Freitag, 16. März 2012

Bouba Ndjidda Nationalpark - Garoua - Lagdo - Maroua

UNIMOG - sehr beliebt hier
trockenes Flußbett
Tanken mal etwas anders... in einer Baumwollfabrik...
Die Fabrik...
Tatsächlich machen wir uns am nächsten Morgen vor 7 Uhr auf den Weg Richtung Lake Lagdo.
Die  Landschaft auf dem Weg nach Lake Lagdo ändert sich ständig. Es ist beeindruckend, fast wüstenartig, trocken, heiß. Ein häufig genutztes Fahrzeug ist hier das Fahrrad. Groß und klein nutzen es, auf dem Weg zur Schule, zur Arbeit, zum Markt - sogar viele Frauen fahren Fahrrad. Gegen Mittag kommen wir in dem kleinen Fischerdörfchen Lagdo an. Der Lagdo-Stausee wurde 1964 von den Chinesen erbaut. Er ist circa drei Mal so groß wie der Bodensee und sein Kraftwerk ist zuständig für die Stromversorgung des Nordens. Ausserdem dient er in der Trockenzeit zur Bewässerung der Felder in der Umgebung.
auf dem Weg nach Rey Bouba

In Lagdo genehmigen wir uns ein kühles Bier, denn es ist fast unerträglich heiß. Dazu gegrilltes Rindfleisch, köstlich. Wir wollen zelten, allerdings nicht hier, denn hier gibt es zu viele Menschen. Wir haben von einem Campement gehört, allerdings scheint das recht teuer. Also fahren wir ein wenig herum und stolpern förmlich über ein Hinweisschild "Campement du Lac" - das klingt gut. Im deutschen Reiseführer finden wir die "Auberge du Lac", vielleicht ist es das. Wenn ja, dann liegen nur 10 Kilometer Piste vor uns. Ok, "nur" ist wahrlich untertrieben. Nach dem ersten Kilometer liegt ein riesiger Baum über dem Weg und macht das Passieren unmöglich. Also ab auf die Piste, die keine ist und irgendwie um das Ungetüm herum. Wir bekommen zunehmend den Eindruck, dass diese Strecke seit langem nicht mehr benutzt wurde. Und tatsächlich, als wir das Campement erreichen, begrüßen uns zwar ein paar Kinder, aber das Tor des Campement ist verschlossen. Wir beschließen trotzdem, eine kurze Spritzttour bis runter zum See zu machen. Da werden Motorräder und Menschen gewaschen, Zebu-Rinder getränkt und die Männer (oftmals Vater und Sohn) fahren mitihren Priogen zum Fischen auf den See hinaus. Es gibt einen riesigen freien Platz mit drei alten, strohgedeckten einfachen Bungalows.
Lamidat von Rey Bouba
zum Lamidat dazugehörig...
Flußbett auf dem Weg nach Lagdo
kleine Oase auf dem Weg nach Lagdo
Das ist es, der perfekte Platz zum Zelten. Also machen wir uns auf den Weg zurück, um uns beim Dorchef zu melden und seine Erlaubnis zum Zelten zu erfragen. Gerade als wr am Tor des Campements ankommen, kommen zwei Männer angerannt. Der eine scheint der Wächter zu sein, was der andere ist, wird nicht so ganz klar. Wir erklären, was wir wollen, der gute Mann erklärt uns, dass das Campement geschlossen ist. Das sehen wir ja aber wir wollen ja auch gar nicht dort wohnen .Wir wollen nur am Strand unsere Zelte aufschlagen, bzw. Yann seine Hängematte aufhängen. Nach einigen Diskussionen erhalten wir die Erlaubnis, die Nacht am Strand verbrinegn zu dürfen. Jetzt heißtes Zelt auf bauen, Hängematte aufhängen, Yann versucht sich im Fischen und wir hüpfen alle drei in den See, um uns den Staub aus den Haaren und von der Haut zu waschen. Yann nimmt direkt seine Kleidung mit, ich lasse meine auch an, denn wir befinden uns in vorrangig muslimischem Gebiet und ich möchte nicht unhöflich erscheinen. Ehrlich gesagt, habe ich keine wirklich Ahnung, wie ich mich richtig verhalte. Aber ich nutze die Gelegenheit, meine längärmelige Tunika, die ich zum Reisen nutze, da sie sowohl gegen Sonne, als auch gegen Moskitos und beißende Fliegen schützt, direkt zu waschen. Ich gebe zu, das Resultat ist nicht groß von Vor-dem-Waschen zu unterscheiden, außer, dass die Tunika nun nass ist. Aber das Gefühl ist, was für mich zählt. Ich fühl mich ein bißchen sauber :)
häufiges genutzt: das Fahrrad
der Stausee
Voilà unser Domizil für eine Nacht
