Freitag, 25. Februar 2011

5. Etappe: Balengy - Kolio

Nach einer recht kurzen und lauten Nacht beschließen wir, zum Frühstück unsere letzte Ananas zu essen. Aber diese fängt bereits an, einen leicht gegorenen Geschmack auf der Zunge zu hinterlassen. Da wir die Ananas nicht ganz alleine essen können, schneiden wir sie, unter den neugierigen Augen der Dorfkinder in viele kleine Stücke. Alain geht mit der Schale herum und lässt alle Dorfbewohner (Groß und Klein) die Ananas probieren. Zögernd wird dieses fremde gelbe Etwas an den Mund geführt. Dann erstrahlt das Gesicht, da sich ein süßlicher GEschmack im Mund ausbreitet. Hin- und Hergerissen zwischen langsam genießen wollen und diesen neuen Geschmack verschlingen wird so unsere ganze Ananas verzehrt :) Dann machen wir uns auf den Weg.
Heute geht es zu "La Piscine" (das Schwimmbecken), einem natürlichen Wasserbecken, wo wir uns und unsere Kleidung richtig waschen können. Wir überqueren also wieder die Grenze nach Kamerun - ohne es zu merken. Es ist wieder früh sehr warm.
Hirsebrei mit Sauce
Wir machen eine kurze Pause an einer Hütte, wo ein Mann mit seiner Familie wohnt, der den letzten Abend auch beim Hirsebiertrinken dabei war. Er begrüßt uns mit einem schiefen Grinsen, der Kopf scheint schwer vom Bier zu sein. Zwei Mädchen sitzen auf dem Boden und weben eine Matte. Die Ehefrau kocht Hirsebrei.Da die Sonne jetzt schon (es ist noch nicht mal 10 Uhr) hoch am Himmel steht, gehen alle Arbeiten nur langsam voran. Manu und Alain schauen sich um, der Dreschplatz, das Herstellen der Matte... Ich mach es mir im Schatten bequem und beobachte die Szene. Es ist wunderschön hier, der Blick geht über die Berge, weit und breit ist kein anderes Haus oder Dorf zu sehen. Einer unserer Träger, Obar, erklärt mir, das eines der Mädchen, die die Matte herstellen, krank ist. Deswegen schläft sie also die ganze Zeit. Ihre Mutter macht ihr einen Heiltrank. Es gibt hier in unmittelbarer Nähe keinen Arzt, geschweige denn ein Krankenhaus. Also wird alles aus Naturzutaten hergestellt.
Auf dem Weg zum piscine







Waschen :)
Nachdem alle Neuigkeiten ausgetauscht sind, machen wir uns an den Abstieg zum Schwimmbecken. Der Weg ist rutschig, sandig und die Sonne brennt. Es wird immer unangenehmer, den Rucksack zu tragen, der Mund ist ständig trocken, das Wasser, was ich trinke, scheint auf der Stelle zu verdunsten. Nach 2 Stunden in der Sonne den Berg hinunterklettern lässt meine Kondition nach. Manu nimmt mir den Rucksack ab, die Wasserflaschen sind fast leer. Es gibt auf dem ganzen Weg kaum schattige Plätze, ab und an mal ein karges Bäumchen am Wegesrand. Ich merke, wie mein Kreislauf beginnt, zu rebellieren. Mir wird immer wieder schwindelig und übel. Ich versuche mit meinem Tuch Kopf und Gesicht noch mehr vor der direkten Sonne zu schützen. Aber es hilft nichts. Kurz vor unserem Ziel gibt es dann eine Zwangspause. Es geht nicht mehr. Ich leere die letzte Wasserflasche und hoffe, dass es wirklich nicht mehr weit ist. Mein Körper rebelliert gegen jede Anstrengung, die ich unternehmen will. Aber der Wunsch nach Wasser ist so stark, dass es dann doch irgendwie geht und ich über Steine und Wurzeln stolpernd irgendwann am Schwimmbecken ankomme.
Schwimmen
Kleider waschen
Lesen
Mittagessen
Es ist ein Fluß, dessen Wasser sich in natürlichen Steinbecken sammelt. Riesige Felsen bieten viel schattige Plätze. Alain, der mit den beiden Trägern vorgegangen war, hat schon sein erstes Bad hinter sich. Ich muss mich erst mal hinlegen, die Füße gegen einen Felsen gestellt. Manu macht sich mit den Flaschen direkt auf den Weg, um sie mit frischem Wasser zu füllen und mit Micropur zu desinfizieren. Das dauert 1 Stunde, bis das Wasser dann trinkfertig ist. Aber zum Glück hat Alain noch eine Flasche mit fertigem Trinkwasser, die ist jedoch schnell geleert. Nach einer Pause geht es ans Waschen, zuerst mich, dann die Kleidung. Ich werd sauber, die Kleidung nicht mehr wirklich. Welch ein Genuß, das fließende Wasser an den Füssen zu spüren. Manu und Alain nutzen das Schwimmbecken. Zuerst müssen sie jedoch die Wasserflöhe vertreiben, damit sie überhaupt ins Wasser können. Kleine Fische kommen und knabbern an ihnen herum. Ich beschließe, mich wirklich nur auszuruhen und nicht zu schwimmen. Schlafen, abkühlen, ein bißchen essen und nichts tun. Eine sehr gute Kombination. So lässt sich der Mittag/Nachmittag gut aushalten.
Auf dem Weg nach Kolio
Kolio
Unsere Zelte für die Nacht
Sonnenuntergang
Am späten Nachmittag machen wir uns auf den Weg nach Kolio. Das Dorf liegt etwa 20 Minuten Fußmarsch vom Schwimmbecken entfernt. Ahmad Adama und die beiden Träger haben ebenfalls sich und ihre Kleidung gewaschen. So machen wir uns sauber auf den Weg. In Kolio werden wir unsere letzte Nacht verbringen.Als wir dort ankommen, geht es dem einen unserer Träger schlecht, er hat Fieber (vielleicht wirklich Malaria). Im Dorf treffen wir nur auf eine alte Frau und ein paar Kinder. Das Dorfoberhaupt ist in dem Dorf, wo wir unsere letzte Nacht verbracht haben, um Maisbier zu kaufen. Wir bauen unsere Zelte auf. Die Stimmung ist ein wenig befremdlich. Die Dorfbewohner sind sehr distanziert. Wir essen Reis und Öl-Tomatenmark-Sauce zum Abendbrot. Als es dunkel wird, werden Matten für unseren Guide und die Träger gebracht und auch die alte Frau und die Kinder legen sich auf Matten zum schlafen vor die Hütten. Es ist unglaublich warm. Wir sind sehr müde von dem Tag aber an Schlaf ist kaum zu  denken. Die Kinder haben noch Besuch aus einem Nachbardorf erhalten, also wird noch ganz viel erzählt und gelacht. Hinzu kommt die Hitze im Zelt. Irgendwann scheint das Dorfoberhaupt zurückzukehren, die Kinder verschwinden und es wird schlagartig still. Trotzdem kann ich nicht lange schlafen. Gegen vier Uhr wache ich wieder auf, der Himmel leuchtet rot. Im Tal werden die Felder abgebrannt, das Feuer wirft ein rot-orangenes Licht an den Himmel. Irgendwann geht die Sonne auf...

