Mittwoch, 2. März 2011

letzte Etappe: Ngaoundéré - Yaoundé

Nach einem entspannten Frühstück mit Baguette, selbstgemachter Marmelade und Milchkaffee machen wir uns auf den Weg zum Hauptbahnhof Ngaoundéré. Es ist auch hier sehr früh sehr warm. Aber es gibt zum Glück viel Schatten. Hier ist alles ein bißchen anders, als Ticketkauf in Yaoundé. Vor uns warten nur 4 Leute, so daß wir ziemlich schnell an der Reihe sind. Die Schlafplätze sind für den morgigen Zug bereits alle vergeben. Nicht schlimm, dann nehmen wir zwei Sitzplätze in der 1. Klasse. Diese sind schnell gebucht und angezahlt, morgen müssen wir wiederkommen, um den Rest zu bezahlen. Wir machen uns auf den Rückweg zur Mission. Dabei machen wir noch einen Abstecher zum Place de l'Indépendance und zum Lamido-Palace, den wir jedoch nur von außen besichtigen, da uns dort alles zu touristisch ist. Von Weitem hören wir schon "Nazarra, Nazarra" und sehen auf Touristen wartende Einheimische. Da ist uns heute nicht nach, also gehen wir zurück zur Mission. Eigentlich wollen wir nachmittags noch einen Kratersee einige Kilometer außerhalb besuchen. Doch sind wir beide irgendwie so k.o., daß wir beim Krimilesen gar nicht bemerken, wie schnell die Zeit vergeht. Am späten Nachmittag fällt uns dann doch auf, daß wir das Mittagessen vergessen haben. Also macht Manu sich auf den Weg und besorgt süßes Brot, Hammelfleisch vom Grill und Orangen. Danach genehmigen wir uns noch mal den Genuß der Duschen. Und verbringen den Rest des Tages mit Lesen. Abends machen wir uns wieder auf die Suche nach einem Restaurant und landen, wie auch gestern in einem Lokal, wo man wieder nicht Essen kann. Es macht den Eindruck, dass es ausser diesem muslimischen Schnellrestaurant keine anderen Restaurants gibt. Also beschließen wir, dort nur etwas zu trinken und an einem Straßenstand eine Portion gegrilltes Rindfleisch und zwei Orangen zu kaufen und diese in der Mission zum Abendbrot zu verspeisen. Dann ist dieser Tag auch schon wieder rum.
Weinhändler in Ngaoundéré
Yoghurtwahl in Bar Laitier














Am nächsten Morgen machen wir uns wieder auf den Weg zum Bahnhof. Dort sind wir schneller an der Reihe, als gestern. Die Tickets sind schnell bezahlt und jetzt heißt es, Zeit totschlagen, denn aus unserem Zimmer mussten wir bereits raus, um diesen Tag nicht noch voll bezahlen zu müssen. Unser Gepäck durften wir bei den Schwestern im Büro lassen. So können wir vor Abreise noch mal die Duschen nutzen. Und wir können uns dort im Speisesaal oder draußen im Pavillon aufhalten. Um jedoch nicht die ganze Zeit bis abends dort verbingen zu müssen, besuchen wir noch den großen Markt. Dort kann man wirklich fast alles kaufen. Manu sucht nach einem Kaftan, wie ihn die Muslime hier tragen. Wir laufen durch kleine Gassen und fühlen uns nicht ganz wohl dabei, da alles unglaublich verschachtelt und unübersichtlich ist. Es ist laut, es gibt so viele Dinge zu sehen (Kleidung, Obst, Gemüse, Fleisch, Schuhe, Haushaltswaren, Teppiche, etc.) und ständig muss man den Mototaxis ausweichen, die sich ihren Weg durch die Menschenmassen bahnen. Da Manu nicht findet, was er sucht, beschließen wir der heißen Sonne eine Weile zu entkommen und ein Cybercafé zu besuchen, um dort eine halbe Stunde für 30 Cent das Internet zu nutzen. Heute vergeht die Zeit aber auch so gar nicht, es ist gerade mal 10 Uhr, der Zug fährt erst um 18 Uhr. Nach dem Cybercafé, was angenehm kühl war, finden wir eine "Bar Laitier".
Ngaoundéré
Warten...

