Mittags geht er direkt nach der Arbeit wieder zum Bahnhof und erlebt eine Überraschung: der Mitarbeiter vom Morgen will gerade in die Mittagspause. Aber er händigt Manu vorab noch die Tickets und unsere Residencecards aus :) Es hat also geklappt. Wir können abends um 18 Uhr den Zug nach Ngaoundére nehmen. Alain muss bis 17 Uhr arbeiten und wird dann vorbei kommen. Manu und ich packen den Nachmittag über und organisieren die letzten Dinge.
Mein eigentlicher Plan war, vor der Abreise noch ein mal zu duschen, da wir nicht wissen, wann wir die nächste Möglichkeit dazu haben. Aber... wir haben kein Wasser... Grrrr... 12 Stunden Zugfahrt (wenn es keine Verspätungen gibt) liegen vor mir. Ich weiß, daß es in Ngaoundéré wesentlich wärmer ist, als in Yaoundé und ich kann NICHT duschen???? Na gut. Wir haben natürlich einen in Wasserflaschen vorsorglich abgefüllten Wasservorrat :) Also eben eine provisorische Dusche aus der Flasche und es kann losgehen.
Ich bin ganz schön aufgeregt, weil ich so gar keine Idee habe, was mich bei der Zugfahrt erwarten würde, außer dass es voll werden würde. Zu Fuß, bepackt mit 5 Rucksäcken, machen wir uns auf den Weg zum Bahnhof um kurz nach 17 Uhr. Dort herrscht schon ein reges Treiben, der Zug wartet bereits, die Menschen drängen durch eine winzige Tür, an der die Tickets zum ersten Mal kontrolliert werden, auf den Bahnsteig. Die Dusche hat sich erübrigt, uns bricht der Schweiß aus, auch wegen dem Gepäck. Wir müssen neben Zelten und Schlafsäcken auch Lebensmittel für 5 Tage mitnehmen und haben schon einen Teil der Gastgeschenke für die Dörfer im Alantika-Gebirge ("Allah tikam" - Das von Gott verlassene Land), besorgt. Als wir endlich die erste Kontrolle passiert haben, machen wir uns auf die Suche nach unserem Waggon. Der ist bald gefunden, und wir werden zu unserem Schlafabteil gebracht. Nach und nach wird der Zug immer voller. Es wirde 18 Uhr... Und wir warten auf die letzten Passagiere. Unser Abteil teilen wir mit einem Muslim. Er trägt das typische Gewand: weite Hose, darüber ein weites Hemd, ein weiter Umhang und ein Cappy - alles in hellblau. Er macht einen sehr sympathischen Eindruck, sieht ein bißchen aus wie Ben Kingsley im Film "Mahatma Gandhi" :)
Mit etwas Verspätung setzt sich der Zug um 18.20 Uhr in Bewegung. In gemütlichem Tempo zieht Yaoundé an uns vorbei. Viele Menschen, vor allem Kinder, stehen am Wegrand und winken. Es scheint ein Tageshighlight zu sein, dieser tägliche Zug nach Ngaoundéré. Zum Abendessen beschliessen wir, das "Restaurant" auszuprobieren. Es gbtb lauwarmes Hühnchen mit Reis, Eiersalat (ich habe wegen meinem eh schon nervösen Reisemagen lieber drauf verzichtet) und Ananas. Unter Beobachtung und Dauerkommentierung durch unsere muslimischen jungen Sitznachbarn nehmen wir diese erste Mahlzeit unserer Reise zu uns und geniessen sie, da wir ja nicht wissen, was uns so als nächstes erwarten wird. Danach geht es zum Schlafen zurück ins Abteil. Neben uns sind vier kamerunische Frauen mit einem Säugling untergebracht. Es stellt sich heraus, dass eine der jungen Frauen eine Schülerin von Manu ist :) Daneben ist noch mal ein Abteil mit vier Frauen und daneben ein Abteil mit vielen jungen Muslimen. Alle sehr offen und freundlich. Aber es ist schon anders, wenn zu bestimmten Zeiten die Gebetsteppiche ausgepackt werden und die Gänge des Zuges sich mit betenden Menschen füllen. Nach und nach wird es ruhig im Waggon. Die Sicherheitspatrouille, die in den Waggons für Ruhe und Ordnung und auch für Schutz sorgen, patroullieren über den Gang.
