Mittwoch, 23. Februar 2011

3. Etappe: Wangaï - Yagmalo

Nach einer kurzen Nacht und einem ebenso kurzen Frühstück aber vielen Diskussionen, ob die Träger in der Lage wären, unser Gepäck zu tragen, packen wir alles zusammen und machen uns auf den Weg. Für die beiden Träger haben wir extra Rucksäcke mitgenommen aber diese sind ihnen zu schwer - daher lange Diskussionen. Wir müssen ein wenig drüber lächeln, da die Träger am Mount Cameroon KEINE Rucksäcke, sondern Tragetaschen hatten und wesentlich mehr an Gepäck getragen haben. Aber nun, als es dann um die Diskussion geht, wer noch eine Tüte mit Lebensmitteln tragen könnte, habe ich meinem muslimischen Gegenüber in die Augen gesehen und gesagt, dass ich die Tüte trage, wenn sie den anderen zu schwer ist. Normalerweise bin ich ja vorsichtiger und halte mich an die Regel, einem muslimischen Mann nicht direkt in die Augen zu sehen. Aber jetzt bin ich so genervt vom ewiglangen diskutieren, da hab ich es riskiert... Es bleibt auch ohne Folgen aber ich gebe zu, ich habe mich nicht ganz wohl gefühlt.
In diesem Dorf befindet sich die Schule
Mit Ahmad Adama an der Spitze machen wir uns also auf den Weg. Obwohl es noch früh ist, ist es bereits unglaublich warm. Die Sonne brennt regelrecht. Unser Weg führt über den leeren Marktplatz Wangaïs in Richung Gebirge. Zuerst durchqueren wir eine Ebene. Dabei kommen wir an einer Schule vorbei und treffen einen jungen Lehrer. Es stellt sich heraus, daß er aus Yaoundé dorthin versetzt worden ist, nachdem er 3 Jahre auf eine Stelle gewartet hatte. Er ist gerade auf dem Weg zum Wasser holen. Da er das Wasser im Dorf und im Nachbardorf nicht trinken kann (er verträgt es nicht), muss er zu einem 10km entfernt gelegenen Dorf im Wald. Die Schule hat etwa 200 Schüler - eigentlich. Aber da viele aus den entlegenen Bergdörfern kommen, sind längst nicht immer alle da. Manche kommen auch während ihrer Arbeit und bringen beispielsweise das Zebu-Rind, auf das sie aufpassen sollen, mit zur Schule. Dort wird es an einem Baum "abgestellt" und nach Unterrichtsschluss wieder abgeholt.
Weiter geht es für uns Richtung Librou, wo wir unsere Mittagsrast machen wollen. Unterwegs treffen wir noch auf einige Herden Zebu-Rinder, auf einen Mann, dessen Aufgabe der Tier- und Naturschutz ist, er hat ein mittelalterliches Gewehr über der Schulter. Und wir treffen einen jungen Mann, der ein lebendiges Huhn bei sich hat, dass als Opfergabe gedacht ist. (Lebende Nahrungsmittel verderden nicht so schnell)
Rechts unsere beiden Träger, links Ahmad Adama und Alain
Nach einigem Klettern und viel Sonne kommen wir dann in Librou an. Es ist ein kleines Dorf mit nur wenigen Einwohnern.
Palmfrüchte entkernen















