Dienstag, 1. März 2011

7. Etappe: Poli - Gouna - Ngaoundéré

Nach einer Nacht in einem gemütlichen Bett und einer ausgiebigen Dusche hat Schwester Antoinette, die bereits im Frühgottesdienst ist, uns ein reichhaltiges Frühstück mit Baguette, Obst und selbstgemachter Marmelade bereitet. Hmmmmm, lecker. Das stärkt für den Tag. Um 8 Uhr kommt unser Taxi, der Bruder von Abdullaih, um uns nach Gouna, einem Knotenpunkt für Busse nach Norden und Süden zu bringen. Es wird eine schweigsame Fahrt, da die letzten Tage doch sehr anstrengend waren und die Sonne bereits wieder ihre ganze Energie vom Himmel schickt. In Gouna angekommen, überfällt uns eine enorme GEräuschkulisse. Händler, die ihre Ware anbieten, Busse, deren Fahrgäste sich mit Getränken und Essen versorgen, riesige Trucks beladen mit Baumstämmen, Bananen oder Sand. Und wir mittendrin.
Wir suchen uns ein schattiges Plätzchen, da wir von einer langen Wartezeit ausgehen. Die ersten Busse, die an uns vorbeibrausen, sind alle voll besetzt. Es dauert nicht lange, dass wir tatkräftige Unterstützung einiger ortsansässiger Jugendlicher bekommen, die sich jedes Mal tapfer auf die Strasse stürzen, wenn sie einen Bus sichten und sich diesem in den Weg stellen, um einen Platz für Alain nach Norden oder zwei Plätze für uns nach Süden zu ergattern. Nach einer halben Stunde findet Alain ein Plätzchen (es war wirklich kein Platz!!) in einem reichlich mit Menschen, Lebensmitteln und Tieren gefüllten Bus. Für uns heißt es weiter warten. Viele Fulani-Frauen beobachten uns neugierig aber sehr freundlich. Nach einer weiteren Stunde Warterei findet ein junger Mann dann zwei Plätzchen für Manu und mich. Wir quetschen uns also mit fünf Kamerunern auf vier Sitzplätze. Gut, es war eine Familie mit zwei Kindern, das Mädchen vielleicht 4 Jahre alt und der Junge nicht ganz ein Jahr. Er hatte also Platz auf dem Schoß der Mutter und schlief die meiste Zeit. Die Mutter genoß es, ihren Arm, auf dem der Kopf ihres Sohnes ruhte, auf meinem Oberschenkel abzustützen. Und irgendwann schlief sie selbst ein. Gemütlich :) Ich war so eingequetscht, dass ich meine Sitzposition nicht verändern konnte. Dies hatte drei Stunden später einen blauen Felck in Höhe der Wirbelsäule zur Folge. Was macht man nicht alles, um von einem Ort zum anderen zu kommen :) Bei einem Zwischenstop, weil jemand aussteigen wollte, wurde es dann turbulent. Das Hab und Gut dieses jemands befand sich UNTER den Sitzen ALLLER Fahrgäste. Da wir nicht alle aus- und wieder einsteigen wollten, versuchten wir unsere Füße zu heben. Es war nicht ganz klar, wonach eigentlich gesucht wurde. Nach und nach kamen ein paar Kisten zum Vorschein. Aber irgendetwas fehlte noch. Ahhh, ein Huhn mit gebundenen Füßen. Noch etwas? Ja, es fehlte noch etwas... Es wurde gesucht, Füße gehoben und dann endlich gefunden: ein Hahn mit gebundenen Füßen. Er hatte sich in die hinterste Ecke des Busses geschoben und keinen Mucks von sich gegeben. Nun musste er doch aussteigen.
Nach drei Stunden Fahrt in einem überhitzten Bus kamen wir dann in Ngaoundéré an. Wir gönnten uns erst einmal Schokocroissants und Top-Pameplmousse aus dem Kühlschrank. Dann hielten wir zwei Moto-Taxis an. Ich schnallte mir einen Rucksack auf den Rücken, mein Fahrer legte einen Rucksack auf den Lenker und Manu schnallte sich die beiden anderen Rucksäcke auf Rücken und Bauch (wir hatten einen Rucksack von Alain dabei, damit er nicht drei Rucksäcke mit in den Norden nehmen musste). Und auf ging die Fahrt zu "den Schwestern" - was auch immer das heißen mochte. Vor der Kathedrale ließen unsere beiden Fahrer uns absteigen. Wir erkundigten uns nach der Mission der Schwestern, von denen Schwester Antoinette uns erzählt hatte. Und tatsächlich, nur wenige Fußminuten von der Kathedrale entfernt bekamen wir ein Zimmer mit einem gemütlichen Doppelbett. Und wir genossen mal wieder eine Dusche :) Danach gab es eine kleine Siesta und wir gingen in die Stadt, um ein Bier zu trinken.
In der Mission
Das erwies sich für mich als Fehler, da wir seit dem Frühstück weder was vernünftiges gegessen, noch ausreichend getrunken hatten. Und mittlerweile war es nach 19 Uhr. Na gut, das Bier war unglaublich erfrischend aber wir konnten dort leider nichts essen. Als das Bier also getrunken war, machten wir uns auf den Weg, ein Restaurant zu finden. Vor dem Eingang des Etablissements, wo wir das Bier getrunken hatten, warteten Strassenkinder, um uns um Geld zu bitten. Ich war mit meinen Gedanken so darauf konzentriert, was ich ihnen auf französisch sagen wollte, dass ich vergessen habe, auf den Weg zu achten. Nun, es war dunkel und ja, natrülich weiß ich, daß hier in Kamerun in den Gehwegen kleine Abwassergräben zu den Straßen hin eingebaut sind. Diese sind nur zum Teil oder gar nicht mit Steinplatten abgedeckt. Und die Gräben sind betoniert und ungefähr einen halben Meter tief und genau so breit. Ich also in Gedanken bei meinen französischen Sätzen und dabei übersehe ich einen dieser Abwassergräben und mache einen Schritt - in die Tiefe... Ich denke jedoch, ich war dabei recht elegant, denn mit dem anderen Bein setzte ich über diesen kleinen Graben hinweg, um hoch erhobenen Hauptes mit einem kleinen "Hoppla" auf den Lippen wieder mit dem anderen Bein aus dem Graben zu steigen. Manu schaute mich nur irritiert an "Gehts dir gut?" Die Strassenkinder sagten nur "ohhh". Und ich musste lachen... Obwohl mein Schienbein schmerzte... Und ja, ich habe einen blauen Fleck und eine Schürfwunde davon getragen und ja, es ist mir eine Lehre, daß ich auf leeren Magen KEIN gekühltes Bier mehr trinke.
Der Blick von unserem Zimmer
Wir fanden dann noch einen kleinen, islamischen Schnellimbiss. Dort gab es für uns Reis und Rindfleisch, natürlich gekürt mit TopPampelmousse. Oh nein, das war leider aus, also gab es Top-Citrone. Nicht so gut wie Top-Pampelmousse aber ok. Danach spazierten wir im Dunkeln zur Mission (wir mussten vor 21 Uhr wieder da sein) und fielen müde in unsere Betten. Morgen hieß es zeitig aufstehen, weil wir Tickets für den Nachtzug nach Yaoundè Freitagabend (also übermorgen) brauchten.

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