Der Zug hält an verschiedenen Bahnhöfen, wo Menschen, vor allem Kinder, ihre Waren lautstark anbieten: Wasser, gebratener Fisch, Baton (mit gekochtem Maniok gefüllte Blätter - zusammengerollt und gebunden), Tragetaschen, Obst. Alles drapiert auf selbstgebauten Tablettes, die sie auf ihren Köpfen balancieren. In der Mitter steht oftmals eine kleine Öllampe, um die Ware für den Käufer besser sichtbar zu machen. Während die Männer in meinem Abteil gemütlich vor sich hinschnarchen, werde ich durch die Rufe der Verkäufer jedes Mal geweckt. Die Sicherheitsleute des Zuges kontrollieren die Türen und auchten darauf, dass keine Reisenden zusteigen, die nicht bezahlt haben. Die Bahnhöfe sind hell erleuchtet und viele Mitreisende feilschen durch die halbgeöffneten Fenstern um die gewünschte Ware. Vor allem der selbtgemachte Honig ist sehr begehrt. Aber Vorsicht ist geboten, denn es gibt leider auch die, die mit langen Stangen, an denen Haken befestigt sind, Reisegepäck aus den Abteilen fischen. Daher bin ich ganz froh, dass ich an den Bahnhöfen aufwache. An einem Bahnhof plötzlich ein gellender Schrei aus dem Nachbarabteil mit den vier Frauen und dem Säugling. "Voleur, voleur, sécurité, sécurité!!!" Und ein nicht enden wollendes hysterisches Schreien. Es dauert eine Weile, bis die Sicherheitsleute auftauchen. Mittlerweile ist der ganze Wagen durch die Schreie aufgewacht. Was war passiert? Zuerst wusste keiner Bescheid, denn die Frau war so hysterisch, dass sie aus dem Schreien und Schimpfen nicht mehr herauskam und vergaß zu sagen, was passiert war: Ein Mann war vom Gang aus in das Abteil der schlafenden Frauen eingedrungen und hatte ihre Handtasche mit allen Papieren und Geld gestohlen und war durch das Fenster (wohlgemerkt, sie sind nur bis zur Hälfte zu öffnen, wenn der Mechanismus funktioniert...) entkommen. Die Frau beschuldigte die Sicherheitsleute, dass es ein organisierter Diebstahl war und die Sicherheitsleute daran beteiligt waren und deswegen erst so spät zur Hilfe gekommen wären. Sie konnte sich nicht beruhigen, rief immer wieder "man hat mich bestohlen, meine Tasche, meine Papiere, mein Geld, warum seid ihr nicht zur Hilfe gekommen?". Andere Passagiere kamen hinzu und mischten sich lautstark in die Diskussion mit ein. Es dauerte bis zum frühen Morgen, dass es wieder ruhiger wurde. Die Männer in meinem Abteil fielen jedoch alle nach und nach wieder in ihren wohlverdienten Schlaf. Für mich war es allerdings vorbei mit dem Schlafen... Und wir schlossen unser Fenster, was zur Folge hatte, daß das Abteilklima unangenehm wurde, warm, scläfrig, die Luft abgestanden. Daher war ich froh, als so langsam gegen 6 Uhr wieder Leben in den Zug kam und wir frische Luft hereinlassen konnten. Die Sonne ging auf, die Leute in unserem Waggon hatten nur ein Thema, den Diebstahl der Nacht. Zum Frühstück gab es Kuchen, Bananen und Wasser.
