Donnerstag, 22. März 2012

Maroua - Mindif - Pouss

Am nächsten Tag machten wir uns also auf den Weg nach Mindif. Wir frühstücken wie in allen Maisons d'acceuil ausgezeichnet (selbstgemachte Marmelade!!). Wie wir es bereits aus den Alantikabergen kannten, füllen wir unsere Wasserflaschen bei jeder Gelegenheit auf, werfen eine kleine Zauberpille hinein und warten ein Stündchen, bevor wir ans Trinken denken. Das Wasser hier oben ist im Verhältnis zu Yaoundé richtig teuer. Und bisher haben wir gute Erfahrungen mit unseren kleinen Zauberpillen gemacht. Abkochen hilft zusätzlich. Manchmal, wie hier im Acceuil, haben wir auch die Möglichkeit, gefiltertes Wasser aufzufüllen. Dann geht es los.
Mindif, dabei handelt es sich um einen Berg aus Vulkanstein, der irgendwo im Nirgendwo steht. Es liegt aber noch ein gutes Stück Weg vor uns. 
Am Horizont sehr ihr den "Dent de Mindif"
Auf dem Weg nach Mindif passieren wir beim Verlassen der Stadt das Gerberviertel. Uffda, jeden Tag in diesem bestialischen Gestank nach Tod und Verwesung zu arbeiten, da gehört schon einiges dazu. Vielleicht muss man auch einfach nur damit aufwachsen. Bei Gelegenheit werde ich mir die ganzen Viertel hier in Maroua nochmal genauer ansehen. Und dann, natürlich schon einige gute Kilometer von Maroua entfernt, passiert es. Manu hört ein Flap-Flap-Flap... Er steckt den Kopf aus dem Fenster und sieht die Bescherung: ein platter Reifen vorne rechts.

Reifenpanne...
 Aber natürlich haben Manu und Yann an Ersatzreifen gedacht - und glücklicherweise nicht nur an einen... Denn als der erste Ersatzreifen drauf ist, geht dem direkt die Luft aus. Es ist bereits unglaublich warm. Mit großem Interesse verfolgen die vorbeifahrenden und -gehenden Menschen die drei Nazarra beim Reifenwechsel. Der zweite Ersatzreifen erweist sich als tadellos. Die Frage ist nur, ganz ohne Ersatzreifen "Piste" fahren??? Oder zurück nach Maroua? Wir wagen es und begeben uns weiter Richtung Mindif, in der Hoffnung, dort einen Reifen aufpumpen zu lassen (und natürlich in der Hoffnung, dass er kein Loch hat...)
Wie ihr seht wird der Berg zwar schärfer aber der Weg irgendwie nicht kürzer
Als wir dann endlich in Mindif ankommen, nach gut 1,5 Stunden Fahrt, ist es sehr warm. Als erstes suchen wir eine Station, wo wir Luft für den Reifen bekommen können. Glücklicherweise findet man hier in der Regel in jedem noch so kleinen Kaff einen Kompressor. Das eigentliche Problem ist oftmals die sprachliche Verständigung. Aber auch da wird man in der Regel fündig und findet zumindest oft eine Person, die gebrochen französisch spricht. Nachdem der Reifen also mit Luft gefüllt und geprüft wurde, dass kein Loch vorhanden ist, geht's Richtung Berg. Denn schließlich ist heut Bewegung und Klettern angesagt. Wir fragen, ob uns nicht jemand auf den Berg begleiten will, normalerweise gibt es immer jemanden, der ein bißchen Geld verdienen will. Aber hier findet sich niemand, alle bieten sich jedoch an, auf das Auto aufzupassen. Auch nicht schlecht, denn wir müssen ja unser Gepäck drin lassen... Los geht's. Über Felsen drüber und unter ihnen hindurch schaffe ich es bis zur Hälfte. Ich merke, dass ich wegen der Hitze ziemlich kurzatmig werde und heftige Kopfschmerzen bekomme. Also mache ich es mir auf einer Plattform im Schatten eines Baumes mit unglaublicher Aussicht gemütlich, während Manu und Yann sich weiter in Richtung Gipfel aufmachen. Den Gipfel kann man nicht erklimmen aber man kann recht nah heran kommen. Hier unsere Eindrücke:
Dent de Mindif...
und noch mal...
los geht's und da geht's rauf... Danke an Yann und Manu für jede helfende Hand...
Aussicht von meiner Plattform nach unten...
das Dorf Mindif
Aussicht von meiner Plattform nach "oben"...
dort werden Tonkrüge gebrannt...
der Berg ruft...
wir sind dem Ruf gefolgt...

