Donnerstag, 20. Januar 2011

Post

Ich entschuldige mich dafür, dass momentan die Berichterstattung aus Kamerun zu wünschen übrig lässt. Aber wie ich bereits vor einiger Zeit angekündigt habe, bearbeite ich gerade meinen ersten Test für mein Studium "Deutsch als Zweitsprache in der Grundschule" und arbeite an der Hausarbeit zum Thema "Nachhaltige Enwicklungszusammenarbeit". Daher ist mein Kopf momentan voll mit anderem Kram, als mit Themen für den Blog.

Gerade waren wir wieder mal bei der Post. Kurz nach den Weihnachtsferien habe ich noch nachträgliche Post bekommen für Geburtstag und Weihnachten. Ein Teil kam bei Manu in der Schule an. Unter anderem ein Paket meiner Mutter, die mir eine Freude mit Schokoladenkleinigkeiten machen wollte :)
Ein Teil ist auch angekommen. Was wir nicht wussten, dass Ratten und Post irgendwann und irgendwo  zusammen aufbewahrt werden. Das Resultat: nicht die ganze Schokolade kam an, so wie sie sollte (wobei der Teil, der ankam verschiedene Aggregatzustände durchgemacht und seine Form erheblich zu "platt" verändert hatte :D )... Und irgendwie war entweder Schokolade an den Büchern, so dass die Ratten sie verwechselt haben oder es waren sehr wissbegierige Ratten... Es sind jetzt zumindest besondere Bücher :)

