Montag, 21. Februar 2011

2. Etappe: Ngaoundéré - Wangaï

...Mit dem Auto geht es zuerst eine Zeit lang über eine gut ausgebaute Asphaltstraße. Etwa 2 Stunden dauert die Fahrt bis zum Rondpoint Gouna. Dort machen wir Halt, um etwas zu Essen. Es ist unglaublich warm und es wird noch wärmer, als wir uns einen Stand mit gegrilltem Fleisch aussuchen, um dort zu Essen. Das Fleisch ist gut, etwas zäh und durchmischt mit einem Teil Innereien. Aber es ist mehr als gut durchgebraten und deshalb genießbar - auch für uns. In Gouna ist es laut und voll. Dort halten die Busse, die rauf fahren nach Maroua und Garoua. Es gibt viele Stände mit Obst und Gemüse, gegrilltem Fleisch und Fisch. Dies ist auch der Punkt, an dem man einen Bus findet, wenn man weiter in den Norden oder zurück nach Ngaoundéré fahren möchte. Dazu aber mehr auf unserer Rückreise :)
Zu dem gegrillten Fleisch gönnen wir uns wegen der Hitze ein TopPampelmousse. Ist ein bißchen wie Zitronenlimonade, nur nicht ganz so süß und klebrig, sondern eben eher ein bißchen Richtung Pampelmusengeschmack. Eine 0,65-Liter-Flasche kostet umgerechnet 60 Cent. Wir sind die einzigen Weißen hier und stehen dadurch im Mittelpunkt. Das Volk ist hier bunt gemischt, viele Muslime aber auch Angehörige der in der Region ansässigen Volksstämme, wie die Fulani. Die Fulani-Frauen sind hochgewachsen, von schlanker Statur, haben unglaublich ausdrucksstarke Gesichter. Eine alte Frau beobachtet mich, als ich zu ihr hinschaue, lacht sie und winkt mir überschwenglich zu. Ich lache ebenfalls und winke zurück und so verbringen wir einige Minuten winkend und lachend.
Dann geht die Fahrt weiter. Nach einigen hundert Metern biegen wir links ab, was das Ende der Asphaltstraße und den Beginn der Piste bedeutet. Die Federung unseres Wagens lässt ein wenig zu Wünschen übrig - aber wir können uns Schlimmeres vorstellen. Die Hitze ist unbeschreiblich. Wir passieren einige Dörfer und treffen unterwegs auf chinesische Ingenieure, die sich als Projekt vorgenommen haben, die Piste zu befestigen. So müssen wir immer wieder die Fenster schließen, da riesige LKW an uns vorbeidonnern und Unmengen von Staub aufwirbeln. Wir fahren durch das Faro-Reservat, das zum Faro-Nationalpark gehört. Abdullai erklärt uns, dass man hier tagsüber Affen, Antilopen und manchmal auch Löwen sehen kann. Wir begnügen uns mit Affen und Antilopen und natürlich auch wieder Zeburindern. Das Land ist verbrannt. Wie jedes Jahr wurde auch hier vor kurzem Brandrodung betrieben. Dies führt zu enormen Konflikten in der Bevölkerung, zwischen dem Teil, der Viehwirtschaft betreibt und das Land als Weideflächen nutzt und dem Teil, der Ackerbau betreibt und neue Anbauflächen benötigt. Das Abbrennen von großen Landflächen einmal im Jahr zerstört nicht nur die Böden, auch Tierarten sind durch die Brände gefährdet und Pflanzen und Bäume ebenso.
Wir passieren irgendwo im Niergendwo eine Polizeistation, wo wir unsere Aufenthaltsgenehmigungen vorzeigen müssen. Und für mich ist es die erste Gelegenheit seit der Zugtoilette, die "Toilette" aufzusuchen. Es ist ein mit einer Lehmziegelmauer abgeschirmter kleiner Platz mit Blick über das Tal. In der Mitte befindet sich ein Loch, die Toilette. Etwas gewöhnungsbedürftig aber machbar :) Die Polizeistation arbeitet mit Solaranlagen - allerdings sind die gerade mal wieder defekt. Trotzdem bin ich beeindruckt, hier, an diesem weit abgelegenen und irgendwie ein bißchen trostlos wirkenden Ort eine Solaranlage zu entdecken. Der Polizist ist sehr freundlich und wir können uns nach kurzem Aufenthalt wieder auf den Weg machen.
Der nächste Halt ist in einem Dorf, wo wir Gasolin kaufen müssen, da der Tank leer ist. Eine Tankstelle gibt es zwar nicht aber in den Häusern des Dorfes finden sich gefüllte Kanister. Da Treibstoff in Nigeria wesentlich günstiger ist, als in Kamerun, nutzen viele Dorfbewohner die Nähe zur nigerianischen Grenze und versorgen sich dort mit Treibstoff, um diesen weiterzuverkaufen. Auch Motorräder für die hier typischen Moto-Taxen sind in Nigeria günstiger und finden daher häufig ihren Weg über die Grenze nach Kamerun.
Der Faro-Fluss
Kurz vor unserem Ziel passieren wir den Faro-Fluss. Dieses Gebiet ist Ziel zahlreicher Expeditionen und Safaris, da hier Flusspferde in großen Herden leben und wegen hier der Nähe zum Faro-Nationalpark auch Jagden organisiert werden (Zebras, Antilopen) und es einen enormen Fischbestand gibt.

