

Die letzte Etappe unserer Reise. Früh am Morgen verlassen wir Rhoumsiki. Die Straße ist wie immer staubig - eine Piste. Und wir sind müde von der Reise aber wir freuen uns auf eine weitere Nacht bei den Schwestern in Ngaoundéré. Die Strecke dorthin ist ziemlich lang. Wir kommen an einen Punkt, wo wir uns entscheiden müssen, ob wir weiter Piste fahren oder lieber die Asphaltstrasse nehmen über Guide. Als wir an der Kreuzung ankommen, wo wir uns entscheiden müssen, treffen wir auf einen Polizisten. Wir fragen ihn nach dem Zustand der Piste. Er sagt:"
Ne prenez pas la piste. Ils ont coupé la route." Hmmm, denk ich mir, die haben die Straße "geschnitten"? Was kann das heißen? Vielleicht eine Baustelle? Wie auch immer, es nimmt uns die Entscheidung ab, wir nehmen die Asphaltstraße nach Guide. Von dort aus geht es weiter nach Garoua (Mittagessen und Dr. Emma besuchen). Yann erzählt uns, dass "coupé la route" bedeutet, da steht ein junger Mann mit einer Waffe im Anschlag auf der Straße (oder auch mehrere Männer) und hält die Vorbeifahrenden an, um sie auszurauben. Das ist hier ein ziemliches Problem in der Gegend, oftmals sind es junge Männer aus Nigeria oder dem Tschad.
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| Mangobäume |
Ein Militär hat Yann dazu folgende Geschichte erzählt: Eines Tages haben einige dieser jungen Männer genau das gemacht. Ils ont coupé la route. Mit dem Motorrad hat sich einer quer auf die Straße gestellt, eine Waffe im Anschlag. Sie haben einen Bus angehalten. In dem befand sich auch ein Geistlicher. Die Männer haben gesagt, die, die Geld haben auf die eine Seite, die die keins haben auf die andere. Der Geistliche hat sich auf die Seite derer ohne Geld gestellt. Die Männer haben ihn gefragt, ob er sicher sei, dass er kein Geld habe. Der Geistliche sagte, er sei ein Mann der Kirche, er habe kein Geld. Die Männer drohten ihm, wenn sie auch nur das kleinste Geldstück bei ihm fänden, ginge es ihm schlecht. Sie haben den Geistlichen durchsucht und aus irgendeinem Grund hatte dieser vergessen, dass er ein 100FCFA-Stück (umgerechnet 15 Cent) in der Tasche hatte. Die Männer haben es gefunden, ihn der Lüge bezichtigt und ihm mit der Kneifzange den kleinen Finger abgekniffen. Autsch. Der Mann vom Militär hat zu Yann gesagt, dass mit diesen Männern einfach nicht zu spaßen ist. Sie scheuen vor nichts zurück.
Danke an den Polizisten, der uns, wenn auch rein züfällig getroffen, den rechten Weg gewiesen hat. Diese Welt ist schon anders, als ich sie mir wünsche...
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| Zwischen Ngaoundéré und Yoko |
Nun ja, weiter geht es nach Garoua. Dort fahren wir bei Dr. Emma vorbei, ihr erinnert euch, der Mechaniker, der uns nach Bouba Ndjidda das Auto repariert hat. Ein herzliches Hallo und "Wie geht's?" und auf geht's Richtung Restaurant. Wir finden ein etwas abgelegenes aber spezielles Restaurant. Eine korpulente Frau begrüßt uns freundlich. Im Reiseführer steht "Sportsbar". Ok, vielleicht gehört hier die Tigerfellimitation als Stuhlbezug und die quietschrosa Tischdecken zum Sport dazu. Das Essen ist wirklich gut, Capitaine (Fisch) mit Reis und Pommes Frites. Leider ist es zu viel. Weiter geht es nach Ngaoundéré. Dort kommen wir am späten Nachmittag an. Manu will noch auf den Markt, um sich Schuhe zu kaufen (der Norden ist unter anderem für seine gute Lederverarbeitung bekannt) und Yann will ins Internetcafé. Für mich heißt es einfach Dusche und Buch. Manu kommt ohne Schuhe zurück, denn aus irgendeinem Grund wurde der Markt in einen anderen Stadtteil weiter außerhalb verlegt.
Abends gehen wir in ein kleines Restaurant und essen einen superleckeren Avocado-Salat. Nach all dem Fleisch, das wir die letzten Tage hatten, tut das richtig gut. Die Nacht verbringen wir bei den Schwestern und machen uns früh am nächsten Morgen auf Richtung Tibati.