Donnerstag, 24. Februar 2011

4. Etappe: Yagmalo - Grenze Nigeria

Nachdem das Dorf bereits früh wieder aktiv wird, gegen 5 Uhr sind bereits die ersten menschlichen Geräusche zu vernehmen, gibt es gegen 7 Uhr Frühstück (Kaffee, Tee, Weißbrot, Schmierkäse und Paté). Die Zelte sind abgebaut, die Katzenwäsche ist erledigt, die Dorfbewohner, unser Guide und die Träger sind begrüßt. Alles ist gut und wir können aufbrechen. Es sind bereits die ersten Anzeichen zu merken, dass es wieder ein sehr warmer Tag werden wird. Die Landschaft ist wunderschön. Wir klettern ein bißchen, um uns herum viele Grün- und Brauntöne. Durch die massive Sonneneinstrahlung bräuchte die Natur wesentlich mehr Wasser, um kräftig grün zu sein. So gibt es an den Berghängen nur vereinzelte grüne Streifen, wo Wasser den Hang hinunterfließt.
Nach gar nicht all zu langer Zeit erreichen wir ein kleines Dorf, aus dem uns Musik entgegenschallt. Ein Radio irgendwo im Niergendwo. Und die Dorfbewohner (zumeist die männlichen) haben sich um dieses Radio versammelt. Wir sind nun nah an der Grenze zu Nigeria, hier wird bereits in nigerianischer Währung gezahlt. Grenzüberquerer kommen hier durch das Dorf um Waren anzubieten oder auch um Waren einzukaufen und auf der anderen Seite zu verkaufen. Als unsere Ankunft bekannt wird, kommen auch die Frauen und jungen Mädchen von ihrer Arbeit zu uns. Viele der jungen Mädchen tragen kleine Kinder auf ihren Rücken. Eine junge Frau gibt einem Neugeborenen die Brust, es ist winzig, vielleicht 3 Monate alt. Und es trägt eine wunderschöne bunte Strickmütze (wenn auch sonst nichts anderes...). Ahmad Amada und die Träger tauschen Neuigkeiten mit den Dorfbewohnern aus, Manu verteilt an alle eine Runde Bonbons, welche auch die Erwachsenen mit Genuß entegegennehmen. Und weiter geht es Richtung Grenze.

Irgendwann sagt Ahmad Amada: " Übrigens sind wir jetzt in Nigeria." Und wir haben es nicht mitbekommen, es hat sich nichts verändert, kein Grenzübergang, einfach nur Steppe und Berge, das ist alles. Wir erreichen unser Mittagsquartier, ein riesiges Dorf, Yébri. Auch dort werden wir mit einer frischen Papaya empfangen. Allerdings bezahlen wir diesmal für die Papaya. Dieses Dorf ist anders, als die bisherigen Dörfer. Die Bewohner sind materialistischer veranlagt, alles muss bezahlt werden. Und es gibt Sachen, die wir in den anderen Dörfern nicht gefunden haben, ein Junge verkauft beispielsweise abgepackte Kekse. Überall liegt Plastikmüll herum. Und als ein alter Mann ein selbstgebautes Musikinstrument hervorholt und für uns spielt, steckt nur ein touristisches Geschäft dahinter. So hatten wir uns das eigentlich nicht vorgestellt.
Wieder werden uns Matten zur Verfügung gestellt und wir kaufen Süßkartoffeln für das Mittagessen. So gibt es heut nicht nur Brot mit Sardinen, sondern auch Kartoffeln. In dem Dorf gibt es nur wenig Schatten. Deshalb liegen unsere Matten neben dem Hühnerstall, weshalb viele neugierige Hühner, neben, um, hinter, vor und auf unseren Matten herumscharren. Die Dorfbewohner beobachten jede unserer Bewegungen neugierig. Die Frauen sind auch hier diejenigen, die Pfeife rauchen. Ahmad Amada und die beiden Träger ziehen sich in eine Lehmhütte zum schlafen zurück, einem unserer Träger geht es nicht gut, Verdacht auf Malaria. Wir sind also uns selbst überlassen und den nicht-französisch-sprechenden Dorfbewohnern. Aber alles bleibt irgendwie auf Distanz. Als die Mittagssonne wieder unsere Matten erreicht, müssen wir umsiedeln. Diesmal gibt es nur noch Schatten auf einem Stück Land, dass mal eine Wiese gewesen zu sein scheint, wo Berge von Ziegen- und Rinderexkrementen herumliegen. Nun gut, wenigstens Schatten. Also räumen wir ein paar Haufen zur Seite und machen es uns auf unseren Matten in einer etwas streng duftenden Atmosphäre bequem.
Wasser :)
Da es in diesem Dorf eine Quelle gibt, beschließen wir irgendwann, unsere Wasserflaschen wieder aufzufüllen. Es bleibt allerdings erst einmal bei einer Flasche, denn das Wasser ist grün. Und da lässt sich unser Kopf einfach nicht ernsthaft überzeugen, das es irgendwie gut sein könnte für uns, dieses Wasser zu trinken, auch nicht mit unseren Micrpur-Tabletten. Manu hat auf der anderen Seite des Dorfes, bei unserer Ankunft, noch eine andere Quelle gefunden und beschließt, sein Glück dort zu versuchen. Erfolgreich :) Er kommt mit recht klarem Wasser zurück, allerdings schwimmen diesmal kleine Tierchen im Wasser. Vielleicht helfen unsere Tabletten. Nach zwei Stunden schwimmen die Tierchen immer noch, unsere Tabletten helfen also nicht. Was tun? Wir haben kein anderes Wasser mehr und müssen wegen der Hitze trinken. Also ein wenig Zuckerpulver mit Geschmack Guave ins Wasser, das sich darauf hin rosa verfärbt. Den Kopf überzeugen, das dieses Wasser getrunken werden muss, da es auf absehbare Zeit kein anderes Wasser gibt. Und die Tierchen sind plötzlich fast vergessen.
Irgendwann am frühern Nachmittag geht es dann weiter. Der Dorfchef war am Ende noch sehr unzufrieden, da ihm unser Gastgeschenk (ein Stück Seife und Salz) nicht gut genug war. Er wollte mehr Geld um in der nahegelegenen größeren Stadt einkaufen zu können.
Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg :)
Wir kommen an ein weiteres kleines Dorf. Dort werden wir sehr nett begrüßt aber machen nur kurz Halt, um die wichtigsten Neuigkeiten auszutauschen. Und wir müssen ja noch unser Nachtlager erreichen. Dazu müssen wir noch ein Tal durchqueren, also Hang runter (über eine riesige Steinfläche - wie soll das gehen??? Ahmad Amada macht es mir in seinen FlipFlops vor... Mein Kopf sagt, das geht nicht... Manu nimmt mich an die Hand - es geht doch :) Kleiner Aussetzer bei mir ;) ).
Auf der anderen Seite gehts wieder Berg auf. Wir kommen an einer Quelle vorbei, an der das Wasser wirklich klar ist. Und da unsere Flaschen bereits wieder leer sind, wird hier aufgefüllt. Auf dieser Seite des Tals scheint es mehr Wasser zu geben, denn wir durchqueren eine Bananenplantage. Dann erreichen wir unser Nachtlager, das Dorf Balengy (auch auf nigerianischer Seite). Die Dorfbewohner sitzen zusammen und trinken Hirsebier. Wir treffen auch einige Bekannte aus vorherigen Dörfern wieder. Ahmad Adama erklärt uns, dass sich die Leute treffen, um gemeinsam die Woche zu beenden, bevor morgen eine neue Woche losgeht und das Ende der Hirseernte zu feiern. Auch hier bekommen wir als Willkommensgruß eine Papaya. Und wir kaufen leckere kleine Bananen. In diesem Dorf gibt es viele Kinder, die sich neugierig um uns scharen. Die Armut ist zu spüren, die Mangelernährung vor allem auch bei den größeren Kindern zu sehen. Auch die Kinder trinken hier schon Hirsebier. Sie kommentieren jede unserer Bewegungen und kommen schnell mit Manu und Alain in Kontakt. Manu spielt Lehrer und versucht, den Kindern die Zahlen von eins bis drei auf Französisch beizubringen. Die Kinder plappern alles begeistert nach, es wird viel gelacht, die Stimmung ist ausgelassen. Irgendwann mischt sich der betrunkene Dorfchef ein. Die Kinder werden hier in der kleinen Dorfkirche unterrichtet, anscheinend vom Dorfchef, der ein paar Brocken französisch spricht. Er ist durch den Alkohol leicht aggressiv und scheint ein bißchen sauer, daß die Kinder die drei Zahlen auf französisch nicht beherrschen. Er fährt sie unfeundlich an und unterbricht die fröhliche Unterrichtsstunde. Die Stimmung kippt, auch bedingt dadurch, dass es eine Auseinandersetzung zwischen diesem Dorfchef, einem anderen Dorfchef (wo wir eigentlich hätten vorbeikommen sollen aber der Chef hat geschlafen und uns deshalb nicht mitbekommen. Er war auch eigentlich nur scharf auf Gatsgeschenke von uns.) und Ahmad Amada um die Nazarra gegeben hatte. Der Dorfchef schickt die Kinder unter Androhung von Schlägen weg, die Mädchen müssen wieder an die Arbeit.
unser Zeltplatz
Wir bauen unsere Zelte auf, auf einem leeren Platz mitten im Dorf.



