Hallo zusammen,
Ich bin es mal wieder. Von Donnerstag morgen bis Sonntag abend war ich mit Manu und Yann in Kribi und Umgebung unterwegs. Kribi hat die schoensten Straende Kameruns. Und es stimmt, es ist unglaublich! Vor allem wenn man ein Stueck Piste in Kauf nimmt, gelangt man an menschenleere Straende. Vorasgesetzt man ignoriert, dass man weiss, dass Pygmaeen-Staemme in der Umgebung wohnen und vermutlich irgendwie immer dabei sind.
Am ersten Tag in Kribi waren wir ziemlich k.o., denn es hat uns einige Zeit gekostet, bis wir eine guenstige Herberge gefunden haben. Schlicht, mit zerissenen Moskitonetzen aber fuer uns war es ausreichend. Nach einem Nachmittag am Strand, einem Besuch bei den Wasserfaellen von Lobe und einem guten Abendessen fielen wir dann ziemlich muede ins Bett.
Am Freitag nahmen wir unseren morgendlichen Kaffee in einem Strassencafe ein, ja, ich weiss, gegen jeden guten Ratschlag aus den Reisefuehrern... Aber der Cafe au lait dort ist zwar unglaublich (!!!) suess aber gut... Allerdings ist es bereits so warm, dass mir unterstuetzt durch den unglaublich (!!!) heissen und suessen Nescafe-Milchkaffee nur so der Sch weiss ausbrach... Zum Glueck fuhren wir dann direkt im Anschluss zum Le Rocher de Loupe. Dabei handelt es sich um eine Steinanhaeufung mitten im Meer, es gibt auch eine mystische Geschichte dazu, die ich aber auf Grund meiner noch fehlenden Franzoesischkenntnisse nicht ganz verstanden habe. Es hat was mit einem besonderen Fisch zu tun. Ich finde es noch heraus. Auf dem Weg dorthin, der uns ueber eine unbefestigte Sandpiste mit enormen Schlagloechern und noch enormeren Baustellenverengungen fuehrte, geschah es jedoch aus unerklaerlichen Gruenden (die nur die beiden anwesenden Herren kannten), dass der Tank unseres Autos ploetzlich leer wae – mitten im Niergendwo... Was also tun? Umdrehen und auf Reserve noch ein Stueck Piste fahren... Bis zu einem winzigen Dorf, um dort erst einmal ein kuehles Bier zu trinken und sich zu fragen, ob man jetzt verzweifeln soll, weil man bereits seit 2 Stunden und mehrmaligem Verfahren unterwegs ist? Gibt es eine Alternative? Vielleicht mit dem Mototaxi (ein normales Motorrad auf dem bis zu 5 Personen Platz finden)... Manchmal kommt ja doch eins vorbei... Aber nein, wozu ist man denn in Afrika, in einem winzigen Dorf, wo die Menschen noch ganz viel Zeit haben und alles ein bisschen langsamer laeuft? Ich mein, klar, hier hat doch jeder Petrol (Benzin) in der Kueche, wo auch sonst? Und ja klar, auch einige Liter mehr, die man an schusselige Touristen, die ueberzeugt waren, das Benzin wuerde noch reichen, verkaufen kann ;) . Also, wir hatten Glueck im Unglueck. Nach einem herzlichen Gespraech, viel Gelaechter, einem guten Bier wurde das Benzin dann mit einer abgeschnittenen Plastikflasche in den Tank gefuellt. Und wir konnten und doch noch auf den Weg zum Le Rocher machen, was sich auch gelohnt hat. Wir parkten unser Auto irgendwo an der Piste bei Gaspars Haus, einem Fischer, der uns auf dem Fussweg durch den Wald zum Strand brachte. Beeindruckend kann ich nur sagen, tropisches Klima, ein Gefuehl von Regenwald, das Auto irgendwo im Niergendwo und wir mit einem einheimischen Fischer und einem etwas zu eifrigen Mototaxifahrer auf dem Weg zum Strand. Dort angekommen erfasst einen dann sofort die pralle Sonne. Gut dass man die Badesachen direkt an hat, denn jedes Kleidungsstueck ist eigentlich zu viel. Wir maschieren gute 20 Minuten einen herrlichen Sandstrand gesaeumt von tropischen Baeumen entlang. Vermutlich schmunzelt der ein oder andere Pygmaee vor sich hin, was denn die verrueckten