Handwerker und Bauern leben in eigenen Berufsverbänden, über denen die alten, noblen Familien stehen. Bei den Fulbe existieren vier große Clans, die sich jeweils in Unterclans gliedern. Die Bâ gelten als die Gelehrten im Bereich der Wissenschaft und in geistlichen und weltlichen Dingen. Die Diallo sind die disziplinierten Soldaten und Krieger des Volkes. Die Barry haben als Herrscher und Kaufleute die politische Macht inne. Die Sow, auch Initiatoren genannt, kennen sich am besten mit den heiligen Rindern aus. Diese Einteilung ist sehr schematisch. Die Übergänge zwischen diesen Clans sind heute mittlerweile fließend.

Besonders bekannt geworden sind die Fulbe durch ihren ausgeprägten Schönheitskult, der bei bestimmten sozialen Anlässen, wie z.B. bei den Brautwerbungsfeiern am Ende der Regenzeit, zu regelrechten Wettbewerben führt. Die Fulbe haben ein markantes Erscheinungsbild. Sie sind groß gewachsen und schlank, mit länglichem Gesicht, schmalen Lippen, etwas hellerer Haut als ihre Landesleute im Süden und einem stolzen Gang. Die Frauen fallen auf durch ihr langes, gewelltes Haar und ihren schönen, bunten Schmuck auf. Bei dem Gereol-Fest, einer Art „Brautschau“ zwischen September und November, werben die jungen Männer um die Gunst der schönsten Frau. Sie färben sich zu diesem Anlass ihre Augen- und Mundpartie mit Antimon schwarz ein, um das Weiß der Augäpfel und der Zähne zu betonen. Mit einem ockerfarbenen oder weißen Strich wird die Nasenlinie hervorgehoben.
Nur wer sich auffällig und vorteilhaft mit Gesten, Verrenkungen und Augenrollen in Szene zu setzen weiß, hat die Chance, von der Angebeteten beachtet zu werden.

(Quelle: http://www.zentralafrika.de/Ethnien/Fulbe/ und http://www.transafrika.org/pages/informationen-afrika/voelker-in-afrika/fulbe.php)

Donnerstag, 3. März 2011

Beerdigung auf afrikanisch...