Die Stimmung ist bedingt durch die großen Alkoholmengen gereizt. Wir fühlen uns nicht wohl und auch nicht willkommen. Ahmad Amada kommt, um uns die Situation zu erklären und versucht, alles ein wenig runterzuspielen. Alain baut sein Zelt weiter auf und Manu und ich suchen die Quelle auf, um uns ein wenig zu waschen. Nach unserem Abendessen aus Spaghetti und  Thunfisch suchen Manu und ich noch einen Toilettenplatz (zum Glück scheint der Mond sehr hell). Dann ziehen wir uns in unsere Zelte zurück, während die Dorfbewohner sich weiter dem Hirsebier hingeben. Die
Dorfkirche
Nacht ist laut und Trunkenheit und Aggression liegen in der Luft. Der Dorfchef will in sein Haus, das direkt bei unseren Zelten steht, zurückkehren aber seine Frau prügelt ihn hinaus. So prügelt der Chef seine Kinder, die Frau ihren Mann und und und ... Eine wirklich seltsame Stimmung. Es dauert ewig lang, bis in diesem Dorf Ruhe einkehrt.Was auffällig war in diesem Dorf: Wir haben den ganzen Aufenthalt niemanden Essen sehen, nur Hirsebier trinken. Vielleicht stillt das ja den Hunger...
gemeinsames Hirsebiertrinken

Mittwoch, 23. Februar 2011

3. Etappe: Wangaï - Yagmalo

Nach einer kurzen Nacht und einem ebenso kurzen Frühstück aber vielen Diskussionen, ob die Träger in der Lage wären, unser Gepäck zu tragen, packen wir alles zusammen und machen uns auf den Weg. Für die beiden Träger haben wir extra Rucksäcke mitgenommen aber diese sind ihnen zu schwer - daher lange Diskussionen. Wir müssen ein wenig drüber lächeln, da die Träger am Mount Cameroon KEINE Rucksäcke, sondern Tragetaschen hatten und wesentlich mehr an Gepäck getragen haben. Aber nun, als es dann um die Diskussion geht, wer noch eine Tüte mit Lebensmitteln tragen könnte, habe ich meinem muslimischen Gegenüber in die Augen gesehen und gesagt, dass ich die Tüte trage, wenn sie den anderen zu schwer ist. Normalerweise bin ich ja vorsichtiger und halte mich an die Regel, einem muslimischen Mann nicht direkt in die Augen zu sehen. Aber jetzt bin ich so genervt vom ewiglangen diskutieren, da hab ich es riskiert... Es bleibt auch ohne Folgen aber ich gebe zu, ich habe mich nicht ganz wohl gefühlt.
In diesem Dorf befindet sich die Schule
Mit Ahmad Adama an der Spitze machen wir uns also auf den Weg. Obwohl es noch früh ist, ist es bereits unglaublich warm. Die Sonne brennt regelrecht. Unser Weg führt über den leeren Marktplatz Wangaïs in Richung Gebirge. Zuerst durchqueren wir eine Ebene. Dabei kommen wir an einer Schule vorbei und treffen einen jungen Lehrer. Es stellt sich heraus, daß er aus Yaoundé dorthin versetzt worden ist, nachdem er 3 Jahre auf eine Stelle gewartet hatte. Er ist gerade auf dem Weg zum Wasser holen. Da er das Wasser im Dorf und im Nachbardorf nicht trinken kann (er verträgt es nicht), muss er zu einem 10km entfernt gelegenen Dorf im Wald. Die Schule hat etwa 200 Schüler - eigentlich. Aber da viele aus den entlegenen Bergdörfern kommen, sind längst nicht immer alle da. Manche kommen auch während ihrer Arbeit und bringen beispielsweise das Zebu-Rind, auf das sie aufpassen sollen, mit zur Schule. Dort wird es an einem Baum "abgestellt" und nach Unterrichtsschluss wieder abgeholt.
Weiter geht es für uns Richtung Librou, wo wir unsere Mittagsrast machen wollen. Unterwegs treffen wir noch auf einige Herden Zebu-Rinder, auf einen Mann, dessen Aufgabe der Tier- und Naturschutz ist, er hat ein mittelalterliches Gewehr über der Schulter. Und wir treffen einen jungen Mann, der ein lebendiges Huhn bei sich hat, dass als Opfergabe gedacht ist. (Lebende Nahrungsmittel verderden nicht so schnell)
Rechts unsere beiden Träger, links Ahmad Adama und Alain
Nach einigem Klettern und viel Sonne kommen wir dann in Librou an. Es ist ein kleines Dorf mit nur wenigen Einwohnern.
Palmfrüchte entkernen