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| zwischen Ngaoundéré und Yoko gibts wieder mehr Wasser |
Dort gibt es einen See, in dem wir baden können. Vorher müssen wir aber beim Dorfchef vorbei, drücken ihm etwas Geld in die Hand, bekommen einen jungen Mann ins Auto gesetzt und auf gehts. Wir passieren eine Schranke und überqueren ein Weidegebiet einer riesigen Schaf-Ziegen-Zebu-Herde. Dann kommt der See. Wirklich schön gelegen, es gibt Flusspferde (nur gerade nicht, als wir da sind). Yann und Manu entkleiden sich und gehen in Shorts baden. Für mich treffe ich die Entscheidung, nicht baden zu gehen. Denn dies ist eine muslimische Gegend, ich bin nur von jungen Männern umgeben und da muss ich mich nicht vor aller Augen umziehen und halbnackt in den See springen. So wichtig ist es dann auch nicht :)
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| der Badesee bei Tibati |
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| zwischen Yoko und Yaoundé |
Von hier geht es weiter nach Sangbé. Dort hat Yann im letzten Jahr, als er eine Motorradtour gemacht hat, in einer Schule übernachtet. Es gibt einen Wasserfall, zu dem wir eine Tour machen wollen. ABER... Als wir im Dorf ankommen, suchen wir, wie üblich, zuerst den Dorfchef auf. Es ist ein kleiner, etwas unsicher wirkender Mann, der kein französisch spricht. Also kommt ein Dolmetscher hinzu. Der Chef sagt, er müsse erst mit dem Ältesten sprechen, der kommt dann auch. Dieser sagt, wir können die Wasserfälle besuchen und auch zelten. Aber nur, wenn wir 20.000FCFA (umgerechnet 30 Euro) bezahlen. Es ist nicht so, dass wir gar nichts geben wollen aber das ist bei weitem zu viel. An keinem Ort, den wir besucht haben, haben wir so viel Geld bezahlt. Und schon gar nicht für einen Wasserfall! Ein Guide dorthin kostet vielleicht 3000FCFA, ein Zeltplatz kostet 2500FCFA. Wir schlagen vor, ein bißchen für den Guide, den Lehrer, den Chef und das Dorf zu geben. Nein, 20.000FCFA. Es kommt gar nicht erst zu einer Diskussion. Ich werde ziemlich ungehalten, denn es geht mir gründlich auf den Zeiger diese Borniertheit. Ja, vielleicht ist es Unwissenheit. Aber der Preis, den sie verlangen, ist für viele in dieser Gegend mehr als ein Monatsgehalt! Und bloß, weil ein paar "Weiße" vorbeikommen, die man mal eben über den Tisch ziehen kann für einen Wasserfall, der nicht mal von ihnen geschaffen wurde (!!!!!) kann man diesen exorbitanten Preis ansetzen? Argh. Dieses Land wird es so nie schaffen, eine gute Tourismusbranche zu entwickeln. Wir machen einen erneuten Versuch, sagen, wir sind bereit, was zu geben aber nicht den Preis. Sie bleiben dabei, also verlassen wir Sangbé (obwohl es schon spät ist) und fahren weiter nach Yoko.
Im Nachhinein stellt sich heraus, dass vor uns andere "Weiße" dort gewesen sind und 25.000FCFA bezahlt haben (auch sie waren unwissend...). Was soll's? wir finden ein Bett in der Mission von Yoko. Da hat zwar schon ewig niemand mehr übernachtet, überall Spinnen, Mäusekot, Kakerlaken, kein fließend Wasser. Aber ein Bett für die Nacht und Wasser bekommen wir in einem großen Bottich geliefert. Nach der "Dusche" geht es runter ins Dorf, dort bekommen wir ein einfaches aber gutes Essen.
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| das kleine Dorf, in dem Yann übernachtet hat |
Am nächsten Morgen geht es in aller Frühe weiter Richtung Yaoundé. Die Strecke ist nicht im besten Zustand aber befahrbar. Am frühen Vormittag kommen wir in einem kleinen Dorf an, in dem Yann im letzten Jahr bei seiner Motorradtour übernachtet hat. Die Wiedersehensfreude ist groß. Er muss in jedem Haus vorbei und auch beim neuen Dorfchef. Nach einer Stunde Aufenthalt geht es weiter Richtung Yaoundé.
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| Der Sanaga-Fluß |
Wir kommen im Mittag am Sanaga-Fluß an. Den müssen wir, da die Brücke noch nicht fertig ist, mit einer Fähre überqueren. Wir warten zwei Stunden, bis wir endlich an der Reihe sind. Würden wir unseren "Weißen-Bonus" einsetzen, wären wir eher drüben. Aber wir bevorzugen es, in der Reihe zu stehen, wie alle anderen auch - sehr zur Verwunderung einiger Kameruner.
Nach einer langen aber sehr beeindruckenden Reise kommen wir am späten Nachmittag zu Hause an. Es war wirklich schön, 4050 Kilometer. Aber es ist auch schön, wieder daheim zu sein. Lasst es euch gut gehen :)
Und einige weiterer Bilder:
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| halb Piste - halb befestigte Straße... |
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| Dorf zwischen Rhoumsiki und Guide |
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| immer wieder ist die Kolonialzeit zu bemerken... |
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| auch hier findet sich überall "verbannte Erde"... |
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| zwischen Ngaoundére und Tibati gibt es wieder volle Flüsse... |
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| der Badesee bei Tibati |
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| und wieder Piste... |
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| aber es wird wieder grüner... |
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| auf dem Weg nach Sangbé, kurvenreich und staubig... |
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| nein, ein Gesicht dazu gibt's nicht, die Brille lag vorne auf der Ablage :) |
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| Aufbruch von Yoko (im Nebel...) |
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| warten auf Yann, ich fühl mich genau so staubig, wie die Autotür tatsächlich ist :) |
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| die Kinder unterhalten uns mit Tanz und Gesang und Gelächter :) |
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| fast Regenwaldatmosphäre... |
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| saftiges Grün... |
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| so weit das Auge reicht... |
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| wir ertrinken fast in diesen saftigen Farben nach all dem trockenen Braun, Grau und Beige im Norden... |
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| ein müder Krieger wartet aufs Übersetzen am Sanaga-Fluß... |
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| Brückenbau am Sanaga-Fluß |
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| endlich sind wir an der Reihe... |
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| auf dem Weg über den Fluß |
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| und ein kurzer Blick zurück... |
Das war die Entdeckung des Nordens und extremen Nordens Kameruns. Ich hoffe, euch hat die Reise genau so viel Spaß gemacht, wie uns. Bis zum nächsten Mal dann...
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