Jules
Am letzten Wochenende (26. und 27. Februar) waren wir zusammen mit Christophe, seiner Frau Marjo und ihrer Tochter Zélie (die beiden sind erst letzten Donnerstag hier in Kamerun angekommen) nach Bafia gefahren. Dort waren wir zu einer Beerdigung eingeladen. Der Verstorbene war allerdings schon seit Jahren tot, es geht nur noch um die Festlichkeit... Also nicht mehr um die "reale" Beerdigung eines Leichnams. Uns eingeladen hatte Jules, Taxifahrer hier in Yaoundé und mittlerweile ein guter Freund. Wir waren als Teil der Familie eingeladen. Deshalb haben wir auch entsprechende afrikanische Kleidung getragen, die uns zugehörig zur Familie von Jules zeigten.
Zélie und ihre neue Freundin Cynthia
Die "Einladung" zur Beerdigung findet ihr auf Manu's Blog http://yaounde-3-chosesavousdire.over-blog.fr/article-funerailles-68030072.html     Wir sind Samstag Mittag losgefahren und waren nach knapp zwei Stunden in Bafia. Jules hatte niemandem gesagt, dass er "Weiße" zu der Beerdigung eingeladen hatte. Und dann auch noch ein weißes Baby :) Die ganze Strasse war in heller Aufregung, als wir ankamen. Zuerst besuchten wir Jules Geburtshaus und schüttelten viele Hände. Dann kamen zahlreiche Nachbarhäuser an die Reihe. Die Nachbarn stellen ihre Häuser für die Beerdigungsgäste zur Verfügung, denn die Gäste reisen aus dem ganzen Land an. In einem Haus erhielten wir lauwarmes Bier und TopPampelmousse, in einem anderen hatte Madame Brigitte, Jules Frau, Hühnchen und gebratene Plantaine für uns vorbereitet. Nach dem Essen brachte Jules und erst einmal zum Hotel, damit wir uns ein wenig frisch machen und ausruhen konnten. Vor allem Zélie war durch die vielen Menschen, die Wärme und die Lautstärke doch sehr durch den Wind.
Im Hotel gab es weder Kopfkissenbezüge, noch fließend Wasser. Aber dafür einen Fernseher mit zwei verschiedenen Sendern! :) Wir machten uns also à la Katzenwäsche frisch und wurden abends wieder bei Jules erwartet.
Marjo, Mdm Brigitte und ich
Dort saßen wir dann bei Nachbarn mit ganz vielen Leuten zusammen, es wurde unglaublich viel gegessen (köstlichstes Ndolé, solltet ihr mal nach Kamerun kommen, dann unbedingt probieren!) und viel getrunken (vor allem Bier und Limonade). Es trafen immer neue Gäste ein, die uns vorgestellt wurden. Musik lief im Hintergrund, es wurde getanzt und irgendwann sagte Jules zu uns: Das Buffet ist fertig... Noch mal Essen? Wir hatten doch bereits gegessen... Aber nein, als besondere Gäste wurden wir vorgelassen und unsere Teller wurden noch mal überfüllt. Reisgerichte, verschiedene Sorten Fleisch, Kochbananen in verschiedenen Versionen, Gemüse. Alles unglaublich lecker aber der Bauch war schon soooo voll. Aber wenn du hier eingeladen bist und Essen ablehnst, hält man dich entweder für unhöflich oder für krank. Also haben wir tapfer gegessen. Kurz vor Mitternacht haben wir uns dann in unser Hotel verabschiedet, denn eigentlich sollte es am nächsten Morgen um 10 Uhr in den traditionellen Kostümen weitergehen.
Die junge Familie und ich
ein Teil der "Familie"
Nach einer unruhigen und kurzen Nacht (Ventilatorlärm und Mücken), gab es dann eine kurze Eimerdusche und ein super Frühstück (Sardinen-Tomaten-Paprika-Omlette mit Baguette und Milchkaffee). Dann zogen wir uns um und los ging es. Als wir an Jules Haus ankamen, war niemand zu sehen. Also haben wir Jules angerufen. Er kam und holte uns ab, wir waren natürlich ein Highlight in unseren Kostümen. Wieder viel Händeschütteln, Drücken und Umarmen. Und dann begann das Warten. Es wurde wieder Bier und warme Limonade angeboten. Dann gegen Mittag (eigentlich sollte das Programm schon längst begonnen haben) wurde das restliche Essen vom Vorabend hervorgeholt (ich hab mir zum ersten Mal richtig übel den Magen verdorben, das wusste ich dann aber erst abends/nachts...). Es wurde richtig heiß, obwohl wir Schattenplätze hatten. Weiter Gäste kamen, andere reisten wieder ab. Und wir warteten. Gegen 15 Uhr überlegten wir, ob wir uns auch auf den Heimweg machen sollten. Aber Jules sagte, wir sollten zu den Pavillons gehen, wo alles stattfinden sollte, es würde bald losgehen. Gut, unser Kompromiss: wir warten bis 15.30 Uhr, wenn dann nichts passiert ist, machen wir uns auf den Heimweg, Zélie war auch mittlerweile knatschig.
Manu in "Familientracht"
Um 15. 30 Uhr waren dann zwar schon einige wichtige Gäste da (wir zählten nicht zu den geladenen Gästen, denn wir waren ja Familie) aber los ging es immer noch nicht. Also beschlossen wir, uns auf den Heimweg zu machen. Es war unglaublich warm, ich hatte trotz permanentem Schattenaufenthalt einen ziemlichen Sonnenbrand, Marjo auch. Und wir hatten noch eine 2-stündige Fahrt vor uns.Marjo und Zélie waren sichtlich erschöpft, schließlich war das erst ihr 3. Tag in Kamerun... Jules wirkte zwar etwas bedröppelt, konnte es aber verstehen.
So machten wir uns in unseren afrikanischen Kostümen auf den Weg zurück nach Yaoundé, ohne wirklich etwas von der Beerdigungszeremonie mitbekommen zu haben. Vielleicht ein anderes Mal.