Dort beschließen wir, einen Kaffee zu trinken und das lokale Yoghurt zu probieren. Sehr köstlich, leicht gezuckert mit einem Hauch Zitrone. Als wir damit fertig sind, ist es gerade mal 11 Uhr. Also auch noch keine Zeit, irgendwo zu Mittag zu essen. Also bestellen wir noch etwas zu trinken (Toppampelmousse und Djino) und erstellen einen eigenen Stadtplan für Ngaoundéré, da es den in unserem Kamerunführer nicht gibt und planen unseren Europaaufenthalt im Sommer :) Die Planungen nehmen dann doch einige Zeit in Anspruch, so dass wir letztendlich um halb eins was zu Essen bestellen: Pfeffersteak. Zum Glück dauert die Zubereitung des Essens einige Zeit, dann das Essen selbst auch noch mal. Letztendlich sind wir gegen zwei Uhr wieder in der Mission. Glücklicherweise treffen wir direkt auf eine der Schwestern, die uns das Büro aufschließt, damit wir unser Gepäck rausholen können. Wir machen es uns im Pavillon bequem und lesen. Irgendwann nutzen wir noch einmal die Duschen und gegen vier Uhr machen wir uns auf den Weg, um zwei Mototaxis zu suchen, die uns zum Bahnhof bringen.
Warten
Dort warten wir dann bis zur Abfahrt des Zuges in einer klimatisierten 1.Klasse-Wartehalle mit vielen dickbäuchigen Menschen (das schreibe ich nur, weil es unglaublich auffallend war, so als ob hauptsächlich dickbäuchige Menschen in der 1. Klasse reisen...Aber da dick-sein hier nun mal ein Zeichen von Wohlstand und Reichtum ist, kann dies durchaus so sein). Als der Zug endlich bereit steht, finden wir schnell unsere Sitze, fast mit dem Rücken zur Wand, hinter uns sitzt nur noch ein Vater mit seinem Sohn. Neben uns sitzt ein alleinreisendes Kind und ein muslimischer Mann. Davor sitzt eine Mutter (sie macht eher den Eindruck einer Großmutter) mit ihrem vielleicht 4jährigen Sohn. Sie verursacht die ganze Fahrt über Chaos, da sie an jedem Bahnhof versucht, durch das halbgeöffnete Fenster Honig in Flaschen zu kaufen. Diesen lässt sie sich ins Abteil reichen, prüft ihn kritisch auf Farbe und Geruch hin und gibt die meisten Flaschen zurück - vorausgesetzt, sie ist schnell genug, bevor der Zug wieder losfährt. An einem Bahnhof schafft sie es nicht rechtzeitig, die Flasche wieder zurückzugeben, da der Zug mit einem Ruck anfährt, sie dabei das Gleichgewicht verliert und samt Honigflasche auf ihren Sitz plumst. Wir hören den Honigverkäufer nur schimpfen.
Die Nacht ist ziemlich unruhig, da die ganze Zeit das Licht brennt und man eben doch sitzt. Ich beschäftige mich mit Lesen und Menschen beobachten, während Manu schläft. Einige Sitze weiter sitzen zwei Frauen aus dem Norden Kameruns (sie sehen aus wie Fulani-Frauen). Die eine wirkt sehr krank, sie ist unter ihrer dunklen Hautfarbe richtig blass und hat ein riesiges (wirklich riesiges) Pflaster an der rechten Halsseite. Und sie döst die meiste Zeit vor sich hin. Die zweite Frau fängt an, ihre Haare zu flechten mit einer beeindruckenden Geschwindigkeit. Zwischendurch schläft sie ein, sobald sie wieder aufwacht, macht sie mit ihren Haaren weiter, wo sie aufgehört hat. Viele Frauen legen sich zum schlafen auf den Boden. Irgendwann schlaf ich dann auch ein, allerdings immer nur kurz. Einmal wache ich auf, weil (zumindest fühlte es sich so an) kurz neben meinem Kopf eine Tasche mit einem enormen Holzstück von der Gepäckablage auf den Boden knallt. Von wem war die Tasche? Natürlich von der Mutter auf dem Nebensitz. UNGLAUBLICH wieviel GEpäck sie hat. Wirklich Berge... Und dann noch den ganzen gekauften Honig dazu und eine riesige Tasche voll Baton... Aber gut, ich bin mittlerweile so gerädert und übermüdet, dass ich mich wieder ans Lesen und Leute beobachten begebe. Und dann ist die Nacht auch rum und ein Vertreter für allen möglichen Kram präsentiert uns eine neuwertige Zahnbürste plus brillinater Zahnpasta, ein Wunderheilmittel gegen alles (was aber keinen Abnehmer findet) und eine Zauberhandcreme, die wer kauft? Genau, die Mama von nebenan. Für sie war diese Zugfahrt das reinste Einkaufsparadies :D
Um Punkt 6 Uhr erreichen wir den Bahnhof Yaoundé. Keine Verspätung. Es ist schön, wieder nach Hause zu kommen. Wir laufen den kurzen Weg nach Hause. Dort gibt es erst einmal einen richtigen Kaffee. Dann packen wir das Gepäck aus, stellen Wäsche an und gegen 10 Uhr machen wir uns auf den Weg zum Markt, um uns mit Lebensmitteln zu versorgen. Damit geht unsere Abenteuerreise zu Ende. Ich hoffe, ihr seid gut mitgereist, macht es gut, bis bald und passt auf euch auf :)
unsere Reiseroute

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