Die Dämmerung bricht herein, die letzten Dorfbewohner nehmen ihr Abendbad. Wir machen unser Lagerfeuer und bereiten unser Abendessen vor: chinesische Nudeln, Brot, Paté und Rum. So lässt es sich leben. Yann klagt über Schmerzen im Daumen, denn beim Hängematte aufhängen wurde er von einem fliegenden Wesen (ähnlicher eine Wespe-Biene-Fliege, falls ihr wisst, was ich meine) gebissen/gestochen/verbrüht... Er sagt, es brennt. Und sein Daumen schwillt an, obwohl wir direkt gekühlt haben. Er wird noch einige Tage Schmerzen und Juckreiz haben - aber das weiß er hier noch nicht. Er hofft
Campement du Lac :)
Aussicht auf den See
darauf, dass Morgen alles besser ist. Nach und nach wird es fast still über dem See und um ihn herum. Wir kriechen in Zelt und Hängematte und warten auf den Schlaf. Ich bin schon ziemlich müde aber jetzt, wo ich zur Ruhe kommen kann, scheint die Nacht plötzlich sehr laut. Es summt und schwirrt und brummt. Stimmen über dem Wasser, in der Nähe unseres Zeltes. Vielleicht späte Fischer? Irgend ein Wesen begibt sich zum See, um zu trinken, es schmatzt und schlabbert. Der See spielt mit seinen Wellen leise am Ufer vor sich hin. Ein traumhafter Platz aber momentan für Tourismus völlig ungeeignet, ein Vorteil für uns, da sich nicht viele hierher verirren.
Nach einer recht kurzen Nacht geht es direkt nach Tagesanbruch weiter Richtung Maroua.
Richtung Garoua
Wir verabschieden uns vom Wächter, notieren seine Nummer für ein "nächstes Mal", Manu begegnet noch "seinem Hund", dessen Herz er im Sturm erobert, weil er ihn krault. Der junge Vierbeiner läuft eine lange Zeit hinter uns her, Manu ist adoptiert... :) Auf dem Weg zurück zur Hauptstraße begegnen wir auf der Piste einem kleinen Jungen, vielleicht 5 Jahre alt. Er läuft vor unserem Auto auf der Piste. Der Kleine dreht sich um, sieht uns und fängt wild an zu schreien, zu weinen und rennt, als wer der Teufel hinter ihm her (vielleicht war er das für ihn ja auch...). Yann fährt zwar ganz langsam aber das Kind reagiert mit absoluter Panik. Auf der anderen Seite laufen einige Frauen mit ihren Kindern vorbei und lachen. Wir halten an, so dass der Kleine eine Chance hat, sich auf "sicheres Terrain" in Nähe seines Dorfes zu begeben, schreiend und weinend. Plötzlich realisiert er, dass es hier gar nicht um ihn ging, dass es einfach nur drei Nazarrah (Weiße) in einem riesigen Auto auf ihrem Weg waren, die zufällig auf ihn trafen... Ich hoffe, wir haben dem Kleinen jetzt nicht einen Schock fürs Leben verabreicht...
Bevor wir in Maroua ankommen, müssen wir allerdings noch in Garoua vorbei, denn unser Wagen hat einen Elektronikfehler, so dass wir seit gestern kein Licht mehr haben. Das war etwas unangenehm, denn als wir noch im Nationalpark waren und dem Löwen begegnet sind, wurde es bereits dunkel. Wir haben irgendwie die Kabel an anderer Stelle angeschlossen und hatten dann Licht, allerdings immer nur eine gewisse Zeit. Also auf nach Garoua zu "Doktor Emma", dem besten Mechaniker Garouas, ein Freund des Mechanikers Jean im Bouba-Ndjidda-Park.
Garoua ist laut, staubig, schnellebig, viele Straßenkinder, die dich in lange Diskussionen verwickeln und in enorm penetrantes Betteln investieren. Wenn sie nicht betteln oder diskutieren, prügeln sie sich, nehmen kleine Nebenjobs an (oftmals wahre Drecksarbeit) oder schnüffeln billigen Klebstoff oder Leim. Die Augen rot, die Sprache schwammig, die Hemmschwellen herabgesetzt, kehren sie danach wieder zu ihrer Haupttätigkeit, dem Betteln zurück. Es kann einem fast das Herz brechen -
kurz hinter Garoua wurde ein kleines Esel überfahren :(
ABER, wir können die Welt nicht retten. Und wenn wir einem Kind was geben, welchem? Wo anfangen? Und wo aufhören? Also lassen wir es, denn es sind einfach zu viele. Und Geld würde in Klebstoff oder auch billigen Alkohol investiert.
unsere Unterkunft in Maroua (die ganz linke Tür)
Doktor Emma hat seine Werkstatt direkt gegenüber der Total-Tankstelle, wo wir auf die Straßenkinder trafen. Doktor Emma macht eigentlich erst um 10 Uhr auf, es ist gerade mal 9 Uhr. Aber jemand macht sich auf den Weg, ihn zu suchen. Und letztendlich können wir uns gegen 11 Uhr auf den Weg Richtung Maroua machen, mit funktionierender Elektronik. Der Fehler war nicht kompliziert - im Gegenteil, er war so einfach, dass es ewig gedauert hat, bis jemand drauf gekommen ist...