Lasst es euch gut gehen... Bis bald...

Mittwoch, 2. März 2011

letzte Etappe: Ngaoundéré - Yaoundé

Nach einem entspannten Frühstück mit Baguette, selbstgemachter Marmelade und Milchkaffee machen wir uns auf den Weg zum Hauptbahnhof Ngaoundéré. Es ist auch hier sehr früh sehr warm. Aber es gibt zum Glück viel Schatten. Hier ist alles ein bißchen anders, als Ticketkauf in Yaoundé. Vor uns warten nur 4 Leute, so daß wir ziemlich schnell an der Reihe sind. Die Schlafplätze sind für den morgigen Zug bereits alle vergeben. Nicht schlimm, dann nehmen wir zwei Sitzplätze in der 1. Klasse. Diese sind schnell gebucht und angezahlt, morgen müssen wir wiederkommen, um den Rest zu bezahlen. Wir machen uns auf den Rückweg zur Mission. Dabei machen wir noch einen Abstecher zum Place de l'Indépendance und zum Lamido-Palace, den wir jedoch nur von außen besichtigen, da uns dort alles zu touristisch ist. Von Weitem hören wir schon "Nazarra, Nazarra" und sehen auf Touristen wartende Einheimische. Da ist uns heute nicht nach, also gehen wir zurück zur Mission. Eigentlich wollen wir nachmittags noch einen Kratersee einige Kilometer außerhalb besuchen. Doch sind wir beide irgendwie so k.o., daß wir beim Krimilesen gar nicht bemerken, wie schnell die Zeit vergeht. Am späten Nachmittag fällt uns dann doch auf, daß wir das Mittagessen vergessen haben. Also macht Manu sich auf den Weg und besorgt süßes Brot, Hammelfleisch vom Grill und Orangen. Danach genehmigen wir uns noch mal den Genuß der Duschen. Und verbringen den Rest des Tages mit Lesen. Abends machen wir uns wieder auf die Suche nach einem Restaurant und landen, wie auch gestern in einem Lokal, wo man wieder nicht Essen kann. Es macht den Eindruck, dass es ausser diesem muslimischen Schnellrestaurant keine anderen Restaurants gibt. Also beschließen wir, dort nur etwas zu trinken und an einem Straßenstand eine Portion gegrilltes Rindfleisch und zwei Orangen zu kaufen und diese in der Mission zum Abendbrot zu verspeisen. Dann ist dieser Tag auch schon wieder rum.
Weinhändler in Ngaoundéré
Yoghurtwahl in Bar Laitier














Am nächsten Morgen machen wir uns wieder auf den Weg zum Bahnhof. Dort sind wir schneller an der Reihe, als gestern. Die Tickets sind schnell bezahlt und jetzt heißt es, Zeit totschlagen, denn aus unserem Zimmer mussten wir bereits raus, um diesen Tag nicht noch voll bezahlen zu müssen. Unser Gepäck durften wir bei den Schwestern im Büro lassen. So können wir vor Abreise noch mal die Duschen nutzen. Und wir können uns dort im Speisesaal oder draußen im Pavillon aufhalten. Um jedoch nicht die ganze Zeit bis abends dort verbingen zu müssen, besuchen wir noch den großen Markt. Dort kann man wirklich fast alles kaufen. Manu sucht nach einem Kaftan, wie ihn die Muslime hier tragen. Wir laufen durch kleine Gassen und fühlen uns nicht ganz wohl dabei, da alles unglaublich verschachtelt und unübersichtlich ist. Es ist laut, es gibt so viele Dinge zu sehen (Kleidung, Obst, Gemüse, Fleisch, Schuhe, Haushaltswaren, Teppiche, etc.) und ständig muss man den Mototaxis ausweichen, die sich ihren Weg durch die Menschenmassen bahnen. Da Manu nicht findet, was er sucht, beschließen wir der heißen Sonne eine Weile zu entkommen und ein Cybercafé zu besuchen, um dort eine halbe Stunde für 30 Cent das Internet zu nutzen. Heute vergeht die Zeit aber auch so gar nicht, es ist gerade mal 10 Uhr, der Zug fährt erst um 18 Uhr. Nach dem Cybercafé, was angenehm kühl war, finden wir eine "Bar Laitier".
Ngaoundéré
Warten...

