Donnerstag, 29. März 2012

Pouss - Kousseri - Kalamaloué

Dorfchef auf staubiger Piste
In aller Frühe geht es auf Richtung Kousseri. Diese Strecke ist eigentlich für uns nicht machbar, wurde uns gesagt. Wir machen uns trotzdem auf den Weg und versuchen unser Glück. Sollte es nicht klappen, können wir nach der Hälfte des Weges Richtung Waza-Nationalpark abbiegen. Irgendwo (mal wieder im Nirgendwo) treffen wir einen uralten Tuareg. Er macht auf Anhalter. Und wir halten an :) Ich mein, ein uralter Tuareg, irgendwo im Nirgendwo. Wie oft erlebt man das schon??? Er spricht kein französisch (stimmt nicht, er kann "livre" sagen und mit Händen und Füßen reden) aber wir haben unser Super-Lexikon "deutsch-Fufulbe". Hilft aber nicht wirklich. So verbringen wir die meiste Zeit des Weges schweigend. Immer mal wieder müssen wir anhalten, denn er muss irgendwelche Leute begrüßen. Wir haben zwischenzeitlich herausgefunden, dass er Dorfchef in Mazera ist - also schon jemand Wichtiges.
Voilà, der Chef...
Die Strecke erweist sich als ganz schön staubig und es gibt nicht wirklich was zu erzählen, denn diese Strecke ist einfach gräulich, staubig, trocken und trostlos. Nicht ganz, zwischendurch gibt es einige bunt angemalte Häuser. Aber die Sonne kommt durch den Staub nicht hindurch, so dass es ständig irgendwie "dreckig" ist... Aber schaut selbst.
Logone-river
verbrannte Erde... nennt man hier Landwirtschaft...
Piste...
Piste...
und noch mehr Piste...
zwischendurch mal ein bunt bemaltes Haus...
oder ein Zebu...
oder auch ein zweites...
oder auch eine ganze Herde Zebus
und manchmal Zelte und Strohhütten...
dann kommt mal ein ganzes Dorf...

aber immer dieser Staub...

eine Schule...
ein Dorf versinkt im Staub...
ich hab die Esel-Herden vergessen...
Seht ihr sie dort im Staub "grasen"?
und dann taucht plötzlich aus dem Nichts eine Oase auf...

...aber auch hier bleibt es staubig...
Manchmal war das Licht echt unheimlich... bedrückend... (NEIN, das sind KEINE dreckigen Windschutzscheiben!)
Und weiter gehts auf der Piste...

immer weiter...