 
 Das zweite Paket kam aus Norwegen, von meiner Schwester. Diese hatte mir schon gesagt, dass sie auf den Zoll-Aufkleber eine Umschreibung auf norwegisch vom Inhalt des Paketes gegeben hatte. Dieses Paket kam auch nicht in Manu's Schule an, sondern eben bei der Post. Also machten wir uns auf den Weg zur "Zentralpost". Diese liegt am "Rondpoint de la Poste", einem riesigen Kreisverkehr. Laut "Wikivoyage" (http://www.wikivoyage.org/de/Yaound%C3%A9) ist dies der gefährlichste Ort Yaoundés. (Zitat: "Als besonders gefährliche Quartiere gelten insbesondere in der Nacht die Briquetterie, die Gegend um den Bahnhof, die Gegend um die Märkte Mokolo und Mfoundi und der angegenzende Rondpoint de la Poste - letzterer auch am Tage.") Aber manchmal muss man sich eben auch in Gefahr begeben, wenn man ein Päckchen abholen will. Manu und ich haben uns also mit dem Abholschein auf den Weg gemacht. Es war unglaublich warm, die Straßen in dem Viertel sind voll,voll,voll mit Straßenhändlern. Die Fußgängerampeln wechseln fleißig von grün auf rot (oder von grün auf ohne-Signal) und wieder zurück. Aber... sie haben nicht unbedingt die Wirkung, die sie haben sollten... Also schiebt man sich irgendwann und irgendwie zwischen den LKW, Taxen und sonstigen Gefährten über die mehrspurigen Straßen des Kreisverkehrs. Um dann irgendwann auf der anderen Seite der Zentralpost anzukommen. Also zur Veranschaulichung, dies ist der Kreisverkehr der Post. Die Post ist auf dem Bild oben recht, das weiße Gebäude. Wir sind von links, aus
der Strasse vor dem ockerfarbenen, langgezogenen Gebäude, gekommen. Und wir haben das ockerfarbene Gebäude umrundet, mussten die Strasse hinter eben diesem Gebäude überqueren, die Strasse zwischen dem enormen Hochhaus und dem Häusertrio (ocker-grau-farben) und die Strasse zwischen Häsuertrio und Post. Das ist alles machbar, man muss einfach ein bißchen Mut haben, loszugehen, auch wenn das ein oder andere Taxi noch fährt. Und dann muss man darauf hoffen, dass alle anhalten. Das geht in der Regel aber schon gut, da die Autos ja eh im Stau stehen... Gut, wir sind also mit unserem Abholschein bei der Post angekommen. Und wir werden freundlich darüber informiert, dass wir das Paket nicht dort abholen können, sondern zu einer anderen Zweigstelle müssen. Also den ganzen Weg zurück, die Sonne brennt, vorbei an vollurinierten, stinkenden Straßengräben und brennenden Müllhaufen. Dabei stellen wir fest, daß die Menschen hier doch recht experimentierfreudig sind. Jemand versucht doch tatsächlich, seinen Müll bestehend aus Glasflaschen zu verbrennen. Aber nun, Versuch macht klug... Es hat NICHT geklappt.
Wir sind an dem Tag nach Hause zurück. Denn es hat uns eine Stunde für den Hinweg und eine für den Rückweg gekostet. Damit waren dann die Öffnungszeiten der Zweigstelle vorbei.
Also am nächsten Tag auf ein Neues. Nur wenige Minuten von unserem Haus befindet sich der Hauptbahnhof Yaoundés: links das Bahnhofsgebäude, dahinter die
Zweigstelle der Post. Empfangen wird man von einem enormen, stinkenden, dauerschwelenden Müllberg. Aber ansonsten empfängten einen dort nichts. Ein leerer Parkplatz und nur eine weitere Kundin. Dafür 7 Postmitarbeiter, die nicht so genau wissen, was sie machen sollen. Nun gut, wir geben unseren Abholschein ab, unterschreiben, dass wir da sind und zahlen die ersten 4000CFA (Kurze Währungsinfo:
Der Franc CFA (internationales Symbol: XAF) ist an den Euro angebunden und hat einen fixen Wechselkurs von aktuell 655.597 XAF pro EUR. Der Kurs wird von der BEAC (Zentralbank) festgelegt und wurde bisher seit der Einführung des Euro nie verändert.). Dann werden wir ins Lager verwiesen, wo wir unser Paket bekommen sollen. Dort wieder 4 Mitarbeiter, eine füttert ihr kleines Kind, die andere hat ihren Kopf auf den verschränkten Armen auf ihrem Schreibtisch gebettet und die beiden anderen Damen lauschen gespannt dem Radio. Und dann kommen wir und stören diese Idylle... Gut, also zur ersten Dame, Zettel abgeben, dass wir das Paket abholen wollen. Weiter geht es zur zweiten Dame, während die erste sich schlurfend auf den Weg macht, unser Päckchen zu holen. Bei der zweiten Damen geht es ans diskutieren, wieviel Zoll ich zahlen muss. Das Päckchen kommt, aber in ihre Hände... Sie versucht, die norwegische Beschreibung über den Inhalt des Päckchens zu lesen. Ich übersetze ihr: 1 Hose und 2 Stoffe... Hm, ok, interessant was man so zu Weihnachten bekommt :) Wert ungefähr 850NOK... "Gut, was sind NOK?" "Das ist die norwegische Währung, Madame." "Gut, wieviel ist das in CFA?" "Ähhhmmmmm, vielleicht weniger als 30 Euro?" "Ok, vielleicht..." Hähhhh??? Die Damen holt zur Sicherheit ihre Währungsumrechnungsliste hervor und schaut, ob sie die Währung NOK findet. Und sie wird fündig. Nur... wie rechnet man um??? Gut, das haben Manu und ich ja schon gemacht, also 30 Euro. "Wieviel Zoll könnt ihr zahlen", werden wir gefragt? "Wie bitte? Wieviel Zoll wir zahlen können???" "Ja, normal sind 57% des Inhalts an Zoll zu zahlen..." Uffda... "Aber so viel Geld haben wir nicht. Man hat uns gesagt, 5000CFA wäre an Zollgebühr zu zahlen." Die Dame lächelt uns an. "Wofür brauchen sie denn den Inhalt, madame?" fragt sie mich. "Oh, ich kann aus dem Stoff Kleidung nähen." "Oh wie schön, sie können nähen, madame?" "oui, oui." Gut, das wäre auch geklärt. Und die Dame hält inne und lauscht dem Radio. Jemand ist gestorben... "Was, monsieur XY ist gestorben? Das kann doch gar nicht sein." Und sie diskutiert mit ihrer Arbeitskollegin. Und das Paket??? "Also gut, wo waren wir? Ah ja, wieviel Zoll können Sie zaheln?" Manu fragt mich, ob ich 10.000CFA habe - hab ich. "Gut, also 10.000CFA haben wir." "D'accord." Alors, wir zahlen den Zoll und bekommen endlich das Päckchen... Und können uns auf den Heimweg machen. So viel Aufregung für ein kleines Päckchen :) Aber noch mal Danke!!!
Und heute mussten wir dann eben wieder zu dieser Zweigstelle, denn Manu hat einen weiteren Zettel in seinem Fach in der Schule. Aber wer sollte noch ein Paket aus Norwegen schicken? Wir also hin, wieder fleißig zahlen, wieder in die Lagerhalle... Nur um festzustellen, dass wir das Paket von dem Abholschein bereits abgeholt haben. Wenn nach 10 Tagen ein Paket nicht abgeholt wird, wird ein zweiter Bescheid rausgeschickt. Da die Post hier im allgemeinen etwas langsam ist, dauert das halt ein wenig. So dass wir in der Zwischenzeit das Paket eben bereits abgeholt hatten, eben jenes besagte mit der Hose und dem Stoff.

Ihr seht, das Leben hier wird nie langweilig. Demnächst mehr :) Und solltet ihr mal ein Päckler nach Kamerun schicken, immer dran denken: legt auch was für die Ratten rein ;) Lasst es euch gut gehen...

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