Weissen um die Zeit wohl am Strand machen. Sie gehen baden Herrliches Wasser, ueber uns kreisen die Raubvoegel, bis auf das Rauschen des Meeres ist nichts zu hoeren. Ein unglaublicher Tag an einem unglaublichen Strand. Auf dem Rueckweg haben sich die Steine, die wir ueberqueren muessen, um zurueck zu unserem Waldweg zu finden, so dermassen aufgeheizt, dass uns die Fusssohlen zu brennen scheinen. Im Wald begegnen wir dann Gaspar, der auf dem Weg ist, seine Fische auszunehmen. Er hat eine gute Zeit ueber unser Auto gewacht, mit dem wir uns jetzt auf den Rueckweg nach Kribi machen. Le Rocher liegt uebrigens in der Naehe der Grenze zu Gabun (nur zur geographischen Orientierung). Auf dem Rueckweg kommen wir noch mal an dem Dorf unserer Retter vorbei, die uns mit Benzin versorgt haben. Noch ein kurzer Stop, ein herzliches Hallo, ein erneutes Dankeschoen und weiter gehts hoffentlich ohne Probleme zurueck... Bis zu der Stelle, wo eine Bruecke fuer die neue Strasse gebaut wird und ein LKW ein Stueck vom Weg abgerutscht ist und jetzt ein bisschen neben der Spur haengt... So, dass weder rechts noch links jemand passieren kann. Aber es sind ne Menge Leute vor Ort, so dass mit vielen guten Ratschlaegen der LKW im Rueckwaertsgang wieder auf die Piste findet und wir unseren Weg forsetzen koennen... Was fuer ein Tag. Wir fahren noch an „unserem“ Strand von gestern vorbei, wo wir fuer den heutigen Abend gegrillte Krabben und Bier als kleine Zwischenmahlzeit vorbestellt hatten. Manu und Yann treffen dort auch noch Kollegen aus der franzoesischen Schule. Dann gehts ab ins Hotel, duschen und abends auf ins „Le Figaro“, ein wirklich einheimisches Restaurant. Aber (ich hab an dich gedacht Sandra!!!) ich habe Foufou gegessen ;) Hier wird es Couscous aus Maniok genannt. Eigentlich hat es keinen Geschmack, eine Konsistenz wie zaeher Kaugummi, eine Farbe wie Kartoffelklossteig aber kombiniert mit einer scharfen Sausse – hmmmmmmm koestlich... In der Nacht fiel dann ploetzlich der Strom aus. Dies hatte zur Folge, dass auch unser Ventilator ausfiel, der nicht nur ein wenig Abkuehlung brachte, sondern auch eine enorme Hilfe im Kampf gegen Moskitos war... Bis der Strom ausfiel... Und irgendwann mitten in der Nacht wieder anging... Samstag waren wir dann auf dem Fischmarkt (hmmm Fisch und ein schwueler Tag, interessante kombination...), danach noch mal an einem Strand direkt in Kribi (machte eher den Eindruck einer Kloake), duschen und auf nach Lolodorf.
Lolodorf wurde mit Hilfe von Deutschen gegruendet und unterhalten. Hat anscheinend nicht soooo viel gebracht. Als wir dort ankamen, machte wir uns auf die Suche nach einer Unterkunft. Und fanden auch eine Herberge etwas oberhalb der Stadt. Eine alte Dame mit einem arthritissteifen Knie vermietete uns zwei Zimmer – ohne Strom und fliessend Wasser. Aber dafuer mit unglaublich (!!!) vielen Tausendfuesslern, die ganz und gar auf nasse Handtuecher stehen. Der Weg nach Lolodorf dauerte ueber 3 Stunden, da wir auch hier die Sandpiste waehlten und in den ein oder anderen Platzregen gerieten. Und wir begegneten zahlreichen Menschen und ueberall hoerten wir nur „les blancs“... Einige Kinder machten eher den Eindruck, vor uns noch keinem Weissen begegnet zu sein, sie nahmen auf jeden Fall mit weit aufgerissen Augen Reissaus in den Busch... Wir waren also bei unserer Ankunft in Lolodorf ziemlich durchgeschuettelt von der Piste und ko. Und dann kein Strom, also kein Abendessen. ABER, wir waren ja nicht die einzigen, die keinen Strom hatten. Und wir hatten zumindest fuer abends noch einen Generator, der sich natuerlich genau vor