Das Dorfoberhaupt, ein alter Mann, sitzt mit einigen anderen Dorfbewohnern zusammen und trinkt Hirsebier. Eine alte Frau nur in einen Blätterrock gekleidet sitzt in seiner Näher, raucht genüßlich ein Pfeifchen und häkelt. Ahmad Amada wird herzlich begrüßt, für uns werden Strohmatten zum Sitzen geholt. Und wir bekommen als Willkommensgruß eine frische Papaya. Zwei junge Frauen mit kleinen Kindern erscheinen. Sie setzen sich dazu. Es macht den Eindruck, als habe keiner der Dorfbewohner wirklich etwas zu tun. So genießen wir eine Weile das Nichts-Tun, schauen uns etwas im Dorf um und genießen den Schatten der vielen Bäume im Dorf. In der Nähe fließt ein kleiner Bach, aus dem eine der jungen Frauen Wasser für Ahmad Adama und die beiden Träger holt. Irgendwann verschwinden die Frauen nach und nach, die eine bereitet Süßkartoffeln, die andere öffnet mit einem Stein kleine Palmfrüchte. In den Früchten befinden sich viele kleine Kerne, von einer dünnen Haut umgeben. Diese müssen von der Haut befreit werden, dann kommen sie in eine große Schüssel. Später wird Öl daraus gemacht. Ganz schön viel Arbeit, da ganz schön viel Kerne in diesen kleinen Früchten stecken. Aber die Frauen helfen sich gegenseitig, später übernimmt eine der jüngeren Frauen diese Aufgabe. Sie hat ein kleines Kind, vielleicht 2 Jahre alt, ein Mädchen. Das setzt sich neben die Mutter und hilft ihr bei der Arbeit. Das sehen wir immer wieder, dass die Kinder schon von Klein auf an ihre späteren Rollen und Aufgaben gewöhnt werden. Ein anderes junges Mädchen, vielleicht 6 oder 7 Jahre alt, ist verantwortlich für ein 1jähriges, was bei ihm auf dem Rücken schläft. Nur die ganz kleinen haben wirklich Zeit zum Spielen.
Wir schmücken schlafende Hunde :)
Hier im Dorf treffen wir auch den jungen Mann mit dem Huhn wieder. Das Dorfoberhaupt nimmt das Huhn und eine Schar Kinder. Sie verschwinden in einer der strohgedeckten Lehmhütten. Irgendwann kommen der alte Mann und die Kinder wieder aus der Hütte - nur kein Huhn. Ich vermute, es wurde geopfert... Die Kinder scharen sich um eine Schüssel mit roter Flüssigkeit (Hühnerblut?) und jedes darf mal trinken. Während dessen tauchen immer mehr Kinder auf und eine Schar Hundewelpen und ihre Eltern. Und um uns herum scharren die Hühner mit ihren Küken und natürlich auch der Hahn. Es ist ein wenig schläfrige Stimmung, selbst die Hunde machen sich irgendwann lang, weil es so warm ist. Nur die Kinder finden keine Ruhe. Alain beschäftigt die Kinder, in dem er ihnen vor macht, wie man die schlafenden Hunde mit den Schalen der Palmfrüchte schmückt oder mit leeren Konservendosen. Die Kinder eifern ihm begeistert nach, nur eines hat es nicht raus, dass man besser nichts auf die Ohren legt. Dann wird der Hund wach und schüttelt sich, die Kinder kreischen vor Vergnügen und beginnen von vorne. Als Alain müde ist, löst Manu ihn ab und verteilt an alle Kinder ein Bonbon. Ein großes Highlight, die Kostbarkeit wird in der Hand gehütet und immer mal wieder mit der Zunge angeschleckt. Nur nicht zu schnell diesen süssen Genuß (schmeckt ein bißchen wie Pfefferminzzuckerstange von der Kirmes) los werden :) Dann holt Manu seine Kamera hervor und macht ein paar Fotos. Er zeigt sie den Kindern und Erwachsenen, die kommen aus dem Lachen nicht mehr heraus. Welch Wunder, dass sie sich selbst in diesem kleinen Kasten sehen. Irgendwann dürfen die Kinder dann auch mal ein Foto von Manu machen :) Spannende Ergebnisse ;)
Am frühen Nachmittag, nach Weißbrot mit Sardinen und Wasser zum Mittagessen, geht es weiter den Berg hinauf. Wir wollen nach Yagmalo, wo wir die Nacht verbringen werden. Die Sonne brennt vom Himmel herunter und wir klettern ihr immer mehr entgegen. Irgendwann ist mein Kreislauf überfordert und macht nicht mehr mit. Also eine kleine Pause, etwas geschmolzene Schokolade, viel Wasser und weiter gehts. Wir erreichen Yagmalo, das Dorf der 3 Baobab (Affenbrotbäume). Dort schlagen wir unsere Zelte (zum Glück benötigen wir nur das Innenzelt) auf. In der Nähe gibt es eine Quelle, dort können wir uns Waschen. Die Füße sind bis zu den Knien Grau-Braun von der staubigen Erde. Wir sind komplett durchgeschwitzt von der ungewohnten Sonnenintensität. An der Quelle sitzt ein alter Mann und spült Geschirr :) Nebenan stehen ein paar Zebu-Rinder.
Zebu-Rind
Aber das macht nichts, ich wollte mich immer schon mal in solcher Gesellschaft waschen :) Und ich genieße das kühle Wasser auf der sonnenüberhitzten Haut. Wir füllen auch unsere Trinkflaschen mit Wasser. Zum Glück ist es fast klar. Dann geht es zurück zum Zelt. Ahmad Adama kocht für uns Reis mit Sauce (aus Tomatenmark und Öl... hmmmm). Die Dorfbewohner sitzen in einiger Entfernung und beobachten uns. Es ist ebenfalls nur ein kleines Dorf. Irgendwann kommen die größeren Kinder zu uns. Ich hole ein Band aus der Hosentasche und wir spielen "Schweinchen auf der Leiter" und ich stelle überrascht fest, daß die älteren Kinder hier dieses Spiel auch kennen :)

Da es keinen Strom gibt, scheint für uns der Mond zum Abendessen. Wir sind sehr k.o. von diesem Tag, also Zähne putzen, ein stilles Örtchen für die Toilette im Gebüsch suchen und ab in den Schlafsack. Durch das Dach von unserem Zelt kann ich den Sternenhimmel sehen. Und ich höre die Kinder lachen und Quatsch machen bis spät in die Nacht. Ziegen schleichen um unser Zelt und sicherlich noch einiges andere, auf jeden Fall höre ich die ganze Nacht Geräusche... Und ich freue mich auf den nächsten Tag...