Aussicht von "oben"...
Yann ganz "oben" - höher geht's nicht...
Tonkrüge brennen...
Um halb zwölf geht es dann weiter nach Maga. Wir sind ziemlich k.o., denn die Hitze macht uns zu schaffen. Aber die Bewegung hat nach dem ganzen Im-Auto-Sitzen sehr gut getan. In Maga soll es einen tollen Badestrand geben, an dem wir eigentlich zelten wollen. Nach 4,5 Stunden Fahrt kommen wir an. Und wir finden zwar ganz viel Wasser - aber keinen Strand. Wir fragen nach, niemand weiß
unterwegs...
was von einem Strand. Hier in Maga gibt es nicht viel Möglichkeiten zum Zelten, entweder den Strand oder gar nichts. Wir lassen unseren zweiten Ersatzreifen flicken und aufpumpen. Und wir entscheiden uns, nicht unser Geld im teuren Safari-Hotel auszugeben, sondern es in dem nächsten Dorf, Pouss, zu versuchen. Dort finden wir zwar nicht wirklich einen Strand aber wir haben die
Maga, rechts seht ihr das Wasser - ohne Strand
Möglichkeit, im Logone-Fluss zu baden, dem Grenzfluss zwischen Tschad und Kamerun. Wir waschen uns und unsere Klamotten. Dann machen wir uns auf die Suche nach einem Zeltplatz. Und wir werden fündig: ein Privatmann, Brigadier Boukar, der beim Zoll in Maroua arbeitet, lässt uns in seinem Innenhof unsere Zelte aufschlagen. Wir kochen dort unsere chinesischen Nudeln, es gibt Brot mit Paté und dazu Wasser. Der Brigadier ist eine wichtige Persönlichkeit hier in Pouss. Bis spät in die Nacht kommen irgendwelche Besucher. Er scheint auch eine Art Richterfunktion zu haben. Wir verkriechen uns irgendwann in unser Zelt, Yann sich in seine Hängematte, die er direkt neben der Eingangstür aufgehängt hat. Ein Fehler, wie sich später herausstellt, wegen dem ständigen Kommen und Gehen irgendwelcher Gäste. Irgendwann, als alles ruhig ist, hören wir einen kurzen Aufschrei, dann Gelächter. Irgendwas hat Yann wohl kurz aus der Fassung gebracht. Die Nacht ist kurz und unruhig. um 4 Uhr hören wir das erste Mal den Rufer für das Morgengebet in der Moschee. Um 5 Uhr dann ein weiteres Mal und der Innenhof erwacht zum Leben... Wir ebenfalls. Nach einem kurzen Frühstück verabschieden wir uns von unserem freundlichen Gastgeber und machen uns auf in Richtung Kousseri, der Grenzstadt im
Norden zwischen Tschad und Kamerun. Dazu aber später mehr...
 
Logone-Fluss

Sand-Strand, eigentlich werden hier die Zebu-Herden vorbeigetrieben und zum Trinken zum Wasser geführt...


Katzenwäsche mit Blick auf Tschad....

Lamidat in Pouss

die berühmte Bauweise dieser Gegend (les cases obus) - Originale

und die Nachbauten für das Museum...

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