Freitag, 25. Februar 2011

5. Etappe: Balengy - Kolio

Nach einer recht kurzen und lauten Nacht beschließen wir, zum Frühstück unsere letzte Ananas zu essen. Aber diese fängt bereits an, einen leicht gegorenen Geschmack auf der Zunge zu hinterlassen. Da wir die Ananas nicht ganz alleine essen können, schneiden wir sie, unter den neugierigen Augen der Dorfkinder in viele kleine Stücke. Alain geht mit der Schale herum und lässt alle Dorfbewohner (Groß und Klein) die Ananas probieren. Zögernd wird dieses fremde gelbe Etwas an den Mund geführt. Dann erstrahlt das Gesicht, da sich ein süßlicher GEschmack im Mund ausbreitet. Hin- und Hergerissen zwischen langsam genießen wollen und diesen neuen Geschmack verschlingen wird so unsere ganze Ananas verzehrt :) Dann machen wir uns auf den Weg.
Heute geht es zu "La Piscine" (das Schwimmbecken), einem natürlichen Wasserbecken, wo wir uns und unsere Kleidung richtig waschen können. Wir überqueren also wieder die Grenze nach Kamerun - ohne es zu merken. Es ist wieder früh sehr warm.
Hirsebrei mit Sauce
Wir machen eine kurze Pause an einer Hütte, wo ein Mann mit seiner Familie wohnt, der den letzten Abend auch beim Hirsebiertrinken dabei war. Er begrüßt uns mit einem schiefen Grinsen, der Kopf scheint schwer vom Bier zu sein. Zwei Mädchen sitzen auf dem Boden und weben eine Matte. Die Ehefrau kocht Hirsebrei.Da die Sonne jetzt schon (es ist noch nicht mal 10 Uhr) hoch am Himmel steht, gehen alle Arbeiten nur langsam voran. Manu und Alain schauen sich um, der Dreschplatz, das Herstellen der Matte... Ich mach es mir im Schatten bequem und beobachte die Szene. Es ist wunderschön hier, der Blick geht über die Berge, weit und breit ist kein anderes Haus oder Dorf zu sehen. Einer unserer Träger, Obar, erklärt mir, das eines der Mädchen, die die Matte herstellen, krank ist. Deswegen schläft sie also die ganze Zeit. Ihre Mutter macht ihr einen Heiltrank. Es gibt hier in unmittelbarer Nähe keinen Arzt, geschweige denn ein Krankenhaus. Also wird alles aus Naturzutaten hergestellt.
Auf dem Weg zum piscine







Waschen :)
Nachdem alle Neuigkeiten ausgetauscht sind, machen wir uns an den Abstieg zum Schwimmbecken. Der Weg ist rutschig, sandig und die Sonne brennt. Es wird immer unangenehmer, den Rucksack zu tragen, der Mund ist ständig trocken, das Wasser, was ich trinke, scheint auf der Stelle zu verdunsten. Nach 2 Stunden in der Sonne den Berg hinunterklettern lässt meine Kondition nach. Manu nimmt mir den Rucksack ab, die Wasserflaschen sind fast leer. Es gibt auf dem ganzen Weg kaum schattige Plätze, ab und an mal ein karges Bäumchen am Wegesrand. Ich merke, wie mein Kreislauf beginnt, zu rebellieren. Mir wird immer wieder schwindelig und übel. Ich versuche mit meinem Tuch Kopf und Gesicht noch mehr vor der direkten Sonne zu schützen. Aber es hilft nichts. Kurz vor unserem Ziel gibt es dann eine Zwangspause. Es geht nicht mehr. Ich leere die letzte Wasserflasche und hoffe, dass es wirklich nicht mehr weit ist. Mein Körper rebelliert gegen jede Anstrengung, die ich unternehmen will. Aber der Wunsch nach Wasser ist so stark, dass es dann doch irgendwie geht und ich über Steine und Wurzeln stolpernd irgendwann am Schwimmbecken ankomme.
Schwimmen
Kleider waschen
Lesen
Mittagessen
Es ist ein Fluß, dessen Wasser sich in natürlichen Steinbecken sammelt. Riesige Felsen bieten viel schattige Plätze. Alain, der mit den beiden Trägern vorgegangen war, hat schon sein erstes Bad hinter sich. Ich muss mich erst mal hinlegen, die Füße gegen einen Felsen gestellt. Manu macht sich mit den Flaschen direkt auf den Weg, um sie mit frischem Wasser zu füllen und mit Micropur zu desinfizieren. Das dauert 1 Stunde, bis das Wasser dann trinkfertig ist. Aber zum Glück hat Alain noch eine Flasche mit fertigem Trinkwasser, die ist jedoch schnell geleert. Nach einer Pause geht es ans Waschen, zuerst mich, dann die Kleidung. Ich werd sauber, die Kleidung nicht mehr wirklich. Welch ein Genuß, das fließende Wasser an den Füssen zu spüren. Manu und Alain nutzen das Schwimmbecken. Zuerst müssen sie jedoch die Wasserflöhe vertreiben, damit sie überhaupt ins Wasser können. Kleine Fische kommen und knabbern an ihnen herum. Ich beschließe, mich wirklich nur auszuruhen und nicht zu schwimmen. Schlafen, abkühlen, ein bißchen essen und nichts tun. Eine sehr gute Kombination. So lässt sich der Mittag/Nachmittag gut aushalten.
Auf dem Weg nach Kolio
Kolio
Unsere Zelte für die Nacht
Sonnenuntergang
Am späten Nachmittag machen wir uns auf den Weg nach Kolio. Das Dorf liegt etwa 20 Minuten Fußmarsch vom Schwimmbecken entfernt. Ahmad Adama und die beiden Träger haben ebenfalls sich und ihre Kleidung gewaschen. So machen wir uns sauber auf den Weg. In Kolio werden wir unsere letzte Nacht verbringen.Als wir dort ankommen, geht es dem einen unserer Träger schlecht, er hat Fieber (vielleicht wirklich Malaria). Im Dorf treffen wir nur auf eine alte Frau und ein paar Kinder. Das Dorfoberhaupt ist in dem Dorf, wo wir unsere letzte Nacht verbracht haben, um Maisbier zu kaufen. Wir bauen unsere Zelte auf. Die Stimmung ist ein wenig befremdlich. Die Dorfbewohner sind sehr distanziert. Wir essen Reis und Öl-Tomatenmark-Sauce zum Abendbrot. Als es dunkel wird, werden Matten für unseren Guide und die Träger gebracht und auch die alte Frau und die Kinder legen sich auf Matten zum schlafen vor die Hütten. Es ist unglaublich warm. Wir sind sehr müde von dem Tag aber an Schlaf ist kaum zu  denken. Die Kinder haben noch Besuch aus einem Nachbardorf erhalten, also wird noch ganz viel erzählt und gelacht. Hinzu kommt die Hitze im Zelt. Irgendwann scheint das Dorfoberhaupt zurückzukehren, die Kinder verschwinden und es wird schlagartig still. Trotzdem kann ich nicht lange schlafen. Gegen vier Uhr wache ich wieder auf, der Himmel leuchtet rot. Im Tal werden die Felder abgebrannt, das Feuer wirft ein rot-orangenes Licht an den Himmel. Irgendwann geht die Sonne auf...

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