Montag, 21. Februar 2011

2. Etappe: Ngaoundéré - Wangaï

...Mit dem Auto geht es zuerst eine Zeit lang über eine gut ausgebaute Asphaltstraße. Etwa 2 Stunden dauert die Fahrt bis zum Rondpoint Gouna. Dort machen wir Halt, um etwas zu Essen. Es ist unglaublich warm und es wird noch wärmer, als wir uns einen Stand mit gegrilltem Fleisch aussuchen, um dort zu Essen. Das Fleisch ist gut, etwas zäh und durchmischt mit einem Teil Innereien. Aber es ist mehr als gut durchgebraten und deshalb genießbar - auch für uns. In Gouna ist es laut und voll. Dort halten die Busse, die rauf fahren nach Maroua und Garoua. Es gibt viele Stände mit Obst und Gemüse, gegrilltem Fleisch und Fisch. Dies ist auch der Punkt, an dem man einen Bus findet, wenn man weiter in den Norden oder zurück nach Ngaoundéré fahren möchte. Dazu aber mehr auf unserer Rückreise :)
Zu dem gegrillten Fleisch gönnen wir uns wegen der Hitze ein TopPampelmousse. Ist ein bißchen wie Zitronenlimonade, nur nicht ganz so süß und klebrig, sondern eben eher ein bißchen Richtung Pampelmusengeschmack. Eine 0,65-Liter-Flasche kostet umgerechnet 60 Cent. Wir sind die einzigen Weißen hier und stehen dadurch im Mittelpunkt. Das Volk ist hier bunt gemischt, viele Muslime aber auch Angehörige der in der Region ansässigen Volksstämme, wie die Fulani. Die Fulani-Frauen sind hochgewachsen, von schlanker Statur, haben unglaublich ausdrucksstarke Gesichter. Eine alte Frau beobachtet mich, als ich zu ihr hinschaue, lacht sie und winkt mir überschwenglich zu. Ich lache ebenfalls und winke zurück und so verbringen wir einige Minuten winkend und lachend.
Dann geht die Fahrt weiter. Nach einigen hundert Metern biegen wir links ab, was das Ende der Asphaltstraße und den Beginn der Piste bedeutet. Die Federung unseres Wagens lässt ein wenig zu Wünschen übrig - aber wir können uns Schlimmeres vorstellen. Die Hitze ist unbeschreiblich. Wir passieren einige Dörfer und treffen unterwegs auf chinesische Ingenieure, die sich als Projekt vorgenommen haben, die Piste zu befestigen. So müssen wir immer wieder die Fenster schließen, da riesige LKW an uns vorbeidonnern und Unmengen von Staub aufwirbeln. Wir fahren durch das Faro-Reservat, das zum Faro-Nationalpark gehört. Abdullai erklärt uns, dass man hier tagsüber Affen, Antilopen und manchmal auch Löwen sehen kann. Wir begnügen uns mit Affen und Antilopen und natürlich auch wieder Zeburindern. Das Land ist verbrannt. Wie jedes Jahr wurde auch hier vor kurzem Brandrodung betrieben. Dies führt zu enormen Konflikten in der Bevölkerung, zwischen dem Teil, der Viehwirtschaft betreibt und das Land als Weideflächen nutzt und dem Teil, der Ackerbau betreibt und neue Anbauflächen benötigt. Das Abbrennen von großen Landflächen einmal im Jahr zerstört nicht nur die Böden, auch Tierarten sind durch die Brände gefährdet und Pflanzen und Bäume ebenso.
Wir passieren irgendwo im Niergendwo eine Polizeistation, wo wir unsere Aufenthaltsgenehmigungen vorzeigen müssen. Und für mich ist es die erste Gelegenheit seit der Zugtoilette, die "Toilette" aufzusuchen. Es ist ein mit einer Lehmziegelmauer abgeschirmter kleiner Platz mit Blick über das Tal. In der Mitte befindet sich ein Loch, die Toilette. Etwas gewöhnungsbedürftig aber machbar :) Die Polizeistation arbeitet mit Solaranlagen - allerdings sind die gerade mal wieder defekt. Trotzdem bin ich beeindruckt, hier, an diesem weit abgelegenen und irgendwie ein bißchen trostlos wirkenden Ort eine Solaranlage zu entdecken. Der Polizist ist sehr freundlich und wir können uns nach kurzem Aufenthalt wieder auf den Weg machen.
Der nächste Halt ist in einem Dorf, wo wir Gasolin kaufen müssen, da der Tank leer ist. Eine Tankstelle gibt es zwar nicht aber in den Häusern des Dorfes finden sich gefüllte Kanister. Da Treibstoff in Nigeria wesentlich günstiger ist, als in Kamerun, nutzen viele Dorfbewohner die Nähe zur nigerianischen Grenze und versorgen sich dort mit Treibstoff, um diesen weiterzuverkaufen. Auch Motorräder für die hier typischen Moto-Taxen sind in Nigeria günstiger und finden daher häufig ihren Weg über die Grenze nach Kamerun.
Der Faro-Fluss
Kurz vor unserem Ziel passieren wir den Faro-Fluss. Dieses Gebiet ist Ziel zahlreicher Expeditionen und Safaris, da hier Flusspferde in großen Herden leben und wegen hier der Nähe zum Faro-Nationalpark auch Jagden organisiert werden (Zebras, Antilopen) und es einen enormen Fischbestand gibt.

Wangaï
Dann erreichen wir Wangaï. Die Mobiltelefone haben schon lange keinen Empfang mehr. Kühlschränke gibt es hier nicht. Überhaupt ist das Stromnetz noch nicht bis hierher gelangt. Aber noch ist es nicht Dunkel, die Dämmerung hat jedoch eingesetzt. Es ist mittlerweile 17.00 Uhr. Im Haus des Lamido, des islamischen Dorfoberhauptes, werden wir in unseren Zelten die Nacht verbringen. Schnell füllt sich der Innenhof mit neugierigen Männern und Kindern. Der Lamido ist gerade in sein Gebet in der Moschee vertieft. Wir nutzen die Zeit, unsere Zelte aufzuschlagen und man bringt uns einen Eimer Wasser, damit wir uns waschen können (fließend Wasser gibt es hier nicht). Ich fühle mich ein bißchen unwohl, da ich weit und breit die einzige Frau bin. Also halte ich mich ein wenig im Hintergrund. Abdullai verabschiedet sich, da er noch heute Abend seine Heimreise antritt. Nicht ganz ungefährlich, die Piste mit all ihren Tücken und Schlaglöchern bei Dunkelheit zu fahren.
Dann kommt der Lamido, um uns 5 Minuten seiner Zeit zu schenken. Und dann verschwindet er auch schon wieder und wir werden dem Leiter der Organisation, wo wir unseren Guide und die Träger buchen wollen, überlassen. Wir vereinbaren, dass wir uns erst frisch machen und etwas essen, um usn dann zusammenzusetzen und zu verhandeln. Neugierig wird unser Abendbrot verfolgt. Kinder hocken sich in unsere Nähe und immer wieder hören wir "Nazarra, cadeau, cadeau..." ("Weißer, Geschenk, Geschenk"). Es ist ein bißchen frustrierend, welche Auswirkungen Tourismus so haben kann. Wir machen schnell die Erfahrung, das alles Geld kostet und überall Geschenke von uns gefordert (im wahrsten Sinne des Wortes) werden.
Nach dem Abendessen kommt der Tourorganisator mit unserem Guide, um alles weitere zu besprechen. Und er verspricht uns, uns auch ein Auto zu besorgen, dass uns am Mittwoch morgen wieder zurück nach Gouna bringt, damit wir von dort einen Bus nach Ngaoundéré und Alain nach Maoura nehmen können. Vier Tage werden ausgehandelt, Ahmad Amada wird uns den Weg zeigen und wir handeln zwei Träger für zwei unserer Rucksäcke aus. Dann geht es noch um die Versorgung mit Lebensmitteln und das Besorgen der restlichen Gastgeschenke für die Dörfer. Als alle Verhandlungen abgeschlossen sind, ist der Himmel übersät mit Sternen. Auch der Mond ist bereits aufgegangen und alles wirkt viel intensiver, da kein elektrisches Licht die Nacht stört. Wir fallen erschöpft in unsere Schlafsäcke. Es dauert ein wenig, bis wir eine Schlafposition finden, da die Schlafsäcke direkt auf dem Boden liegen. So spürt man jeden Stein und jede Unebenheit. Da der Boden jedoch sandig ist, können wir ein paar Kuhlen schaffen, so dass unsere müden Körper dann doch ein wenig zur Ruhe kommen können. Das haben sie auch nötig, bevor es am nächsten Tag los geht auf unsere Entdeckungsreise im Alantika-Gebirge...

