Dienstag, 1. März 2011

6.Etappe: Kolio - Wangaï - Poli

Die Schule morgens um 8 Uhr
Der letzte Morgen auf unserer Tour bricht an. Unser Brot hat so gerade durchgehalten, so dass wir nur heute zwischen den verschimmelten Resten das Essbare suchen müssen - aber es geht noch. So fällt unser Frühstück recht mager aus. Aber der Weg ist heute morgen auch nicht mehr weit zurück nach Wangaï. Wir verabschieden uns vom Dorf und seinen Bewohnern und machen uns auf den Rückweg. Unserem einen Träger geht es mittlerweile richtig schlecht, er kann sich kaum noch auf den Beinen halten vor Schüttelfrost und Fieber. Trotzdem will er die Tour mit uns und unserem Rucksack beenden. Die Sonne brennt schon wieder heiß vom Himmel obwohl es gerade einmal 7 Uhr ist. Wir bitten Ahmad Amada, ob wir auf unserem Rückweg nicht noch einmal die Schule mit dem Lehrer aus Yaoundé besuchen können.
Morgenappell
Pünktlich um 8 Uhr kommen wir dort an. Die Schüler stellen sich gerade zum Morgenappell in Reihe und Glied auf. Der Direktor begrüßt uns und auch die drei Lehrer (auch der junge Mann aus Yaoundé). Wir bitten, ein bißchen beim Unterricht reinschauen zu dürfen. Und wir dürfen. Uns wird allerdings schnell klar, dass wir zum einen die Kinder vom Unterricht abhalten und zum anderen, dass die Kinder kaum französisch sprechen. Das heißt, sie verstehen weder die Fragen, die ihnen gestellt werden, noch können sie antworten. Das muss auf Dauer ganz schön frustrierend für die Lehrer sein. Vor allem, weil sie den Schülern parallel auch noch Englisch beibringen müssen.
Unterricht
Rückweg nach Wangaï
Wir verabschieden uns nach kurzer Zeit und treten den Rückweg nach Wangaï an. Wir machen noch einen kurzen Halt in einem Dorf, wo gerade alle Dorfbewohner schwer beschäftigt sind, Hirse zu dreschen und für den Markt in große Säcke abzufüllen. Deshalb dauert die Pause für uns auch nicht lang. Gegen 10 Uhr erreichen wir dann Wangaï. Die Stimmung ist aus irgendeinem Grund angespannt. Ahmad Amada hatte uns am Abend vorher gesagt, dass sie überlegt haben, dass es für uns besser wäre, wenn wir in Wangaï ankommen uns direkt auf den Weg nach Poli zu machen. Wir sagen aber, dass wir den Tag voll bezahlt haben und deswegen gern noch etwas von der Landschaft sehen wollen. Obwohl Ahmad Amada das weiß, kommen wir um 10 Uhr in Wangaï an und unsere Tour ist beendet. Wir sitzen im Hof des Lamido im Schatten auf einer Strohmatte und warten. Das Gefühl, unwillkommen zu sein, wird immer stärker. Schließlich bezahlen wir Ahmad Amada und die beiden Träger. Da meldet sich der Guardian des Lamido, das wir ihn auch noch bezahlen müssten, er hätte schließlich auf eine Plastiktüte mit Sachen von uns aufgepasst und auf unser Wasser. Manu erklärt, dass wir dem Lamido bereits 10000CFA gezahlt haben und nicht bereit sind, noch mehr zu zahlen, zumal wir ja schon diesen Tag voll bezahlt haben, ohne dafür eine LEistung zu bekommen. Nachdem Ahmad Amada und die Träger nach Hause gegangen sind, kommt der Chef vom Ahmad Amada. Alain und Manu versuchen, ihm unserer Kritikpunkte auf freundliche Weise nahe zu bringen, dass die Kinder zum betteln bei den Touristen erzogen werden, dass die Leute unzufrieden mit den Gastgeschenken sind, dass jeder von uns Geld verlangt. (Vielleicht ist das normal und ich reagiere nur empfindlich darauf, vielleicht würde ich in deren Situation genau so handeln?). Sie sagen ihm auch, dass Obar (einer unserer Träger) der besser Guide wäre, da er englisch und französisch spricht und viel zu erzählen hat im Gegensatz zu Ahmad Amada, dem man fast alles aus der Nase ziehen muss. Der Chef sagt zu allem ja und amen. Als das Gespräch zu Ende ist, sagt er zu Alain "Und jetzt bekomme ich 2000 CFA für dieses Gespräch". Das war glaube ich ausschlaggebend für unsere Entscheidung, das Taxi nach Poli bereits am Mittag zu nehmen und nicht dort zu übernachten. Wir essen noch in einer kleinen Hütte Reis mit einer scharfen Sauce. Und dann geht alles sehr schnell mit dem Abschied und wir befinden uns auf dem Weg nach Poli.
Landschaft zwischen Wangaï und Poli, manchmal sieht man hier  Löwen, Antilopen oder auch Affen
Unser Taxifahrer, Abdullaih, ist Moslem. Deswegen müssen wir zwischendurch anhalten, damit er in die Moschee gehen kann. Wir warten so lange an einem Marktstand und unterhalten uns mit den Leuten. Gegen Spätnachmittag kommen wir in Poli an bei Schwester Antoinette vom Heiligen Herzen Jesu. Wir fragen, ob wir dort eine Nacht verbringen können. Kein Problem, Alain bekommt das Büro der Schwester, Manu und ich ein kleines Zimmer. Wir können in Ruhe Duschen, gehen dann ein kühles Bier trinken (welch ein Genuß) und Schwester Antoinette bewirtet uns großzügig mit Yam, Nudeln, Kürbissuppe, Hammelfleisch und Fruchtsalat. Sehr zu empfehlen. Es ist ein schöner Abend, wir lachen viel. Und Alain hilft der Schwester noch bei der Korrektur eines Monatsbriefes für die Gemeinde, während Manu und ich das Abspülen übernehmen. Dann geht es ab ins Bett, da morgen ein langer Reisetag bevorsteht.

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