Dort beschließen wir, einen Kaffee zu trinken und das lokale Yoghurt zu probieren. Sehr köstlich, leicht gezuckert mit einem Hauch Zitrone. Als wir damit fertig sind, ist es gerade mal 11 Uhr. Also auch noch keine Zeit, irgendwo zu Mittag zu essen. Also bestellen wir noch etwas zu trinken (Toppampelmousse und Djino) und erstellen einen eigenen Stadtplan für Ngaoundéré, da es den in unserem Kamerunführer nicht gibt und planen unseren Europaaufenthalt im Sommer :) Die Planungen nehmen dann doch einige Zeit in Anspruch, so dass wir letztendlich um halb eins was zu Essen bestellen: Pfeffersteak. Zum Glück dauert die Zubereitung des Essens einige Zeit, dann das Essen selbst auch noch mal. Letztendlich sind wir gegen zwei Uhr wieder in der Mission. Glücklicherweise treffen wir direkt auf eine der Schwestern, die uns das Büro aufschließt, damit wir unser Gepäck rausholen können. Wir machen es uns im Pavillon bequem und lesen. Irgendwann nutzen wir noch einmal die Duschen und gegen vier Uhr machen wir uns auf den Weg, um zwei Mototaxis zu suchen, die uns zum Bahnhof bringen.
Warten
Dort warten wir dann bis zur Abfahrt des Zuges in einer klimatisierten 1.Klasse-Wartehalle mit vielen dickbäuchigen Menschen (das schreibe ich nur, weil es unglaublich auffallend war, so als ob hauptsächlich dickbäuchige Menschen in der 1. Klasse reisen...Aber da dick-sein hier nun mal ein Zeichen von Wohlstand und Reichtum ist, kann dies durchaus so sein). Als der Zug endlich bereit steht, finden wir schnell unsere Sitze, fast mit dem Rücken zur Wand, hinter uns sitzt nur noch ein Vater mit seinem Sohn. Neben uns sitzt ein alleinreisendes Kind und ein muslimischer Mann. Davor sitzt eine Mutter (sie macht eher den Eindruck einer Großmutter) mit ihrem vielleicht 4jährigen Sohn. Sie verursacht die ganze Fahrt über Chaos, da sie an jedem Bahnhof versucht, durch das halbgeöffnete Fenster Honig in Flaschen zu kaufen. Diesen lässt sie sich ins Abteil reichen, prüft ihn kritisch auf Farbe und Geruch hin und gibt die meisten Flaschen zurück - vorausgesetzt, sie ist schnell genug, bevor der Zug wieder losfährt. An einem Bahnhof schafft sie es nicht rechtzeitig, die Flasche wieder zurückzugeben, da der Zug mit einem Ruck anfährt, sie dabei das Gleichgewicht verliert und samt Honigflasche auf ihren Sitz plumst. Wir hören den Honigverkäufer nur schimpfen.
Die Nacht ist ziemlich unruhig, da die ganze Zeit das Licht brennt und man eben doch sitzt. Ich beschäftige mich mit Lesen und Menschen beobachten, während Manu schläft. Einige Sitze weiter sitzen zwei Frauen aus dem Norden Kameruns (sie sehen aus wie Fulani-Frauen). Die eine wirkt sehr krank, sie ist unter ihrer dunklen Hautfarbe richtig blass und hat ein riesiges (wirklich riesiges) Pflaster an der rechten Halsseite. Und sie döst die meiste Zeit vor sich hin. Die zweite Frau fängt an, ihre Haare zu flechten mit einer beeindruckenden Geschwindigkeit. Zwischendurch schläft sie ein, sobald sie wieder aufwacht, macht sie mit ihren Haaren weiter, wo sie aufgehört hat. Viele Frauen legen sich zum schlafen auf den Boden. Irgendwann schlaf ich dann auch ein, allerdings immer nur kurz. Einmal wache ich auf, weil (zumindest fühlte es sich so an) kurz neben meinem Kopf eine Tasche mit einem enormen Holzstück von der Gepäckablage auf den Boden knallt. Von wem war die Tasche? Natürlich von der Mutter auf dem Nebensitz. UNGLAUBLICH wieviel GEpäck sie hat. Wirklich Berge... Und dann noch den ganzen gekauften Honig dazu und eine riesige Tasche voll Baton... Aber gut, ich bin mittlerweile so gerädert und übermüdet, dass ich mich wieder ans Lesen und Leute beobachten begebe. Und dann ist die Nacht auch rum und ein Vertreter für allen möglichen Kram präsentiert uns eine neuwertige Zahnbürste plus brillinater Zahnpasta, ein Wunderheilmittel gegen alles (was aber keinen Abnehmer findet) und eine Zauberhandcreme, die wer kauft? Genau, die Mama von nebenan. Für sie war diese Zugfahrt das reinste Einkaufsparadies :D
Um Punkt 6 Uhr erreichen wir den Bahnhof Yaoundé. Keine Verspätung. Es ist schön, wieder nach Hause zu kommen. Wir laufen den kurzen Weg nach Hause. Dort gibt es erst einmal einen richtigen Kaffee. Dann packen wir das Gepäck aus, stellen Wäsche an und gegen 10 Uhr machen wir uns auf den Weg zum Markt, um uns mit Lebensmitteln zu versorgen. Damit geht unsere Abenteuerreise zu Ende. Ich hoffe, ihr seid gut mitgereist, macht es gut, bis bald und passt auf euch auf :)
unsere Reiseroute