Sonntag, 20. Februar 2011

Alantika-Gebirge: 1. Etappe: Yaoundé - Ngaoundéré

Am 08.02. machen Manu und Alain sich morgens um 6 Uhr auf den Weg zum Bahnhof hier in Yaoundé, um Tickets für den Zug nach Ngaoundéré am 10.02. zu besorgen. Von dort soll es weiter über Poli nach Wangaï (Poli findet ihr noch auf der Karte, Wangaï nicht mehr, es liegt westlich von Poli, ca. 3-4 Stunden Fahrt mit dem Auto über die Piste ( http://www.camrail.net/reseau.html ) gehen. Nach einer guten Stunde kommt Manu zurück, jedoch nicht mit Tickets, sondern vorerst nur mit Reservierungen. Und eine Anzahlung wurde geleistet. Am 10.02. soll er dann wieder kommen, um die Tickets abzuholen. Also macht er sich am genannten Tag morgens um 6 Uhr wieder auf den Weg zum Bahnhof. Dort wartet er eine Stunde, dann wird der Schalter geöffnet, es gibt einen Knall, etwas fängt an zu brennen, das Feuer wird gelöscht, die Arbeit beendet und Manu hat keine Tickets... Was nun? Er spricht den Mitarbeiter von Camrail ( http://www.camrail.net/ -für weitere Infos zur kamerunischen Eisenbahn) an, was er machen soll, da er zur Arbeit muss. Der Mitarbeiter sagt ihm, Manu solle das Geld, die Reservierungsbestätigungen und unsere Cartes de residence bei ihm lassen und mittags die Tickets abholen... Das ist immer so ein Sache, mit dem Vertrauen hier: riskieren oder nicht riskieren? Was wird passieren? Steckt der Mitarbeiter das Geld ein (was hier nicht das erste Mal wäre) und die Reservierungsestätigungen verschwinden mit unseren Aufenthaltsgenehmigungen im Müll und haben damit nie existiert? Oder geht es gut und wir haben Mittags unsere Tickets? Wie heißt es so schön: no risk, no fun. Manu riskiert also und macht sich auf den Weg zur Arbeit.
Mittags geht er direkt nach der Arbeit wieder zum Bahnhof und erlebt eine Überraschung: der Mitarbeiter vom Morgen will gerade in die Mittagspause. Aber er händigt Manu vorab noch die Tickets und unsere Residencecards aus :) Es hat also geklappt. Wir können abends um 18 Uhr den Zug nach Ngaoundére nehmen. Alain muss bis 17 Uhr arbeiten und wird dann vorbei kommen. Manu und ich packen den Nachmittag über und organisieren die letzten Dinge.
Mein eigentlicher Plan war, vor der Abreise noch ein mal zu duschen, da wir nicht wissen, wann wir die nächste Möglichkeit dazu haben. Aber... wir haben kein Wasser... Grrrr... 12 Stunden Zugfahrt (wenn es keine Verspätungen gibt) liegen vor mir. Ich weiß, daß es in Ngaoundéré wesentlich wärmer ist, als in Yaoundé und ich kann NICHT duschen???? Na gut. Wir haben natürlich einen in Wasserflaschen vorsorglich abgefüllten Wasservorrat :) Also eben eine provisorische Dusche aus der Flasche und es kann losgehen.
Ich bin ganz schön aufgeregt, weil ich so gar keine Idee habe, was mich bei der Zugfahrt erwarten würde, außer dass es voll werden würde. Zu Fuß, bepackt mit 5 Rucksäcken, machen wir uns auf den Weg zum Bahnhof um kurz nach 17 Uhr. Dort herrscht schon ein reges Treiben, der Zug wartet bereits, die Menschen drängen durch eine winzige Tür, an der die Tickets zum ersten Mal kontrolliert werden, auf den Bahnsteig. Die Dusche hat sich erübrigt, uns bricht der Schweiß aus, auch wegen dem Gepäck. Wir müssen neben Zelten und Schlafsäcken auch Lebensmittel für 5 Tage mitnehmen und haben schon einen Teil der Gastgeschenke für die Dörfer im Alantika-Gebirge ("Allah tikam"  -  Das von Gott verlassene Land), besorgt. Als wir endlich die erste Kontrolle passiert haben, machen wir uns auf die Suche nach unserem Waggon. Der ist bald gefunden, und wir werden zu unserem Schlafabteil gebracht. Nach und nach wird der Zug immer voller. Es wirde 18 Uhr... Und wir warten auf die letzten Passagiere. Unser Abteil teilen wir mit einem Muslim. Er trägt das typische Gewand: weite Hose, darüber ein weites Hemd, ein weiter Umhang und ein Cappy - alles in hellblau. Er macht einen sehr sympathischen Eindruck, sieht ein bißchen aus wie Ben Kingsley im Film "Mahatma Gandhi" :)
Mit etwas Verspätung setzt sich der Zug um 18.20 Uhr in Bewegung. In gemütlichem Tempo zieht Yaoundé an uns vorbei. Viele Menschen, vor allem Kinder, stehen am Wegrand und winken. Es scheint ein Tageshighlight zu sein, dieser tägliche Zug nach Ngaoundéré. Zum Abendessen beschliessen wir, das "Restaurant" auszuprobieren. Es gbtb lauwarmes Hühnchen mit Reis, Eiersalat (ich habe wegen meinem eh schon nervösen Reisemagen lieber drauf verzichtet) und Ananas. Unter Beobachtung und Dauerkommentierung durch unsere muslimischen jungen Sitznachbarn nehmen wir diese erste Mahlzeit unserer Reise zu uns und geniessen sie, da wir ja nicht wissen, was uns so als nächstes erwarten wird. Danach geht es zum Schlafen zurück ins Abteil. Neben uns sind vier kamerunische Frauen mit einem Säugling untergebracht. Es stellt sich heraus, dass eine der jungen Frauen eine Schülerin von Manu ist :) Daneben ist noch mal ein Abteil mit vier Frauen und daneben ein Abteil mit vielen jungen Muslimen. Alle sehr offen und freundlich. Aber es ist schon anders, wenn zu bestimmten Zeiten die Gebetsteppiche ausgepackt werden und die Gänge des Zuges sich mit betenden Menschen füllen. Nach und nach wird es ruhig im Waggon. Die Sicherheitspatrouille, die in den Waggons für Ruhe und Ordnung und auch für Schutz sorgen, patroullieren über den Gang.
Der Zug hält an verschiedenen Bahnhöfen, wo Menschen, vor allem Kinder, ihre Waren lautstark anbieten: Wasser, gebratener Fisch, Baton (mit gekochtem Maniok gefüllte Blätter - zusammengerollt und gebunden), Tragetaschen, Obst. Alles drapiert auf selbstgebauten Tablettes, die sie auf ihren Köpfen balancieren. In der Mitter steht oftmals eine kleine Öllampe, um die Ware für den Käufer besser sichtbar zu machen. Während die Männer in meinem Abteil gemütlich vor sich hinschnarchen, werde ich durch die Rufe der Verkäufer jedes Mal geweckt. Die Sicherheitsleute des Zuges kontrollieren die Türen und auchten darauf, dass keine Reisenden zusteigen, die nicht bezahlt haben. Die Bahnhöfe sind hell erleuchtet und viele Mitreisende feilschen durch die halbgeöffneten Fenstern um die gewünschte Ware. Vor allem der selbtgemachte Honig ist sehr begehrt. Aber Vorsicht ist geboten, denn es gibt leider auch die, die mit langen Stangen, an denen Haken befestigt sind, Reisegepäck aus den Abteilen fischen. Daher bin ich ganz froh, dass ich an den Bahnhöfen aufwache. An einem Bahnhof plötzlich ein gellender Schrei aus dem Nachbarabteil mit den vier Frauen und dem Säugling. "Voleur, voleur, sécurité, sécurité!!!" Und ein nicht enden wollendes hysterisches Schreien. Es dauert eine Weile, bis die Sicherheitsleute auftauchen. Mittlerweile ist der ganze Wagen durch die Schreie aufgewacht. Was war passiert? Zuerst wusste keiner Bescheid, denn die Frau war so hysterisch, dass sie aus dem Schreien und Schimpfen nicht mehr herauskam und vergaß zu sagen, was passiert war: Ein Mann war vom Gang aus in das Abteil der schlafenden Frauen eingedrungen und hatte ihre Handtasche mit allen Papieren und Geld gestohlen und war durch das Fenster (wohlgemerkt, sie sind nur bis zur Hälfte zu öffnen, wenn der Mechanismus funktioniert...) entkommen. Die Frau beschuldigte die Sicherheitsleute, dass es ein organisierter Diebstahl war und die Sicherheitsleute daran beteiligt waren und deswegen erst so spät zur Hilfe gekommen wären. Sie konnte sich nicht beruhigen, rief immer wieder "man hat mich bestohlen, meine Tasche, meine Papiere, mein Geld, warum seid ihr nicht zur Hilfe gekommen?". Andere Passagiere kamen hinzu und mischten sich lautstark in die Diskussion mit ein. Es dauerte bis zum frühen Morgen, dass es wieder ruhiger wurde. Die Männer in meinem Abteil fielen jedoch alle nach und nach wieder in ihren wohlverdienten Schlaf. Für mich war es allerdings vorbei mit dem Schlafen... Und wir schlossen unser Fenster, was zur Folge hatte, daß das Abteilklima unangenehm wurde, warm, scläfrig, die Luft abgestanden. Daher war ich froh, als so langsam gegen 6 Uhr wieder Leben in den Zug kam und wir frische Luft hereinlassen konnten. Die Sonne ging auf, die Leute in unserem Waggon hatten nur ein Thema, den Diebstahl der Nacht. Zum Frühstück gab es Kuchen, Bananen und Wasser.
Alain beim Frühstück
Ich beim Frühstück ;)