bis nach Kousseri, der staubigsten Stadt meines Lebens
 In Kousseri tragen die Menschen Mundschutz, diese grünen OP-Dinger. Der Straßenverkäufer genau so, wie der Motorrad-Taxifahrer. Der Fußgänger genau so, wie der Polizist. So eine dreckige und staubige Stadt habe ich noch nie gesehen. Die Sonne schafft es nicht, durch den Staub zu dringen. Man hat mir gesagt, in der Regenzeit ist diese Grenzstadt zum Tschad wesentlich angenehmer. Man kann fast sagen "sauber". Wirklich schwer vorstellbar.
Kousseri
Aber bei unserem Besuch bleibt die Stadt einfach dreckig. Wir buchen zwei Zimmer in einem Hotel irgendwo in der Stadt. Mehr eine Herberge. Einfache Zimmer mit Ventilator, wenn wir Glück haben, fließend Wasser. Aber nicht für die Toilette, denn in muslimischen Hotels gibt es statt fließend Wasser in der Toilette einen Wassereimer neben der Toilette. Nach einer Siesta mit Duschen, Lesen und Schlafen, machen wir uns auf die Suche nach einem Restaurant. Und wir werden fündig: ein winziges libanesisches Restaurant an der Hauptstrasse. Ein englischsprachiger Besitzer amüsiert sich köstlich, als wir fragen, ob es Shwarma im Angebot gibt. Nicht hier, viel zu exotisch für die Bürger von Kousseri. Schon komisch, denn die ganze Stadt ist exotisch. Es wimmelt von Prostituierten und Straßenkindern. Während wir essen, prügelt sich eine Gruppe von Straßenjungs um uns herum. Der Besitzer des Restaurants hat zwei Freunde vor Ort und alle drei versuchen, die Jungs zu verjagen, damit die Nazarra in Ruhe essen können. Hier in Kousseri versuchen die, die eigentlich auf der anderen Seite der Grenze zu Hause sind, ihr kleines Glück zu finden. Aber es scheint ihnen nicht immer besser zu gehen. Der Handel blüht, die Straßen werden von überdimensionalen LKWs gesäumt, die darauf warten, vom Zoll abgefertigt zu werden, um weiterreisen zu können. Das
ein typischer Lastwagen für diese Gegend
machen wir am nächsten Morgen auch. Nach einer unruhigen Nacht in einem durchgelegenen Bett mit fernsehverrückten Nachbarn trinken wir morgens um sechs Uhr dreißig unseren Kaffee an einem kleinen Stand an der Straße. Wir fragen nach dem Weg zum Lake Tschad, denn von hier sind es nur noch etwas 130 Kilometer. Aber da ein Mann "meinen beiden Männern" sagt, die Piste sei schlecht, entscheiden die beiden, daß es NICHT zum Lake Tschad geht. Ich bin soooooo wütend, ich mein, deswegen hab ich all diese Strapazen auf mich genommen, um diesen See zu sehen. Für unser Ökosystem ist dieser See lebenswichtig. Und er verschwindet von Jahr zu Jahr immer mehr. Mann sagt mir, dass man nicht für 10 Minuten zum Lake Tschad fahren will. Statt dessen will Mann die Elefanten im Kalamloué-Park sehen. Ich bin einfach nur sauer. Ich meine, wir versuchen es nicht einmal!!! Bei der Piste von Pouss nach Kousseri wurde uns auch gesagt, dass wir die nicht fahren können mit unserem Auto. Aber wir haben es versucht und wir sind bis zum Ende gefahren. Aber NEIN, Lake Tschad wird nicht einmal versucht!!! Ich bin wütend, enttäuscht und traurig, denn ich hatte mich wirklich auf den See gefreut. Aber was habe ich schon zu melden bei zwei Stimmen gegen meine? Richtig: nichts... Also gehts auf zum Kalamaloué-Park.
Ich gebe ja zu, die Elefanten sind beeindruckend und nachdem wir im Bouba-Ndjidda-Park keine Elefanten sehen konnten, weil fast alle umgebracht wurden, war diese Herde m Kalamaloué-Park mit 50 oder mehr Tieren schon beeindruckend. Und trotzdem bin ich wütend.
Wir folgen den Elefanten für zwei Stunden durch die Kalamaloué-Ebene. Yann fällt zwischendurch wegen der holprigen Untergrundzustände auf die Hupe. Natürlich genau in dem Moment, als wir auf diese riesige Elefantengruppe treffen. Und, was passiert? Sie rennen davon!!! Sie verschwinden einfach (ja, Elefanten können das, hätte ich auch nicht gedacht) und wir hören sie lediglich noch. Aber immerhin können wir einige Fotos machen. (Mich macht das natürlich noch wütender, denn hinter Elefanten herfahren, dafür ist Zeit aber den Lake Tschad sehen, dafür nicht...) Nun gut, ich gebe mich damit ab, dass wir hier sind. Und irgendwann werde ich den Lake Tschad sehen und wenn ich allein da hin muss... Aber genug davon, hier kommen unsere Elefanten:
Kalamaloué-Park
Elefanten...
große und kleine... auch wenn sie da gerad davonlaufen...

da seht ihr sie rennen (na gut laufen...)
und zwischendurch nen Happen essen...
und ab und an ein Erdhörnchen... oder Eichhörnchen?

und ein aufgebrachter Elefanten (wer hupt auch schon wenn er Elefanten sieht???)
jaha, die können schon bedrohlich wirken, wenn die so mit ihren Ohren wedeln...
aber eigentlich sind sie ja ganz friedlich :)

da sind wir in ein Loch geplumst (oder besser einen Elefantenfußabdruck...)

und ja, wir haben's wieder rausgeschafft...
Blick auf den Tschad...
der Logone-River als Grenze
schon ein schönes Fleckchen Erde...
Um 11 Uhr geht es dann weiter Richtung Waza-Nationalpark, unserem nächsten Ziel...
Aber über Waza berichte ich beim nächsten Mal. Die Fahrt dahin war nicht so toll, wie wir bei einer asphaltierten Straße erhofft hatten. Schaut euch die Straße an, dann wisst ihr, warum. Und es war einfach unglaublich heiß!!! An dieser Stelle lasst es euch gut gehen, bis bald :)

2 Kommentare:

  1. Vielen Dank für deine berichte über dieses wunderschöne Land.Es ist immer schön neue beeindrückende Geschichte zu lesen.
    LG
    Eine Leserin

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  2. Danke! Ich freue mich, wenn dies ein Weg ist, andere an diesem wirklich wunderschönen aber auch so gegensätzlichen Land teilhaben lassen zu können.
    Liebe Grüße zurück,
    Kerstin

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