Das Dorfoberhaupt, ein alter Mann, sitzt mit einigen anderen Dorfbewohnern zusammen und trinkt Hirsebier. Eine alte Frau nur in einen Blätterrock gekleidet sitzt in seiner Näher, raucht genüßlich ein Pfeifchen und häkelt. Ahmad Amada wird herzlich begrüßt, für uns werden Strohmatten zum Sitzen geholt. Und wir bekommen als Willkommensgruß eine frische Papaya. Zwei junge Frauen mit kleinen Kindern erscheinen. Sie setzen sich dazu. Es macht den Eindruck, als habe keiner der Dorfbewohner wirklich etwas zu tun. So genießen wir eine Weile das Nichts-Tun, schauen uns etwas im Dorf um und genießen den Schatten der vielen Bäume im Dorf. In der Nähe fließt ein kleiner Bach, aus dem eine der jungen Frauen Wasser für Ahmad Adama und die beiden Träger holt. Irgendwann verschwinden die Frauen nach und nach, die eine bereitet Süßkartoffeln, die andere öffnet mit einem Stein kleine Palmfrüchte. In den Früchten befinden sich viele kleine Kerne, von einer dünnen Haut umgeben. Diese müssen von der Haut befreit werden, dann kommen sie in eine große Schüssel. Später wird Öl daraus gemacht. Ganz schön viel Arbeit, da ganz schön viel Kerne in diesen kleinen Früchten stecken. Aber die Frauen helfen sich gegenseitig, später übernimmt eine der jüngeren Frauen diese Aufgabe. Sie hat ein kleines Kind, vielleicht 2 Jahre alt, ein Mädchen. Das setzt sich neben die Mutter und hilft ihr bei der Arbeit. Das sehen wir immer wieder, dass die Kinder schon von Klein auf an ihre späteren Rollen und Aufgaben gewöhnt werden. Ein anderes junges Mädchen, vielleicht 6 oder 7 Jahre alt, ist verantwortlich für ein 1jähriges, was bei ihm auf dem Rücken schläft. Nur die ganz kleinen haben wirklich Zeit zum Spielen.
Wir schmücken schlafende Hunde :)
Hier im Dorf treffen wir auch den jungen Mann mit dem Huhn wieder. Das Dorfoberhaupt nimmt das Huhn und eine Schar Kinder. Sie verschwinden in einer der strohgedeckten Lehmhütten. Irgendwann kommen der alte Mann und die Kinder wieder aus der Hütte - nur kein Huhn. Ich vermute, es wurde geopfert... Die Kinder scharen sich um eine Schüssel mit roter Flüssigkeit (Hühnerblut?) und jedes darf mal trinken. Während dessen tauchen immer mehr Kinder auf und eine Schar Hundewelpen und ihre Eltern. Und um uns herum scharren die Hühner mit ihren Küken und natürlich auch der Hahn. Es ist ein wenig schläfrige Stimmung, selbst die Hunde machen sich irgendwann lang, weil es so warm ist. Nur die Kinder finden keine Ruhe. Alain beschäftigt die Kinder, in dem er ihnen vor macht, wie man die schlafenden Hunde mit den Schalen der Palmfrüchte schmückt oder mit leeren Konservendosen. Die Kinder eifern ihm begeistert nach, nur eines hat es nicht raus, dass man besser nichts auf die Ohren legt. Dann wird der Hund wach und schüttelt sich, die Kinder kreischen vor Vergnügen und beginnen von vorne. Als Alain müde ist, löst Manu ihn ab und verteilt an alle Kinder ein Bonbon. Ein großes Highlight, die Kostbarkeit wird in der Hand gehütet und immer mal wieder mit der Zunge angeschleckt. Nur nicht zu schnell diesen süssen Genuß (schmeckt ein bißchen wie Pfefferminzzuckerstange von der Kirmes) los werden :) Dann holt Manu seine Kamera hervor und macht ein paar Fotos. Er zeigt sie den Kindern und Erwachsenen, die kommen aus dem Lachen nicht mehr heraus. Welch Wunder, dass sie sich selbst in diesem kleinen Kasten sehen. Irgendwann dürfen die Kinder dann auch mal ein Foto von Manu machen :) Spannende Ergebnisse ;)
Am frühen Nachmittag, nach Weißbrot mit Sardinen und Wasser zum Mittagessen, geht es weiter den Berg hinauf. Wir wollen nach Yagmalo, wo wir die Nacht verbringen werden. Die Sonne brennt vom Himmel herunter und wir klettern ihr immer mehr entgegen. Irgendwann ist mein Kreislauf überfordert und macht nicht mehr mit. Also eine kleine Pause, etwas geschmolzene Schokolade, viel Wasser und weiter gehts. Wir erreichen Yagmalo, das Dorf der 3 Baobab (Affenbrotbäume). Dort schlagen wir unsere Zelte (zum Glück benötigen wir nur das Innenzelt) auf. In der Nähe gibt es eine Quelle, dort können wir uns Waschen. Die Füße sind bis zu den Knien Grau-Braun von der staubigen Erde. Wir sind komplett durchgeschwitzt von der ungewohnten Sonnenintensität. An der Quelle sitzt ein alter Mann und spült Geschirr :) Nebenan stehen ein paar Zebu-Rinder.
Zebu-Rind
Aber das macht nichts, ich wollte mich immer schon mal in solcher Gesellschaft waschen :) Und ich genieße das kühle Wasser auf der sonnenüberhitzten Haut. Wir füllen auch unsere Trinkflaschen mit Wasser. Zum Glück ist es fast klar. Dann geht es zurück zum Zelt. Ahmad Adama kocht für uns Reis mit Sauce (aus Tomatenmark und Öl... hmmmm). Die Dorfbewohner sitzen in einiger Entfernung und beobachten uns. Es ist ebenfalls nur ein kleines Dorf. Irgendwann kommen die größeren Kinder zu uns. Ich hole ein Band aus der Hosentasche und wir spielen "Schweinchen auf der Leiter" und ich stelle überrascht fest, daß die älteren Kinder hier dieses Spiel auch kennen :)

Da es keinen Strom gibt, scheint für uns der Mond zum Abendessen. Wir sind sehr k.o. von diesem Tag, also Zähne putzen, ein stilles Örtchen für die Toilette im Gebüsch suchen und ab in den Schlafsack. Durch das Dach von unserem Zelt kann ich den Sternenhimmel sehen. Und ich höre die Kinder lachen und Quatsch machen bis spät in die Nacht. Ziegen schleichen um unser Zelt und sicherlich noch einiges andere, auf jeden Fall höre ich die ganze Nacht Geräusche... Und ich freue mich auf den nächsten Tag...

1 Kommentar:

  1. Ich bin glücklich und stolz, Vater einer so wunderbaren Tochter zu sein!

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