Dienstag, 1. März 2011

7. Etappe: Poli - Gouna - Ngaoundéré

Nach einer Nacht in einem gemütlichen Bett und einer ausgiebigen Dusche hat Schwester Antoinette, die bereits im Frühgottesdienst ist, uns ein reichhaltiges Frühstück mit Baguette, Obst und selbstgemachter Marmelade bereitet. Hmmmmm, lecker. Das stärkt für den Tag. Um 8 Uhr kommt unser Taxi, der Bruder von Abdullaih, um uns nach Gouna, einem Knotenpunkt für Busse nach Norden und Süden zu bringen. Es wird eine schweigsame Fahrt, da die letzten Tage doch sehr anstrengend waren und die Sonne bereits wieder ihre ganze Energie vom Himmel schickt. In Gouna angekommen, überfällt uns eine enorme GEräuschkulisse. Händler, die ihre Ware anbieten, Busse, deren Fahrgäste sich mit Getränken und Essen versorgen, riesige Trucks beladen mit Baumstämmen, Bananen oder Sand. Und wir mittendrin.
Wir suchen uns ein schattiges Plätzchen, da wir von einer langen Wartezeit ausgehen. Die ersten Busse, die an uns vorbeibrausen, sind alle voll besetzt. Es dauert nicht lange, dass wir tatkräftige Unterstützung einiger ortsansässiger Jugendlicher bekommen, die sich jedes Mal tapfer auf die Strasse stürzen, wenn sie einen Bus sichten und sich diesem in den Weg stellen, um einen Platz für Alain nach Norden oder zwei Plätze für uns nach Süden zu ergattern. Nach einer halben Stunde findet Alain ein Plätzchen (es war wirklich kein Platz!!) in einem reichlich mit Menschen, Lebensmitteln und Tieren gefüllten Bus. Für uns heißt es weiter warten. Viele Fulani-Frauen beobachten uns neugierig aber sehr freundlich. Nach einer weiteren Stunde Warterei findet ein junger Mann dann zwei Plätzchen für Manu und mich. Wir quetschen uns also mit fünf Kamerunern auf vier Sitzplätze. Gut, es war eine Familie mit zwei Kindern, das Mädchen vielleicht 4 Jahre alt und der Junge nicht ganz ein Jahr. Er hatte also Platz auf dem Schoß der Mutter und schlief die meiste Zeit. Die Mutter genoß es, ihren Arm, auf dem der Kopf ihres Sohnes ruhte, auf meinem Oberschenkel abzustützen. Und irgendwann schlief sie selbst ein. Gemütlich :) Ich war so eingequetscht, dass ich meine Sitzposition nicht verändern konnte. Dies hatte drei Stunden später einen blauen Felck in Höhe der Wirbelsäule zur Folge. Was macht man nicht alles, um von einem Ort zum anderen zu kommen :) Bei einem Zwischenstop, weil jemand aussteigen wollte, wurde es dann turbulent. Das Hab und Gut dieses jemands befand sich UNTER den Sitzen ALLLER Fahrgäste. Da wir nicht alle aus- und wieder einsteigen wollten, versuchten wir unsere Füße zu heben. Es war nicht ganz klar, wonach eigentlich gesucht wurde. Nach und nach kamen ein paar Kisten zum Vorschein. Aber irgendetwas fehlte noch. Ahhh, ein Huhn mit gebundenen Füßen. Noch etwas? Ja, es fehlte noch etwas... Es wurde gesucht, Füße gehoben und dann endlich gefunden: ein Hahn mit gebundenen Füßen. Er hatte sich in die hinterste Ecke des Busses geschoben und keinen Mucks von sich gegeben. Nun musste er doch aussteigen.