unserem Fenster befand. Als wir ins Dorf fuhren, um dort zu essen, erzaehlte man uns, dass das ganze Dorf seit 14 (!!!) Tagen keinen Storm mehr hatte... Generatoren brummten ueberall, Taschenlampen kamen zum Einsatz und batteriebetriebene Radios. Und gekocht wird dann halt ueber dem Feuer oder es wird gegrillt. Man stellte uns Schweinehintern mit Reis zur Verfuegung. Und eine Sosse, die so scharf war, das man nach wenigen Loeffeln weder Lippen noch Zunge oder sonst irgendwas gespuert hat. Da hab ich dann das erste Mal beim Essen abgelehnt. Dieser fett-triefende schwartige Schweinpopoteil auf meinem Teller in dieser atemberaubenden Sosse... War nicht machbar, ging nicht... Manu und Yann hat es geschmeckt ;) Bis auf die Sosse, die hat auch sie umgehauen. Bei mir gab es dann eben Reis, Bier und Parle-G (kleine Bisquits). Danach, es war gegen 21Uhr ab ins Hotel. Noch ein bisschen lesen und Licht (dank Generator) aus. Jetzt nur noch das Generatorenbrummen ausblenden und die Gespraeche unserer Nachbarn in der Bar und schon laesst es sich schlafen. Bis 4 oder 4.30 Uhr. Da beschloss unsere Vermieterin, dass es Zeit war, einen Wortgottesdienst in ihrem Zimmer (welches unserem gegenueber lag) mit ihrer Freundin zu halten. Eine gefuehlte halbe Ewigkeit, Gesang, heilige Worte, Gesang und dann oeffnet sich die Zimmertuer und ich hoffe, es wird wieder still. Aber die beiden alten Frauen schreiten langsam – bedingt durch die Arthritis – uber den Flur und singen ihr Abschlusslied... Auf dem Dach hoert man die Eidechsen mit ihren Fuessen ueber das Belch klackern und irgendwann steht man dann einfach auf, um eine Dusche ohne Dusche zu nehmen. Aber alles ist moeglich... Zum Fruehstueck gibt es Ruehrei (ob das gut geht? Die Wahrscheinlichkeit, dass die Eier gekuehlt waren, liegt fast bei Null... kein Strom ist das eine, das andere ist, dass man Eier hier eh nicht so unbedingt kuehlt... Aber es scheint alles gut zu gehen... Keine Folgen...
Von Lolodorf gibt es eine Asphaltstrasse nach Yaounde. Gegen Sonntagmittag sind wir wieder „zu Hause“.
Und... als ob wir am Wochenende nicht genug erlebt haetten, stellen wir fest, das unser Kuehlschrank seinen Geist aufgegeben hat und wir Hausbewohner haben – Maeuse... Sie finden Mandelschokolade vom Aldi genau so klasse wie meine Beta-Carotin-Kapseln im Badezimmer, die so wunderbar ueberall ihre rote Farbe verteilen, wenn man sie nur gut genug anknabbert und ueberall hinschleppt... ARGH!!!! Ich fange an, Maeuse zu hassen. Und wenn ich ihr ganzes Gekaeckel dann nicht nur in der ganzen Kueche und im Bad, sondern auch noch in MEINER REISETASCHE finde, dann WERD ICH WUETEND. Und wenn ich dann auch noch morgens um 5.30 Uhr von eben diesen Mitbewohnern geweckt werde, weil sie meinen das Bett anknabbern zu muessen, werd ich schon fast ungemuetlich. Wenn ich dann aber auch noch feststelle, dass sie die Nacht dazu genutzt haben in meinen Rucksack zu kaeckeln, den ich GESTERN (!!!) noch mit in Kribi hatte, dann ist jegliches Mitgefuehl verschwunden. Nachdem Manus Ibuprofen-Tabletten und die Kamillenteebeutel auch noch zum Opfer fielen, war es dann endgueltig vorbei.
Nachdem wir also heute morgen einen Kuehlschrank (auch schon fuer unsere zukuenftige Wohnung, da unsere Vermieter ja Mitte Dezember zurueckkommen) von LG erstanden haben, hat Manu noch Gift besorgt, dass jetzt in Kueche, Vorratskammer und Bad auf die Uebeltaeter wartet. Eigentlich machen wir so was nicht gern – aber irgendwann reichts... In diesem Sinne, passt auf euch auf, ich mach es auch. Bis zum naechsten Mal.
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