Wangaï
Dann erreichen wir Wangaï. Die Mobiltelefone haben schon lange keinen Empfang mehr. Kühlschränke gibt es hier nicht. Überhaupt ist das Stromnetz noch nicht bis hierher gelangt. Aber noch ist es nicht Dunkel, die Dämmerung hat jedoch eingesetzt. Es ist mittlerweile 17.00 Uhr. Im Haus des Lamido, des islamischen Dorfoberhauptes, werden wir in unseren Zelten die Nacht verbringen. Schnell füllt sich der Innenhof mit neugierigen Männern und Kindern. Der Lamido ist gerade in sein Gebet in der Moschee vertieft. Wir nutzen die Zeit, unsere Zelte aufzuschlagen und man bringt uns einen Eimer Wasser, damit wir uns waschen können (fließend Wasser gibt es hier nicht). Ich fühle mich ein bißchen unwohl, da ich weit und breit die einzige Frau bin. Also halte ich mich ein wenig im Hintergrund. Abdullai verabschiedet sich, da er noch heute Abend seine Heimreise antritt. Nicht ganz ungefährlich, die Piste mit all ihren Tücken und Schlaglöchern bei Dunkelheit zu fahren.
Dann kommt der Lamido, um uns 5 Minuten seiner Zeit zu schenken. Und dann verschwindet er auch schon wieder und wir werden dem Leiter der Organisation, wo wir unseren Guide und die Träger buchen wollen, überlassen. Wir vereinbaren, dass wir uns erst frisch machen und etwas essen, um usn dann zusammenzusetzen und zu verhandeln. Neugierig wird unser Abendbrot verfolgt. Kinder hocken sich in unsere Nähe und immer wieder hören wir "Nazarra, cadeau, cadeau..." ("Weißer, Geschenk, Geschenk"). Es ist ein bißchen frustrierend, welche Auswirkungen Tourismus so haben kann. Wir machen schnell die Erfahrung, das alles Geld kostet und überall Geschenke von uns gefordert (im wahrsten Sinne des Wortes) werden.
Nach dem Abendessen kommt der Tourorganisator mit unserem Guide, um alles weitere zu besprechen. Und er verspricht uns, uns auch ein Auto zu besorgen, dass uns am Mittwoch morgen wieder zurück nach Gouna bringt, damit wir von dort einen Bus nach Ngaoundéré und Alain nach Maoura nehmen können. Vier Tage werden ausgehandelt, Ahmad Amada wird uns den Weg zeigen und wir handeln zwei Träger für zwei unserer Rucksäcke aus. Dann geht es noch um die Versorgung mit Lebensmitteln und das Besorgen der restlichen Gastgeschenke für die Dörfer. Als alle Verhandlungen abgeschlossen sind, ist der Himmel übersät mit Sternen. Auch der Mond ist bereits aufgegangen und alles wirkt viel intensiver, da kein elektrisches Licht die Nacht stört. Wir fallen erschöpft in unsere Schlafsäcke. Es dauert ein wenig, bis wir eine Schlafposition finden, da die Schlafsäcke direkt auf dem Boden liegen. So spürt man jeden Stein und jede Unebenheit. Da der Boden jedoch sandig ist, können wir ein paar Kuhlen schaffen, so dass unsere müden Körper dann doch ein wenig zur Ruhe kommen können. Das haben sie auch nötig, bevor es am nächsten Tag los geht auf unsere Entdeckungsreise im Alantika-Gebirge...

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