Nach drei Stunden Fahrt in einem überhitzten Bus kamen wir dann in Ngaoundéré an. Wir gönnten uns erst einmal Schokocroissants und Top-Pameplmousse aus dem Kühlschrank. Dann hielten wir zwei Moto-Taxis an. Ich schnallte mir einen Rucksack auf den Rücken, mein Fahrer legte einen Rucksack auf den Lenker und Manu schnallte sich die beiden anderen Rucksäcke auf Rücken und Bauch (wir hatten einen Rucksack von Alain dabei, damit er nicht drei Rucksäcke mit in den Norden nehmen musste). Und auf ging die Fahrt zu "den Schwestern" - was auch immer das heißen mochte. Vor der Kathedrale ließen unsere beiden Fahrer uns absteigen. Wir erkundigten uns nach der Mission der Schwestern, von denen Schwester Antoinette uns erzählt hatte. Und tatsächlich, nur wenige Fußminuten von der Kathedrale entfernt bekamen wir ein Zimmer mit einem gemütlichen Doppelbett. Und wir genossen mal wieder eine Dusche :) Danach gab es eine kleine Siesta und wir gingen in die Stadt, um ein Bier zu trinken.
In der Mission
Das erwies sich für mich als Fehler, da wir seit dem Frühstück weder was vernünftiges gegessen, noch ausreichend getrunken hatten. Und mittlerweile war es nach 19 Uhr. Na gut, das Bier war unglaublich erfrischend aber wir konnten dort leider nichts essen. Als das Bier also getrunken war, machten wir uns auf den Weg, ein Restaurant zu finden. Vor dem Eingang des Etablissements, wo wir das Bier getrunken hatten, warteten Strassenkinder, um uns um Geld zu bitten. Ich war mit meinen Gedanken so darauf konzentriert, was ich ihnen auf französisch sagen wollte, dass ich vergessen habe, auf den Weg zu achten. Nun, es war dunkel und ja, natrülich weiß ich, daß hier in Kamerun in den Gehwegen kleine Abwassergräben zu den Straßen hin eingebaut sind. Diese sind nur zum Teil oder gar nicht mit Steinplatten abgedeckt. Und die Gräben sind betoniert und ungefähr einen halben Meter tief und genau so breit. Ich also in Gedanken bei meinen französischen Sätzen und dabei übersehe ich einen dieser Abwassergräben und mache einen Schritt - in die Tiefe... Ich denke jedoch, ich war dabei recht elegant, denn mit dem anderen Bein setzte ich über diesen kleinen Graben hinweg, um hoch erhobenen Hauptes mit einem kleinen "Hoppla" auf den Lippen wieder mit dem anderen Bein aus dem Graben zu steigen. Manu schaute mich nur irritiert an "Gehts dir gut?" Die Strassenkinder sagten nur "ohhh". Und ich musste lachen... Obwohl mein Schienbein schmerzte... Und ja, ich habe einen blauen Fleck und eine Schürfwunde davon getragen und ja, es ist mir eine Lehre, daß ich auf leeren Magen KEIN gekühltes Bier mehr trinke.
Der Blick von unserem Zimmer
Wir fanden dann noch einen kleinen, islamischen Schnellimbiss. Dort gab es für uns Reis und Rindfleisch, natürlich gekürt mit TopPampelmousse. Oh nein, das war leider aus, also gab es Top-Citrone. Nicht so gut wie Top-Pampelmousse aber ok. Danach spazierten wir im Dunkeln zur Mission (wir mussten vor 21 Uhr wieder da sein) und fielen müde in unsere Betten. Morgen hieß es zeitig aufstehen, weil wir Tickets für den Nachtzug nach Yaoundè Freitagabend (also übermorgen) brauchten.

