Donnerstag, 24. Februar 2011

4. Etappe: Yagmalo - Grenze Nigeria

Nachdem das Dorf bereits früh wieder aktiv wird, gegen 5 Uhr sind bereits die ersten menschlichen Geräusche zu vernehmen, gibt es gegen 7 Uhr Frühstück (Kaffee, Tee, Weißbrot, Schmierkäse und Paté). Die Zelte sind abgebaut, die Katzenwäsche ist erledigt, die Dorfbewohner, unser Guide und die Träger sind begrüßt. Alles ist gut und wir können aufbrechen. Es sind bereits die ersten Anzeichen zu merken, dass es wieder ein sehr warmer Tag werden wird. Die Landschaft ist wunderschön. Wir klettern ein bißchen, um uns herum viele Grün- und Brauntöne. Durch die massive Sonneneinstrahlung bräuchte die Natur wesentlich mehr Wasser, um kräftig grün zu sein. So gibt es an den Berghängen nur vereinzelte grüne Streifen, wo Wasser den Hang hinunterfließt.
Nach gar nicht all zu langer Zeit erreichen wir ein kleines Dorf, aus dem uns Musik entgegenschallt. Ein Radio irgendwo im Niergendwo. Und die Dorfbewohner (zumeist die männlichen) haben sich um dieses Radio versammelt. Wir sind nun nah an der Grenze zu Nigeria, hier wird bereits in nigerianischer Währung gezahlt. Grenzüberquerer kommen hier durch das Dorf um Waren anzubieten oder auch um Waren einzukaufen und auf der anderen Seite zu verkaufen. Als unsere Ankunft bekannt wird, kommen auch die Frauen und jungen Mädchen von ihrer Arbeit zu uns. Viele der jungen Mädchen tragen kleine Kinder auf ihren Rücken. Eine junge Frau gibt einem Neugeborenen die Brust, es ist winzig, vielleicht 3 Monate alt. Und es trägt eine wunderschöne bunte Strickmütze (wenn auch sonst nichts anderes...). Ahmad Amada und die Träger tauschen Neuigkeiten mit den Dorfbewohnern aus, Manu verteilt an alle eine Runde Bonbons, welche auch die Erwachsenen mit Genuß entegegennehmen. Und weiter geht es Richtung Grenze.