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| Alain beim Frühstück |
| Ich beim Frühstück ;) |
Vom Fenster aus beobachten wir die vorbeiziehende, sich verändernde Landschaft. Überall sind Ameisenbehausungen in Form von überdimensionalen Pilzen zu sehen. Die Häuser sind aus Lehmziegeln und mit Stroh gedeckt. Kleine Dörfer mit Zäunen aus Strohmatten huschen vereinzelt an uns vorbei.
Herden von Zeburindern suchen durch den Zug verschreckt chaotisch das Weite. Am Horizont erstrecken sich Gebirgsketten. Kinder stehen an der Strecke und winken. Es wird schnell warm aber im Gegensatz zu Yaoundé eine eher trockene Hitze. Und dann erreichen wir Ngaoundéré. Zuerst sind es nur vereinzelte Häuser, Vororte, dann kommt der Güterbahnhof und letztendlich fahren wir im Bahnhof ein.
In dem spitz zulaufenden Turm befindet sich der Eingang zur Wartehalle. Im Flachbau davor, wo die Autos stehen, reserviert und kauft man Tickets und dort ist der Wartebereich für die 1. Klasse. In dem rot-weißen Häuschen kauft man Bustickets, falls die Reise noch nicht beendet ist. Der Platz vor dem Bahnhof ist beim Eintreffen des Zuges vollgestopft mit Autos, Minibussen, Reisebussen, Reisenden, Verkäufern und Moto-Taxifahrern, denn in Ngaoundéré fährt man wenig mit den uns aus Yaoundé bekannten gelben Autotaxen, sondern mit dem Moto-Taxi, das wesentlich schneller voran kommt, günstiger ist und genau so komfortabel, wie ein Auto. Am Bahnof werden wir von einem Bekannten von Alain empfangen, der uns ein Auto besorgt für die Weiterfahrt nach Wangaï. Auf dem Bahnhofsvorplatz wartet bereits ein weißer Pickup auf uns. Die Absprache mit dem Bekannten war ein Mietwagen für die Fahrt nach Wangaï, ein Fahrer, der den Weg kennt, in Wangaï auf uns wartet, uns zurück nach Ngaoundéré bringt und der uns helfen kann, die restlichen Gastgeschenke für die Dörfer, die wir besuchen und in denen wir übernachten werden, zu besorgen. In der Regel sind das Seifen, Salz Streichhölzer und Bonbons für die Kinder. Die Absprache stellt sich als nicht eingehalten heraus. Wir haben zwar einen Mietwagen und einen Fahrer. Dieser ist jedoch noch nie in Wangaï gewesen und er hat auch keine Ahnung davon, was wir als Gastgeschenke benötigen. Aber er fährt uns erst einmal zum "Supermarkt". Dort kaufen wir auch noch Reis, Tomatenmark, eine Flasche Öl, Brot, Sardinen und Schmierkäse (Vache qui rit - Die Kuh die lacht) - unsere Verpflegung für die nächsten 5-6 Tage. Und wir brauchen noch Wasser für den ersten Tag, da es dort nur Fluß- oder Brunnenwasser gibt in den Bergen. Wir werden zum ersten Mal Micropur-Tabletten ausprobieren, die das Wasser für uns trinkbar machen sollen, da sie Mikrobakterien abtöten.
Dann gibt es ein weiteres Treffen mit Alains Bekanntem, um noch einmal über die Abmachung zu diskutieren. Der Bekannte teilt uns einen neuen Fahrer zu, Abdullai, ein schweigsamer junger Mann, der über seinen Arbeitsauftrag eher überrascht ist. In schweißtreibender Mittagssonne geht es in einem überhitzten Pickup auf nach Wangaï.


Bitte nicht am Format stören - ich hab keine Ahnung, warum sich alles beim Speichern verschiebt, bzw. die Schrift und Schriftgröße sich stellenweise verändern. Trotzdem viel Spaß beim Lesen ;)
AntwortenLöschenWie schön! Ich liebe die Bilder!!!! Jeg misunner deg eventyret :) Stor klem!
AntwortenLöschenDere kunne jo komme paa besök ;) men för kommer jeg - august :) stor klem, savner dere!!!
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