Mangos vor der Haustür in Maroua
Über die Strecke nach Maroua gibt es nicht so viel zu sagen. Eigentlich ist die Straße asphaltiert. Aber der Asphalt ist so bröckelig, dass die Seitenränder nicht mehr vorhanden sind und riesige Löcher mit in der Strasse klaffen. Weil nicht repariert wird, haben sie die Bewohner dieser Gegend sich arrangiert und neben der Hauptstrasse verläuft oft eine Piste, manchmal auf beiden Seiten. Am frühen Nachmittag, gegen 14Uhr 30, kommen wir in Maroua an. Dort suchen wir die "Maison d'acceuil", also den Ort, an dem Ordensschwestern die Möglichkeit bieten, günstig in einfachen Zimmern mit guten Frühstück zu übernachten. Wir suchen uns ein Restaurant, es gibt Reis und Hühnchen in Öl-Tomaten-Soße. Lecker. Als Vorspeise frische Erdnüsse, ungeröstet. Köstlich. Wir haben Gelegenheit, den Blick ein wenig schweifen zu lassen. Maroua macht einen gepflegten Eindruck, es gibt viele Alleen mit großen Bäumen - Erbe der Kolonialzeit. In dieser Stadt gibt es ein ausgeprägtes Handwerk, es gibt das Viertel der Gerber (da stinkt es tatsächlich bis zum Himmel) und Lederverarbeiter, es gibt das Viertel der Schmiede, den riesigen Schlachthof, nicht weit von Maroua entfernt die Kooperative der Weber (in Mindif, dort geht es morgen hin). Alles in allem eine recht gemütliche Stadt (erinnert mich ein bißchen an die Welt von World of Warcraft).
Straße zwischen Garoua und Maroua
Maroua
Nach unserem leckeren Essen geht es zurück, die Dusche wartet, Manu und Yann gehen am späten Nachmittag eine Stunde joggen (Berg rauf und wieder runter - auch wenn der Ausblick sehr schön gewesen ist, grenzt eine sportliche Aktivität wie diese für mich bei dieser Hitze an Wahnsinn - ich widme mich meinem Krimi), abends gehen wir dann in einem noblen Restaurant essen. Es passt nicht wirklich zu unserer Reise, da zu nobel. Der Kellner ist übellaunig und genervt, es ist ein Treffpunkt für den reicheren Teil der Gesellschaft. Nun ja, wir haben es halt ausprobiert, das nächste Mal gibts wieder Fleisch in der Papiertüte vom Grill, dazu Orangen :) Nach dem Restauranterlebnis geht's ab ins Bett, denn Morgen wollen wir nach Mindif. Dort gibt es den "Dent de Mindif", einen Berg, der die Form eines Wolfzahns haben soll. Er besteht aus vulkanischem Gestein und wir wollen, anstatt den ganzen Tag im Auto zu sitzen, alternativ mal ein bißchen Klettern - allerdings BEVOR die Hitze unerträglich wird.
Demnächst also mehr aus Mindif. Lasst es euch gut gehen, bis bald...

Und noch ein paar Bilder hinterher:
Garoua Stadtrand

Garoua macht manchmal den Eindruck einer Halbwüstenstadt


Ziegelsteine anfertigen - trocknen wunderbar hier in der Sonne

Markt in Garoua

Baobab Baum (kann viel Wasser speichern)

Baum-Ungeheuer auf der Strecke Garoua-Maroua
Strecke nach Maroua
Straßenschilder gibt's weltweit

manche Straßen befinden sich tatsächlich in Arbeit!
trockenes Flußbett (Mayo)
Überlebenskünstler...

Zebu-Herde

Fluß bei Garoua


Lake Lagdo


das geschlossene Campement...

Sonnenuntergang Lake Lagdo

Lagerfeuer Lake Lagdo :D
Abendstimmung Lagdo


Maroua

Unterwegs...

Lagdo City
lädt doch zum Klettern ein, oder? Haben wir aber nicht gemacht... Zwischen Lake Lagdo und Maroua...

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