Irgendwann sagt Ahmad Amada: " Übrigens sind wir jetzt in Nigeria." Und wir haben es nicht mitbekommen, es hat sich nichts verändert, kein Grenzübergang, einfach nur Steppe und Berge, das ist alles. Wir erreichen unser Mittagsquartier, ein riesiges Dorf, Yébri. Auch dort werden wir mit einer frischen Papaya empfangen. Allerdings bezahlen wir diesmal für die Papaya. Dieses Dorf ist anders, als die bisherigen Dörfer. Die Bewohner sind materialistischer veranlagt, alles muss bezahlt werden. Und es gibt Sachen, die wir in den anderen Dörfern nicht gefunden haben, ein Junge verkauft beispielsweise abgepackte Kekse. Überall liegt Plastikmüll herum. Und als ein alter Mann ein selbstgebautes Musikinstrument hervorholt und für uns spielt, steckt nur ein touristisches Geschäft dahinter. So hatten wir uns das eigentlich nicht vorgestellt.
Wieder werden uns Matten zur Verfügung gestellt und wir kaufen Süßkartoffeln für das Mittagessen. So gibt es heut nicht nur Brot mit Sardinen, sondern auch Kartoffeln. In dem Dorf gibt es nur wenig Schatten. Deshalb liegen unsere Matten neben dem Hühnerstall, weshalb viele neugierige Hühner, neben, um, hinter, vor und auf unseren Matten herumscharren. Die Dorfbewohner beobachten jede unserer Bewegungen neugierig. Die Frauen sind auch hier diejenigen, die Pfeife rauchen. Ahmad Amada und die beiden Träger ziehen sich in eine Lehmhütte zum schlafen zurück, einem unserer Träger geht es nicht gut, Verdacht auf Malaria. Wir sind also uns selbst überlassen und den nicht-französisch-sprechenden Dorfbewohnern. Aber alles bleibt irgendwie auf Distanz. Als die Mittagssonne wieder unsere Matten erreicht, müssen wir umsiedeln. Diesmal gibt es nur noch Schatten auf einem Stück Land, dass mal eine Wiese gewesen zu sein scheint, wo Berge von Ziegen- und Rinderexkrementen herumliegen. Nun gut, wenigstens Schatten. Also räumen wir ein paar Haufen zur Seite und machen es uns auf unseren Matten in einer etwas streng duftenden Atmosphäre bequem.
Wasser :)
Da es in diesem Dorf eine Quelle gibt, beschließen wir irgendwann, unsere Wasserflaschen wieder aufzufüllen. Es bleibt allerdings erst einmal bei einer Flasche, denn das Wasser ist grün. Und da lässt sich unser Kopf einfach nicht ernsthaft überzeugen, das es irgendwie gut sein könnte für uns, dieses Wasser zu trinken, auch nicht mit unseren Micrpur-Tabletten. Manu hat auf der anderen Seite des Dorfes, bei unserer Ankunft, noch eine andere Quelle gefunden und beschließt, sein Glück dort zu versuchen. Erfolgreich :) Er kommt mit recht klarem Wasser zurück, allerdings schwimmen diesmal kleine Tierchen im Wasser. Vielleicht helfen unsere Tabletten. Nach zwei Stunden schwimmen die Tierchen immer noch, unsere Tabletten helfen also nicht. Was tun? Wir haben kein anderes Wasser mehr und müssen wegen der Hitze trinken. Also ein wenig Zuckerpulver mit Geschmack Guave ins Wasser, das sich darauf hin rosa verfärbt. Den Kopf überzeugen, das dieses Wasser getrunken werden muss, da es auf absehbare Zeit kein anderes Wasser gibt. Und die Tierchen sind plötzlich fast vergessen.
Irgendwann am frühern Nachmittag geht es dann weiter. Der Dorfchef war am Ende noch sehr unzufrieden, da ihm unser Gastgeschenk (ein Stück Seife und Salz) nicht gut genug war. Er wollte mehr Geld um in der nahegelegenen größeren Stadt einkaufen zu können.
Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg :)
Wir kommen an ein weiteres kleines Dorf. Dort werden wir sehr nett begrüßt aber machen nur kurz Halt, um die wichtigsten Neuigkeiten auszutauschen. Und wir müssen ja noch unser Nachtlager erreichen. Dazu müssen wir noch ein Tal durchqueren, also Hang runter (über eine riesige Steinfläche - wie soll das gehen??? Ahmad Amada macht es mir in seinen FlipFlops vor... Mein Kopf sagt, das geht nicht... Manu nimmt mich an die Hand - es geht doch :) Kleiner Aussetzer bei mir ;) ).
Auf der anderen Seite gehts wieder Berg auf. Wir kommen an einer Quelle vorbei, an der das Wasser wirklich klar ist. Und da unsere Flaschen bereits wieder leer sind, wird hier aufgefüllt. Auf dieser Seite des Tals scheint es mehr Wasser zu geben, denn wir durchqueren eine Bananenplantage. Dann erreichen wir unser Nachtlager, das Dorf Balengy (auch auf nigerianischer Seite). Die Dorfbewohner sitzen zusammen und trinken Hirsebier. Wir treffen auch einige Bekannte aus vorherigen Dörfern wieder. Ahmad Adama erklärt uns, dass sich die Leute treffen, um gemeinsam die Woche zu beenden, bevor morgen eine neue Woche losgeht und das Ende der Hirseernte zu feiern. Auch hier bekommen wir als Willkommensgruß eine Papaya. Und wir kaufen leckere kleine Bananen. In diesem Dorf gibt es viele Kinder, die sich neugierig um uns scharen. Die Armut ist zu spüren, die Mangelernährung vor allem auch bei den größeren Kindern zu sehen. Auch die Kinder trinken hier schon Hirsebier. Sie kommentieren jede unserer Bewegungen und kommen schnell mit Manu und Alain in Kontakt. Manu spielt Lehrer und versucht, den Kindern die Zahlen von eins bis drei auf Französisch beizubringen. Die Kinder plappern alles begeistert nach, es wird viel gelacht, die Stimmung ist ausgelassen. Irgendwann mischt sich der betrunkene Dorfchef ein. Die Kinder werden hier in der kleinen Dorfkirche unterrichtet, anscheinend vom Dorfchef, der ein paar Brocken französisch spricht. Er ist durch den Alkohol leicht aggressiv und scheint ein bißchen sauer, daß die Kinder die drei Zahlen auf französisch nicht beherrschen. Er fährt sie unfeundlich an und unterbricht die fröhliche Unterrichtsstunde. Die Stimmung kippt, auch bedingt dadurch, dass es eine Auseinandersetzung zwischen diesem Dorfchef, einem anderen Dorfchef (wo wir eigentlich hätten vorbeikommen sollen aber der Chef hat geschlafen und uns deshalb nicht mitbekommen. Er war auch eigentlich nur scharf auf Gatsgeschenke von uns.) und Ahmad Amada um die Nazarra gegeben hatte. Der Dorfchef schickt die Kinder unter Androhung von Schlägen weg, die Mädchen müssen wieder an die Arbeit.
unser Zeltplatz
Wir bauen unsere Zelte auf, auf einem leeren Platz mitten im Dorf.



Die Stimmung ist bedingt durch die großen Alkoholmengen gereizt. Wir fühlen uns nicht wohl und auch nicht willkommen. Ahmad Amada kommt, um uns die Situation zu erklären und versucht, alles ein wenig runterzuspielen. Alain baut sein Zelt weiter auf und Manu und ich suchen die Quelle auf, um uns ein wenig zu waschen. Nach unserem Abendessen aus Spaghetti und  Thunfisch suchen Manu und ich noch einen Toilettenplatz (zum Glück scheint der Mond sehr hell). Dann ziehen wir uns in unsere Zelte zurück, während die Dorfbewohner sich weiter dem Hirsebier hingeben. Die
Dorfkirche
Nacht ist laut und Trunkenheit und Aggression liegen in der Luft. Der Dorfchef will in sein Haus, das direkt bei unseren Zelten steht, zurückkehren aber seine Frau prügelt ihn hinaus. So prügelt der Chef seine Kinder, die Frau ihren Mann und und und ... Eine wirklich seltsame Stimmung. Es dauert ewig lang, bis in diesem Dorf Ruhe einkehrt.Was auffällig war in diesem Dorf: Wir haben den ganzen Aufenthalt niemanden Essen sehen, nur Hirsebier trinken. Vielleicht stillt das ja den Hunger...
gemeinsames Hirsebiertrinken

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