Vom Fenster aus beobachten wir die vorbeiziehende, sich verändernde Landschaft. Überall sind Ameisenbehausungen in Form von überdimensionalen Pilzen zu sehen. Die Häuser sind aus Lehmziegeln und mit Stroh gedeckt. Kleine Dörfer mit  Zäunen aus Strohmatten huschen vereinzelt an uns vorbei.


Herden von Zeburindern suchen durch den Zug verschreckt chaotisch das Weite. Am Horizont erstrecken sich Gebirgsketten. Kinder stehen an der Strecke und winken. Es wird schnell warm aber im Gegensatz zu Yaoundé eine eher trockene Hitze. Und dann erreichen wir Ngaoundéré. Zuerst sind es nur vereinzelte Häuser, Vororte, dann kommt der Güterbahnhof und letztendlich fahren wir im Bahnhof ein.
In dem spitz zulaufenden Turm befindet sich der Eingang zur Wartehalle. Im Flachbau davor, wo die Autos stehen, reserviert und kauft man Tickets und dort ist der Wartebereich für die 1. Klasse. In dem rot-weißen Häuschen kauft man Bustickets, falls die Reise noch nicht beendet ist. Der Platz vor dem Bahnhof ist beim Eintreffen des Zuges vollgestopft mit Autos, Minibussen, Reisebussen, Reisenden, Verkäufern und Moto-Taxifahrern, denn in Ngaoundéré fährt man wenig mit den uns aus Yaoundé bekannten gelben Autotaxen, sondern mit dem Moto-Taxi, das wesentlich schneller voran kommt, günstiger ist und genau so komfortabel, wie ein Auto. Am Bahnof werden wir von einem Bekannten von Alain empfangen, der uns ein Auto besorgt für die Weiterfahrt nach Wangaï. Auf dem Bahnhofsvorplatz wartet bereits ein weißer Pickup auf uns. Die Absprache mit dem Bekannten war ein Mietwagen für die Fahrt nach Wangaï, ein Fahrer, der den Weg kennt, in Wangaï auf uns wartet, uns zurück nach Ngaoundéré bringt und der uns helfen kann, die restlichen Gastgeschenke für die Dörfer, die wir besuchen und in denen wir übernachten werden, zu besorgen. In der Regel sind das Seifen, Salz Streichhölzer und Bonbons für die Kinder. Die Absprache stellt sich als nicht eingehalten heraus. Wir haben zwar einen Mietwagen und einen Fahrer. Dieser ist jedoch noch nie in Wangaï gewesen und er hat auch keine Ahnung davon, was wir als Gastgeschenke benötigen. Aber er fährt uns erst einmal zum "Supermarkt". Dort kaufen wir auch noch Reis, Tomatenmark, eine Flasche Öl, Brot, Sardinen und Schmierkäse (Vache qui rit - Die Kuh die lacht) - unsere Verpflegung für die nächsten 5-6 Tage. Und wir brauchen noch Wasser für den ersten Tag, da es dort nur Fluß- oder Brunnenwasser gibt in den Bergen. Wir werden zum ersten Mal Micropur-Tabletten ausprobieren, die das Wasser für uns trinkbar machen sollen, da sie Mikrobakterien abtöten. 
 Dann gibt es ein weiteres Treffen mit Alains Bekanntem, um noch einmal über die Abmachung zu diskutieren. Der Bekannte teilt uns einen neuen Fahrer zu, Abdullai, ein schweigsamer junger Mann, der über seinen Arbeitsauftrag eher überrascht ist. In schweißtreibender Mittagssonne geht es in einem überhitzten Pickup auf nach Wangaï. 