6.Etappe: Kolio - Wangaï - Poli

Die Schule morgens um 8 Uhr
Der letzte Morgen auf unserer Tour bricht an. Unser Brot hat so gerade durchgehalten, so dass wir nur heute zwischen den verschimmelten Resten das Essbare suchen müssen - aber es geht noch. So fällt unser Frühstück recht mager aus. Aber der Weg ist heute morgen auch nicht mehr weit zurück nach Wangaï. Wir verabschieden uns vom Dorf und seinen Bewohnern und machen uns auf den Rückweg. Unserem einen Träger geht es mittlerweile richtig schlecht, er kann sich kaum noch auf den Beinen halten vor Schüttelfrost und Fieber. Trotzdem will er die Tour mit uns und unserem Rucksack beenden. Die Sonne brennt schon wieder heiß vom Himmel obwohl es gerade einmal 7 Uhr ist. Wir bitten Ahmad Amada, ob wir auf unserem Rückweg nicht noch einmal die Schule mit dem Lehrer aus Yaoundé besuchen können.
Morgenappell
Pünktlich um 8 Uhr kommen wir dort an. Die Schüler stellen sich gerade zum Morgenappell in Reihe und Glied auf. Der Direktor begrüßt uns und auch die drei Lehrer (auch der junge Mann aus Yaoundé). Wir bitten, ein bißchen beim Unterricht reinschauen zu dürfen. Und wir dürfen. Uns wird allerdings schnell klar, dass wir zum einen die Kinder vom Unterricht abhalten und zum anderen, dass die Kinder kaum französisch sprechen. Das heißt, sie verstehen weder die Fragen, die ihnen gestellt werden, noch können sie antworten. Das muss auf Dauer ganz schön frustrierend für die Lehrer sein. Vor allem, weil sie den Schülern parallel auch noch Englisch beibringen müssen.
Unterricht
Rückweg nach Wangaï
Wir verabschieden uns nach kurzer Zeit und treten den Rückweg nach Wangaï an. Wir machen noch einen kurzen Halt in einem Dorf, wo gerade alle Dorfbewohner schwer beschäftigt sind, Hirse zu dreschen und für den Markt in große Säcke abzufüllen. Deshalb dauert die Pause für uns auch nicht lang. Gegen 10 Uhr erreichen wir dann Wangaï. Die Stimmung ist aus irgendeinem Grund angespannt. Ahmad Amada hatte uns am Abend vorher gesagt, dass sie überlegt haben, dass es für uns besser wäre, wenn wir in Wangaï ankommen uns direkt auf den Weg nach Poli zu machen. Wir sagen aber, dass wir den Tag voll bezahlt haben und deswegen gern noch etwas von der Landschaft sehen wollen. Obwohl Ahmad Amada das weiß, kommen wir um 10 Uhr in Wangaï an und unsere Tour ist beendet. Wir sitzen im Hof des Lamido im Schatten auf einer Strohmatte und warten. Das Gefühl, unwillkommen zu sein, wird immer stärker. Schließlich bezahlen wir Ahmad Amada und die beiden Träger. Da meldet sich der Guardian des Lamido, das wir ihn auch noch bezahlen müssten, er hätte schließlich auf eine Plastiktüte mit Sachen von uns aufgepasst und auf unser Wasser. Manu erklärt, dass wir dem Lamido bereits 10000CFA gezahlt haben und nicht bereit sind, noch mehr zu zahlen, zumal wir ja schon diesen Tag voll bezahlt haben, ohne dafür eine LEistung zu bekommen. Nachdem Ahmad Amada und die Träger nach Hause gegangen sind, kommt der Chef vom Ahmad Amada. Alain und Manu versuchen, ihm unserer Kritikpunkte auf freundliche Weise nahe zu bringen, dass die Kinder zum betteln bei den Touristen erzogen werden, dass die Leute unzufrieden mit den Gastgeschenken sind, dass jeder von uns Geld verlangt. (Vielleicht ist das normal und ich reagiere nur empfindlich darauf, vielleicht würde ich in deren Situation genau so handeln?). Sie sagen ihm auch, dass Obar (einer unserer Träger) der besser Guide wäre, da er englisch und französisch spricht und viel zu erzählen hat im Gegensatz zu Ahmad Amada, dem man fast alles aus der Nase ziehen muss. Der Chef sagt zu allem ja und amen. Als das Gespräch zu Ende ist, sagt er zu Alain "Und jetzt bekomme ich 2000 CFA für dieses Gespräch". Das war glaube ich ausschlaggebend für unsere Entscheidung, das Taxi nach Poli bereits am Mittag zu nehmen und nicht dort zu übernachten. Wir essen noch in einer kleinen Hütte Reis mit einer scharfen Sauce. Und dann geht alles sehr schnell mit dem Abschied und wir befinden uns auf dem Weg nach Poli.
Landschaft zwischen Wangaï und Poli, manchmal sieht man hier  Löwen, Antilopen oder auch Affen
Unser Taxifahrer, Abdullaih, ist Moslem. Deswegen müssen wir zwischendurch anhalten, damit er in die Moschee gehen kann. Wir warten so lange an einem Marktstand und unterhalten uns mit den Leuten. Gegen Spätnachmittag kommen wir in Poli an bei Schwester Antoinette vom Heiligen Herzen Jesu. Wir fragen, ob wir dort eine Nacht verbringen können. Kein Problem, Alain bekommt das Büro der Schwester, Manu und ich ein kleines Zimmer. Wir können in Ruhe Duschen, gehen dann ein kühles Bier trinken (welch ein Genuß) und Schwester Antoinette bewirtet uns großzügig mit Yam, Nudeln, Kürbissuppe, Hammelfleisch und Fruchtsalat. Sehr zu empfehlen. Es ist ein schöner Abend, wir lachen viel. Und Alain hilft der Schwester noch bei der Korrektur eines Monatsbriefes für die Gemeinde, während Manu und ich das Abspülen übernehmen. Dann geht es ab ins Bett, da morgen ein langer Reisetag bevorsteht.