Donnerstag, 10. Februar 2011

kurze Info

Ich weiß, ich habe wieder länger nicht geschrieben. Das liegt daran, daß Besuch aus Deutschland da war, Bop, der Initiatort des Deutsche-Schule-Jaunde-Projektes. Es war eine spannende Woche mit Besuchen beim deutschen Botschafter und dem Goethe-Institut und vielen Planungen. Später gibts mal mehr dazu. Wen das Projekt interessiert, hier der Link: http://www.foerderverein-dsj.de/de/

Und wir planen eine Reise. Manu hat heute seinen letzten Schultag. Morgen ist Feiertag (Fête de la jeunesse) und wir haben uns überlegt, mit Alain eine Tour durch das Alantika-Gebirge zu machen. Wir werden also heute abend den Nachtzug von Yaoundé nach Ngaoundéré nehmen. Wenn wir morgen (hoffentlich mit nicht all zu viel Verspätung) dort ankommen, werden wir mit einem Mietwagen Richtung Westen fahren. Dort, an der Grenze zu Nigeria, liegt das Alantika-Gebirge. Wir werden ein paar Tage zu Fuß unterwegs sein. Diesmal ist das Ziel aber nicht der Gipfel - wie beim Mount Cameroon - sondern die Dörfer und Menschen dort. Wir wollen in die Kultur eintauchen, eine traditionelle Lebensweise kennenlernen und miterleben. Deswegen werden wir in einem Dorf beim Dorfchef (oder König) nach einem Guide und Portern fragen, die mit uns die Bergtour machen. Mittwoch früh geht es dann zurück nach Ngaoundéré. Alain wird noch weiter in den Norden fahren, um dort einen ecuadorianischen Bekannten zu besuchen. Und wir werden sehen, vielleicht noch ein oder zwei Tage in Ngaoundére und Umgebung und dann mit dem Nachtzug zurück nach Yaoundé.

Am Ende der Ferien (26./27.02.) sind wir zu einer traditionellen Beerdigung eingeladen in Bafia. Gestern war Monsieur Jules (ihr erinnert euch vielleicht, der Taxifahrer, mit dem wir auch beim Fußball waren) mit seiner Gattin Madame Brigitte hier. Und Madame Brigitte hat Maß bei mir genommen für mein traditionelles afrikanisches Beerdigungsgewand. Ich werde ein Gewand im gleichen Schnitt haben, wie Madame Brigitte und Margot, die Frau von Christophe (ihr wisst doch noch, der Sportlehrer. Seine Frau und seine kleine Tochter Zélie kommen am 24.02. endlich nach Yaoundé). Manu war gestern nachmittag mit Monsieur Jules und Christophe beim Herrenschneider zum Maß nehmen. Ich bin sehr gespannt, wie wir uns in afrikanischen Gewändern machen :D

So viel erst einmal von mir. Ihr erhaltet nach meiner Rückkehr natürlich einen ausführlichen Bericht. Euch eine gute Zeit bis dahin, paßt auf euch auf :)

Donnerstag, 3. Februar 2011

Der erste Regen...

Der Himmel ist wolkenverhangen. Die Sonne hat seit gestern kaum eine Chance, zwischen den dicken, grauen Regenwolken hervorzublinzeln. Statt dessen gießt es in Strömen mehrmals täglich. Eigentlich ist noch keine Regenzeit - oder doch? Der Vorteil: es macht die Temperaturen sehr angenehm. Der Nachteil: wenn man in einen Schauer gerät, ist man bis auf die Knochen nass...
 Sonnenuntergang Dienstag Abend. Da war noch keine Rgenwolke in Sicht...



Gestern und heute sieht es dann die meiste Zeit des Tages so aus... Das hat natürlich auch Auswirkungen auf die Arbeit unserer Handwerker... Jetzt kommen sie schon endlich schneller voran und dann kommt auch noch der Regen :/



Der Himmel über Yaoundé... grau in grau...








Es regnet, es regnet, die Erde wird nass - und sie         
kann so viel Regen auf einmal kaum aufnehmen. Aber
es hat den enormen Vorteil, dass wir jetzt etwas
Wasser sparen können, weil wir nicht mehr jeden
Abend den kompletten Garten wässern müssen :) Aber wie man sieht, ist so ein Arbeiten an der Mauer, ein Verlegen elektrischer Leitungen oder der Abtransport der Schuttberge (mit denen übrigens unsere Strasse rauf zur Hauptstrasse ausgebessert wird, da die LKWs der chinesischen Nachbarn die tagtäglich massiv in Mitleidenschaft ziehen...) einfach nicht möglich...


Und ich habe ganz vergessen, euch zu erzählen, dass ich versucht habe, Brioche zu backen :) Aber dieser Ofen, der einfach nur zwei Einstellungen der Gasflammen ermöglicht, macht nicht immer unbedingt das, was er soll.
 Und eigentlich sind das auch gar keine Brioche. Ich hatte ein Päckchen aus Norwegen bekommen (danke noch mal an Evelyn) und da war ein Rezept für Boller (wer das nicht kennt, sollte unbedingt nach Norwegen, um diese dort zu probieren, am besten Kanelboller (mit Zimt)) drin und Hefe und Lebkuchengewürz. Also habe ich mir gedacht, ich probier es mal aus. Allerdings bin ich mit den ganzen Mengenangaben (trotz Professeur de mathématiques im Haus ;) - ich habe versucht, die Mengenangaben im Rezept zu halbieren, da das Rezept für 16-20 Boller war) nicht sooo zurecht gekommen. Also haben wir uns beim Testen dann dafür entschieden, dass es sich mehr um Brioche, als um Boller handelt. Und trotzdem lecker... Jetzt könnt ihr euch überlegen, ob das nicht ein Anlass wäre, uns mal zu besuchen :D


Und damit das Überlegen nicht sooo schwer fällt, hier noch eine Extra-Großaufnahme ;)










Euch allen einen schönen Nachmittag...